Bremen-Wahl Jungunternehmerin verhilft FDP zum Mini-Comeback

Erst in Hamburg, nun in Bremen: Die FDP schafft auch im kleinsten Bundesland die Rückkehr ins Parlament. Wie hat die 29-jährige Spitzenkandidatin Lencke Steiner das gemacht?
Wirtschaftsfrau Lencke Steiner: Für die FDP in die Bremer Bürgerschaft

Wirtschaftsfrau Lencke Steiner: Für die FDP in die Bremer Bürgerschaft

Foto: Ingo Wagner/ dpa

Die Liste der Glückwünsche wurde am Sonntagabend immer länger: "Super Ergebnis", "Bravo", "Das Ding ist gerockt", schrieben FDP-Anhänger auf Lencke Steiners Facebook-Seite. Der 29-jährigen Unternehmerin ist so etwas wie ein kleines Wunder gelungen. Mit Steiner als Spitzenkandidatin hat die FDP den Sprung ins Bremer Landesparlament geschafft. Dass eine politisch unerfahrene Kandidatin auf Anhieb 6,5 Prozent holt, ist zumindest ungewöhnlich.

Nach der verkorksten Bundestagswahl 2013 ist das Mini-Comeback für die FDP eine Wohltat. Zusammen mit der Hamburg-Wahl im Winter kann sie den zweiten Landtagswahlerfolg in Folge präsentieren. Vor 20 Monaten war die FDP aus dem Bundestag geflogen und hatte seither auch eine Reihe von Landtagswahlen verloren. Nun zeigt die Partei, dass noch Leben in ihr steckt.

Die zarte Glückssträhne sorgt in der Bundespartei sofort für Jubelstürme. FDP-Chef Christian Lindner sieht in der Bremen-Wahl eine "Richtungsanzeige für die FDP bundesweit". Die Liberalen hätten die richtigen Themen gesetzt und "den Nerv der Stadt getroffen".

Jetzt will sie FDP-Mitglied werden

Auch Steiner ist euphorisiert. "Was wir geschafft haben, ist eine Sensation", sagte sie auf der Wahlparty. Und bei einem Fernsehinterview am Abend sagte sie, man habe "ein Signal ins Kanzleramt" senden wollen. Ganz schön forsch für eine Mini-Siegerin im kleinsten Bundesland.

Steiner hat derzeit allen Grund, selbstbewusst zu sein. Mit ihr als Spitzenkandidatin fuhr die FDP in Bremen das beste Ergebnis seit zwei Jahrzehnten ein. Dabei ist sie bislang nicht einmal Mitglied der FDP. Sie ließ sich lediglich für die Liberalen in Bremen als Spitzenkandidatin aufstellen.

Die Lokalpresse sah darin einen Vorteil. "Die Frau ohne Parteibuch als Angebot für Menschen, die sich nicht gerne binden - für junge Menschen. Das ist das Kalkül", schrieb der "Weserkurier" im Wahlkampf.

Noch am Wahlabend verkündete Steiner allerdings, sie werde ihren Antrag auf FDP-Mitgliedschaft "gleich abgeben". Im Wahlkampf hatte sie gehofft, "dass man mehr Menschen abholen kann, wenn man für Inhalte steht und nicht für Parteien." Nun freue sie sich auf die Arbeit als Fraktionsvorsitzende und werde auch der FDP beitreten.

Bekannt aus Funk und Fernsehen

Womöglich gaben einige Bremer Steiner auch deshalb ihre Stimme, weil sie eben keine klassische Politikerkarriere hingelegt hat, sondern eine in der freien Wirtschaft. Den Betrieb ihrer Familie, eine Bremer Verpackungsfirma, leitet sie gemeinsam mit ihrem Vater.

Steiner dürfte auch so manchem Fernsehzuschauer bekannt vorkommen. Als Vorsitzende des Verbandes der Jungunternehmer ist sie regelmäßig in Talkshows zu Gast, meistens, wenn es um mehr Freiheit für Firmen und Gründerkultur geht (dafür), die Rente mit 63 (dagegen) oder die Frauenquote (dagegen). "Wirtschaftskraft, Gründergeist und zukunftsorientierte Bildung" versprach sie im Wahlkampf für Bremen.

In der TV-Show "Die Höhle des Löwen" entschied sie als Jury-Mitglied über Geschäftsideen von Firmengründern. Und gemeinsam mit ihren Parteikolleginnen Katja Suding und Nicola Beer posierte sie in der Zeitschrift "Gala" als Actionheldin im Stil von "Drei Engel für Charlie". Ihre Wahlplakate waren demonstrativ frisch gehalten - und personalisiert pur. Im ansonsten ziemlich langweiligen Bremen-Wahlkampf fiel das auf.



In Hamburg jubelte bereits FDP-Frau Suding Mitte Februar über 7,4 Prozent, auch dieser Wahlkampf war geprägt von auffälligen Wahlplakaten und klarer Personalisierung. Dahinter steckt auch der Versuch, vom verstaubten Image der Alte-Männer-Partei wegzukommen. Zuletzt hatte Parteichef Lindner eher verzweifelt wirkende Versuche angestellt, um Aufmerksamkeit zu erregen, etwa mit der Forderung nach einem temporären Grexit.

Das kleine Bremen-Wunder dürfte Lindner jetzt erst einmal durch das kommende Wochenende tragen, an dem die FDP ihren Bundesparteitag in Berlin abhält. Er stellt sich dort zur Wiederwahl.

Bis zur erhofften Rückkehr in den Bundestag 2017 ist es allerdings noch weit. In den bundesweiten Umfragen kommen die Liberalen bislang nicht so richtig auf die Beine.

amz/dpa
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