Brexit-Votum Helmut Kohl warnt vor Härte gegenüber Briten

Wie soll die EU nach dem Brexit-Votum mit Großbritannien umgehen? Altkanzler Helmut Kohl hält laut einem Medienbericht nichts von Hast und Härte.

Altkanzler Kohl
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Knapp eine Woche nach dem Brexit-Votum in Großbritannien hat sich Helmut Kohl zu Wort gemeldet. Es gelte, einen vernünftigen Weg im Umgang mit dem Referendum der Briten zu finden, sagte Kohl der "Bild".

Es wäre ein Riesenfehler, von Seite der Europäischen Union jetzt die Türen zuzuschlagen, mahnte der Altkanzler. Stattdessen plädierte er für Besonnenheit. Das Wichtigste: Das Land müsse selbst entscheiden, was es wolle.

Rund 52 Prozent der britischen Wähler hatten am vergangenen Donnerstag für einen EU-Austritt gestimmt. Bisher lässt die Regierung in London offen, wann sie das EU-Austrittsverfahren anschieben will. Die anderen EU-Regierungschefs drängen Großbritannien, dies zügig zu tun. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert baldiges Handeln.

Kohl mahnte in dem Bericht, Europa müsse eine Atempause einlegen, einen Schritt zurückgehen und dann langsam zwei Schritte vorangehen - in einem Tempo, das mit den Mitgliedstaaten machbar sei. Er plädierte auch dafür, die nationalen und regionalen Eigenständigkeiten und Identitäten der einzelnen Mitgliedstaaten stärker zu achten und mehr Respekt vor der Geschichte und Befindlichkeit der Partner zu haben.

Söder: EU-Budget schrumpfen

Bayerns Finanzminister Markus Söder warnte in der "Welt" davor, Deutschland die durch einen Brexit entstehenden Kosten aufzubürden. Die bisherigen britischen Beitragszahlungen dürften nicht einfach auf Deutschland und die übrigen Nettozahler-Länder übertragen werden, sagte der CSU-Politiker der "Welt". Stattdessen solle die EU-Kommission das Geld einsparen. Zugleich machte er die EU-Kommission für die Entscheidung der Briten mitverantwortlich.

Bundesjustizminister Heiko Maas sprach sich für eine offensive Auseinandersetzung mit europafeindlichen Parteien aus. "Wir dürfen uns keine Illusionen machen: Rechtspopulisten in Europa werden versuchen, das Brexit-Votum zu instrumentalisieren, um Stimmung gegen Europa zu machen", sagte der SPD-Politiker. Es sei daher wichtig, diese Debatte jetzt zu führen. "Dann wird deutlich, wer Deutschland eingebettet in internationale Partnerschaften in die Zukunft führen will und wer auf einen nationalistischen und isolierten Kurs setzt."

brk/dpa



insgesamt 265 Beiträge
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Seite 1
jujo 30.06.2016
1. ...
Lieber Herr Kohl oder Ihr Sprachrohr, die Briten haben doch entschieden was sie wollen. Wo ist Ihr Problem?
KingTut 30.06.2016
2. Zum Glück ...
... hat Kohl das nicht zu entscheiden, falls er diese Haltung wirklich einnimmt und hoffentlich hört auch niemand auf ihn. Man kann nicht die Vorzüge eines Clubs genießen, ohne einen Mitgliedsbeitrag zu zahlen. Selbst Norwegen und die Schweiz bekommen ihr Modell nicht zum Null-Tarif (indem sie z.B. pro Kopf genauso viel in die EU einzahlen wie derzeit GB - eine von vielen Quellen: n-tv von gestern). Ergo muss das gleiche für Großbritannien gelten. Ansonsten ermutigen wir weitere Länder, es den Briten gleichzutun.
Thomas Gr. 30.06.2016
3. Wenn ich mich ricgtig erinnere
ist doch Altkanzler Kohl, derjenige dem ein pers. gegebenes Ehrenwort mehr wert ist als die Gesetze der Bundesrepublik. Und dieser "ehrenwerte" Mensch wagt es sich zu äußern? Er möge bitte seine letzten Tage auf dieser Welt in Frieden und vor allem Ruhe genießen.
nici_d 30.06.2016
4. Die macht mir mein Europa kaputt
Kohl über Merkel: "Die macht mir mein Europa kaputt", nachzulesen in SpOn vom 17.7.2011 http://www.spiegel.de/politik/deutschland/schuldenkrise-helmut-kohl-rechnet-mit-merkels-europapolitik-ab-a-774875.html Mehr ist da nicht zu sagen.
ijf 30.06.2016
5. oh je...
Der Alte aus Oggersheim versucht aber nicht ernsthaft, den "Job" des Alten aus Hamburg zu übernehmen? Ich glaub nicht, dass die Schuhe passen...
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