Designierter BND-Chef Kahl Wer ist der Neue?

Die Personalie überrascht: Bruno Kahl ist in Geheimdienstangelegenheiten noch nie in Erscheinung getreten - jetzt wird er BND-Chef. Der 53-Jährige im Kurzporträt.

Bruno Kahl, designierter BND-Präsident
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Bruno Kahl, designierter BND-Präsident

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Bruno Kahl ist wie geschaffen für das Amt des obersten Spions Deutschlands. Schließlich gibt es nicht allzu viele offizielle Fotos von ihm. Das zumindest ist der Running Gag, der kurz nach der Verkündung seines neuen Postens durchs Netz geht.

Kahl steigt zum 1. Juli auf zum Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND) und folgt damit auf Gerhard Schindler, der die Behörde seit 2012 geführt hatte. Von dem gibt es reichlich Bildmaterial: grimmig, freundlich, mit erhobenem Zeigefinger.

Derzeit arbeitet Kahl als Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium. Der 53-Jährige - rundliches Gesicht, Lachfalten, graues Haar - gilt als durch und durch ziviler Typ, völlig unmilitärisch. Nicht nur deshalb ist die Personalie überraschend.

Der Schindler-Nachfolger ist Jahrgang 1962, CDU-Mitglied und zweifacher Vater. Zwischen 1983 und 1988 studierte er Rechtswissenschaften in Bonn und Lausanne. 1994 machte er sein zweites juristisches Staatsexamen beim Oberlandesgericht Köln, ein Jahr später begann seine Karriere in der Verwaltung des Kanzleramts.

20 Jahre an Schäubles Seite

Später wechselte er in die Unionsfraktion im Bundestag, bevor er in mehreren Bundesministerien unterschiedliche Aufgaben übernahm, zum Beispiel als Sprecher des damaligen Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble und als Stabsleiter in dessen Ministerium. Zwischendurch - 2008 - legte Kahl seine Promotion ab.

Und der BND? Taucht in seiner bisherigen Vita nicht auf.

Dennoch bemühte sich Kahl bei seiner Vorstellung als künftiger Chef der Behörde an diesem Mittwoch, einen ruhigen und souveränen Eindruck zu hinterlassen. An der Seite von Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) und Geheimdienst-Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche trat er vor Journalisten und schien dabei durchaus überzeugt davon, die krisengeschüttelte Behörde kompetent führen zu können.

Es wird einiges auf ihn zukommen:

  • der Umzug großer Teile des BND von Pullach nach Berlin,
  • die notwendigen organisatorischen und rechtlichen Konsequenzen aus dem NSA-Untersuchungsausschuss,
  • die veränderten sicherheitspolitischen Herausforderungen.

All das zählte Altmaier auf. Und was hat Kahl mit dem deutschen Auslandsgeheimdienst vor? Er bitte um Verständnis dafür, dass er sich zu diesem Zeitpunkt nicht über seine konkreten Ziele beim BND äußern werde, sagte Kahl, schließlich sei er noch nicht offiziell im Amt.

Bislang war er vor allem als Schäuble-Intimus bekannt. Seit mehr als 20 Jahren arbeiten die beiden eng zusammen. Kahl gehörte zu einer Gruppe von Mitarbeitern, die den Finanzminister stets intellektuell munitioniert haben. Schäuble selbst gilt in der Union als sicherheitspolitischer Hardliner. Erst kürzlich hatte er Kanzlerin Angela Merkel gewarnt, den BND mit einer geplanten Reform zu stark in seiner Arbeitsfähigkeit einzuschränken.

Mit der Ernennung Kahls will er nichts zu tun gehabt haben. "Ich habe Herrn Kahl so positiv beurteilt, wie meine Erfahrungen mit ihm sind, aber ich habe an der Entscheidung trotzdem nicht mitgewirkt", sagte Schäuble. Tatsächlich war es offenbar Altmaier persönlich, der den Namen Bruno Kahl als neuen BND-Präsidenten ins Spiel gebracht hatte. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sei Schäuble zufolge eingebunden gewesen und mit der Entscheidung einverstanden.

Mitarbeit: Annett Meiritz



insgesamt 8 Beiträge
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swandue 27.04.2016
1.
Manchmal muss man einfach ein neues Gesicht präsentieren, auch wenn man nicht davon überzeugt ist, dass es der Neue besser macht als es der Alte gemacht hätte. Wollen wir wetten, wann Kahl geht? 15.10.2020!
nick23 27.04.2016
2. Buchhalter wird Werkschutzleiter
Wer erst einmal in unserem Parteiensystem ein bestimmtes Level erreicht hat kann einfach alles, auch ohne von seinem Job auch nur einen Funken von Ahnung zu haben. Macht nichts, denn die Leute über ihm, die ihn auswählen und überwachsen sollten, haben ja auch alle von allem keine besondere Ahnung. Zu denken ist da auch an unseren obersten Verfassungsschützer, der uns ja vor kurzem noch erklärte, dass IS Terroristen grundsätzlich nicht als Flüchtlinge getarnt ins Land kommen, sondern per Fluchzeug einreisen.
genaumeinding 27.04.2016
3. Kenntnisse sind in der Politik eher hinderlich
20 Jahre Schäuble- ich würde ihn für das Bundesverdienstkreuz vorschlagen. Soviel Leidensfähigkeit nötig schon Respekt ab. Dann ist man natürlich für alles qualifiziert. Geltendes Recht wird bekanntlich völlig überbewertet. Und die Grundrechte erst recht. Da kann man mit dem BND nach wie vor Spionieren bis es auffällt.
bold_ 27.04.2016
4. Jetzt kommt
der längst überfällige Kahlschlag! Beamten kann man zwar nicht so einfach kündigen, aber der Umzug in eine neue Betriebsstätte wird gern zum Aufräumen genutzt. Wir sind gespannt auf den neuen BND...
wannbrach 27.04.2016
5.
In Deutschland geht es jetzt fast so zu wie in einer Bananen-Republik. Die Person mit den besten Kontakten wird gefördert, es ist einfach zum Heulen. Oder kann jemand daran glauben dass Frau Von der Leyen etwas vom Militär versteht?
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