Kanzlerin zum Brexit Merkel spricht von "Einschnitt für Europa"

Angela Merkel rät nach der Brexit-Entscheidung zu Ruhe und Besonnenheit. Das Votum der Briten habe sie "mit Bedauern" zur Kenntnis genommen.

REUTERS

Der schnelle Überblick
    Das ist passiert:
  • • 51,9 Prozent der britischen Wähler haben für den Austritt des Landes aus der Europäischen Union gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag bei mehr als 70 Prozent.

  • • Premier David Cameron hat seinen Rücktritt für Oktober angekündigt.

  • • Politiker aus Schottland und Nordirland wollen in der EU bleiben.

  • • Das Pfund verliert dramatisch an Wert, Aktienkurse weltweit stürzten ab.

• Rechtspopulisten in ganz Europa freuen sich und fordern nun ebenfalls Volksabstimmungen über die EU.

In einer kurzen Stellungnahme hat Angela Merkel auf den Ausgang des EU-Referendums in Großbritannien reagiert. "Es gibt nichts drum herumzureden, der heutige Tag ist ein Einschnitt für Europa, er ist ein Einschnitt für den europäischen Einigungsprozess", sagte die Kanzlerin. Sie habe die Entscheidung der Briten "mit Bedauern" zur Kenntnis genommen. Sie warnte zugleich davor, jetzt "schnelle und einfache Schlüsse zu ziehen". Merkel rief zu Ruhe und Besonnenheit auf. Sie betonte zudem, dass der Austritt eines EU-Landes vertraglich geregelt sei und einen langen Prozess bedeute.

Die Briten hatten am Donnerstag mehrheitlich für einen Austritt aus der EU gestimmt. Premier David Cameron kündigte am Tag danach seinen Rücktritt für Oktober an.

Merkel kündigte für den kommenden Montag ein europäisches Krisentreffen zum Brexit in Berlin an. Dazu habe sie EU-Ratspräsident Donald Tusk, Italiens Regierungschef Matteo Renzi und Frankreichs Präsident François Hollande eingeladen. Am Dienstag werde sie im Rahmen einer Sondersitzung des Bundestags über die Haltung der Bundesregierung informieren.

In der Bevölkerung - auch in Deutschland - gebe es ganz unterschiedliche Erwartungen an die EU "und immer heftigere Zweifel an der Richtung, die der Einigungsprozess eingeschlagen hat". Das gelte nicht nur für Großbritannien, sondern "in unterschiedlichen Ausprägungen" für alle Mitgliedstaaten. Aus diesem Grund müsse sichergestellt werden, dass die Bürger konkret spüren könnten, wie die EU ihr Leben verbessere.

"Die Europäische Union ist stark genug, um die richtigen Antworten auf den heutigen Tag zu geben", sagte die Kanzlerin. Wichtig sei, dass die 27 verbleibenden Mitglieder der EU dann gemeinsame Beschlüsse träfen. Deutschland habe eine besondere Verantwortung und ein großes Interesse daran, dass die europäische Einigung gelinge.

Merkel hob die Bedeutung der Europäischen Union hervor. Die EU sei eine "einzigartige Solidar- und Wertegemeinschaft. Sie ist unser Garant für Frieden, Wohlstand und Stabilität", betonte die Kanzlerin. "Nur gemeinsam werden wir unsere Werte von Freiheit, Demokratie und Rechtstaatlichkeit und unsere Interessen - wirtschaftliche, soziale, ökologische, außen- und sicherheitspolitische - im globalen Wettbewerb auch weiter behaupten können."

Videokommentar: "Jetzt muss die EU erst recht zusammenwachsen"

SPIEGEL ONLINE

als/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 153 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Tharsonius 24.06.2016
1. Ok
Aus diesem Grund müsse sichergestellt werden, dass die Bürger konkret spüren könnten, wie die EU ihr Leben verbessere. Man darf gespannt sein inwieweit sich da jetzt etwas tut. ich geben allem eine Chance, insbesondere nach solch einem Ereignis.
monolithos 24.06.2016
2.
Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass Frau Merkel den Briten ihr uneingeschränktes Vertrauen ausgesprochen hat.
Olaf 24.06.2016
3. Nibelungentreue
Natürlich machen wir einfach weiter. Wir sind Deutsche, was schert uns die Realität.
bermany 24.06.2016
4. Besonnenheit
Merkel ruft zur Besonnenheit auf und Seehofer zum Referendum in Deutschland. Klasse, wie die Parteien miteinander harmonieren. War aber auch nicht anders zu erwarten von den Bayern. Einer springt eben immer aus dem Konzept. Auffallend ist nur, dass es immer die Selben sind.
denny101 24.06.2016
5.
Ich halte den Brexit für einen schweren Schlag gegen die Rechtschaffenheit in Europa. Jetzt werden einige Südländer umso vehementer Verschuldung auf Kosten der ordentlich wirtschaftenden Länder fordern. Bei Renzi in Italien z.B. hält sich die Trauer über den Brexit in Grenzen, er fordert stattdessen, dass sich Europa verändern müsse. Na, in welche Richtung denn ? Richtig: noch mehr Staatsverschuldung, noch weniger Kontrolle der maroden Haushalte. Der Brexit liefert Europa den verantwortungslosen Interessen der Schuldenmacher aus. Das einzig Positive am Brexit ist die Chance, dass Europa den irren Finanzmärkten endlich die Fesseln anlegt, die GB die ganze Zeit verhindert hat.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.