BSE Bauern blockieren Abtransport von Rinderherde

Bei eiskalten Temperaturen haben mehrere hundert Bauern in der vergangenen Nacht den Abtransport von Rindern aus zwei Bauernhöfen blockiert.





Die Bauern machen mobil: Protest in Stiefenhofen.
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Die Bauern machen mobil: Protest in Stiefenhofen.

Stiefenhofen/Ochsenhausen - Etwa 300 Landwirte versperrten die Straßen vor den beiden Höfen in Stiefenhofen nahe Lindau. Auf Transparenten mit Losungen wie "Massentötung ist Wahnsinn! Stoppt den Wahnsinn!" und Kuhglocken protestierten die Bauern gegen das Töten der Herde. Die Stimmung war äußerst gereizt.

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Der Kreis-Bauernverband forderte die Demonstranten nach einer halben Stunde auf, die Straße zu verlassen. Die Polizei übte in Gesprächen Druck auf die Bauern aus. Gegen 4.30 Uhr konnte der Konvoi aus drei größeren und einem kleineren Lkw mit Anhängern seine Fahrt fortsetzen. Die 85 Tiere wurden noch am Vormittag eingeschläfert und danach vernichtet. Der Abtransport von weiteren 60 Rindern aus dem baden-württembergischen Ochsenhausen-Goppertshofen verlief dagegen am Morgen ohne Probleme.

Eine auf dem Hof geborene Kuh war in der vergangenen Woche in Baden-Württemberg BSE-positiv getestet worden. Der Bauer aus dem baden-württembergischen Ochsenhausen hatte das Tier vor zwei Jahren in Kempten ersteigert und seitdem auf seinem Hof gehalten. Seine Rinder wurden wegen des BSE-Falls bereits am Mittwoch getötet. Da sich das Rind jedoch nach Meinung von Tierärzten vermutlich bereits in Stiefenhofen infiziert hat, gelten auch diese Tiere als verdächtig. Der Bauer hatte sich deshalb dafür entschieden, seine Herde töten zu lassen.

Eichel: Es gibt keine Extramittel

Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Wolfgang Birthler (SPD) forderte einheitliche Regelungen für die Tötung ganzer Rinderherden nach dem Auftreten eines BSE-Falles. "Ganz wichtig ist, dass die Länder und der Bund darin übereinstimmen", sagte Birthler dem Info-Radio Berlin-Brandenburg. Er verwies darauf, dass eine Ursache der BSE-Verbreitung eine uneinheitliche Vorgehensweise in Europa gewesen sei.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) dämpfte unterdessen erneut Erwartungen an Ausgleichsleistungen des Bundes für Folgelasten des BSE-Skandals. "Extramittel" des Bundes für die Kosten der Abfallbeseitigung oder die Entschädigung betroffener Bauern werde es nicht geben, sagte der Minister in der ZDF-Sendung "Was nun, Herr Eichel?"

"Wo soll's denn herkommen", fragte er. Nur dort, wo der Bund rechtliche Verpflichtungen habe, werde er sich ihnen nicht entziehen. Dann müsse eben in der Finanzplanung anderes zurückstehen. Wenn es infolge des Rinderwahnsinns zu "großen sozialen Problemen" komme, werde sich die Bundesregierung dem stellen. Aber dann seien "auch andere am Zuge". Die Verbesserung der Rindfleisch-Qualität sei nur über den Preis zu haben. Da fielen für die Verbraucher eben "ein paar Pfennig mehr Kosten beim Kilo Rindfleisch" an, sagte Eichel.

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