BSE Andrea Fischer will mehr Schnelltests

Die Rinderseuche BSE bringt die Politik in Bewegung. Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) will auch gesundes Schlachtvieh auf die Seuche hin testen lassen.


Andrea Fischer
DPA

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Berlin/Amsterdam - Mit den Schnelltests solle verhindert werden, dass kranke Rinder in die Nahrungskette gelangen, teilte das Bundesgesundheitsministerium mit. In Deutschland müssen nach den EU-Richtlinien 8000 bis 10.000 Tiere im Jahr auf BSE untersucht werden. Doch die Vorschrift aus Brüssel sieht die Prüfungen nur vor, wenn die Rinder verendet sind, notgeschlachtet wurden oder vor dem Tod auffällig waren. Fischer will die Untersuchungen nicht nur auf gesundes Vieh ausdehnen, sondern auch die Anzahl der Tests auf 60.000 erhöhen.

Am Mittwoch wollen auf Einladung des Gesundheits- und Agrarministeriums Experten, die zuständigen Sprecher der Fraktionen sowie Vertreter der Bundesländer über weitere Schritte beraten. Themen seien mögliches BSE-Risikomaterial, die aktuelle Entwicklung der BSE-Zahlen vor allem in Frankreich und die Übertragbarkeit durch Blutprodukte.

Noch vor den Beratungen der EU-Landwirtschaftsminister über BSE am Montag gingen die Niederlande einen Schritt weiter. Das Agrarministerium verfügte, dass im eigenen Land französische Rinder vorerst nicht mehr geschlachtet werden dürfen. Fleisch von französischen Rindern, das sich bereits im Handel befinde, solle allerdings nicht zurückgezogen werden.

Der niederländische Landwirtschaftsminister Laurens Jan Brinkhorst werde mit weiteren Anordnungen warten, bis seine EU-Kollegen einen Beschluss gefasst haben werden, hieß es weiter. Erst danach werde Brinkhorst entscheiden, ob das Vermischen von tierischen Produkten mit Geflügel- und Schweinefutter verboten werde. Die Tageszeitung "Het Financieele Dagblad" berichtete, die Regierung plane ein vollständiges Verbot tierischer Bestandteile in Tierfutter.

Frankreich hatte in der vergangenen Woche den Verkauf von so genannten T-Bone-Steaks sowie die Verwendung von Tier- und Knochenmehl zu Fütterungszwecken verboten. Französische Supermärkte hatten eingeräumt, Rindfleisch verkauft zu haben, das womöglich mit BSE verseucht gewesen sei. Die Zahl der gemeldeten BSE-Fälle in Frankreich ist in diesem Jahr nach Einführung eines neuen Schnelltests auf über 100 und damit auf das Dreifache des Vorjahres gestiegen.

Die Landwirtschaftsminister der Europäischen Union sollen am Nachmittag in Brüssel zusammenkommen. Bei dem Treffen soll auch über die Einführung obligatorischer BSE-Tests für Rinder beraten werden. Die Rinderseuche BSE steht im Verdacht, beim Menschen die tödliche Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auszulösen.



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