BSE-Schwindel Rindfleisch mit Mogeletikett an den Kunden gebracht

Es geht wieder um die Wurst. "Rindfleischfrei" steht auf vielen Wurstwaren in bayerischen Supermärkten. Proben haben jedoch gezeigt: Oft ist nur das Etikett rindfleischfrei.


München - Von den Mogelwürsten berichtet die "Augsburger Allgemeine" in ihrer Mittwochsausgabe. Das Landesuntersuchungsamt für das Gesundheitswesen Südbayern habe jedoch in vier von fünf Wurstproben Rindfleisch entdeckt. Entdeckt wurden die Produkte nach Angaben der Zeitung in zwei Supermärkten im Landkreis Augsburg und in je einem Supermarkt in den oberbayerischen Landkreisen Starnberg und Fürstenfeldbruck. Nun wird geprüft, ob die betroffenen Chargen möglicherweise komplett aus dem Verkehr gezogen werden sollen.


Wie der vCJK-Erreger den Menschen befällt (Flash-Grafik)

Für Laien oft nicht erkennbar: Was ist in der Wurst?
AP

Für Laien oft nicht erkennbar: Was ist in der Wurst?

Für die in Bayern von der BSE-Krise unmittelbar betroffenen Bauern hat unterdessen Landwirtschaftsminister Josef Miller (CSU) finanzielle Hilfen angekündigt. Ihnen werde "schnell und unbürokratisch" geholfen, versprach Miller am Dienstag in München. Vor allem der Milchgeldausfall gelte als erstattungsfähiger Schaden, teilte Miller mit. Auch für den Aufbau einer neuen Milchviehherde könne es Geld geben. Zudem könnten die Betriebe, deren Herden wegen der Rindeerseuche getötet wurden, nach dem Tierseuchengesetz eine Entschädigung erhalten. Auch indirekt von der BSE-Krise betroffenen Bauern sicherte Miller Unterstützung zu: Eine dafür notwendige Sonderregelung solle schnellstens erarbeitet und auf EU-Ebene abgestimmt werden.

Eigeninitiative im Allgäu

Unterdessen kündigten die Allgäuer Bauern an, ihre Futtermittel auf eigene Kosten untersuchen lassen zu wollen. Damit wollen sie das Vertrauen der Verbraucher wieder herstellen. Im Allgäu war der erste bayerische BSE-Fall bekannt geworden, inzwischen sind es im Freistaat vier BSE-Fälle. Die Allgäuer Bauern begründeten ihre Initiative mit einer "unzureichenden amtlichen Überwachung" der Futtermittelindustrie. Es sei skandalös, dass Futtermittel mit bis zu einem Prozent Tiermehl offiziell als sauber gegolten hätten. Alle bisherigen Ermittlungen deuteten darauf hin, dass Verunreinigungen der Futtermittel während der Produktion oder die unzulässige Beimengung von Tiermehl BSE-Erreger in bäuerlich geführte Familienbetriebe gebracht habe. Eine erste Staffel von Proben aus drei Ortsverbänden sei bereits vor den Weihnachtsfeiertagen genommen worden. Ergebnisse werden noch in dieser Woche erwartet, teilte der Kreisverband Oberallgäu des Bayerischen Bauernverbands am Dienstag in Kempten mit.

Existenzbedrohend für Bauern: die BSE-Krise
DPA

Existenzbedrohend für Bauern: die BSE-Krise

Bei den vorsorglich getöteten Rindern in Bayern ergab sich kein weiterer BSE-Befund. Nach Angaben des Sozialministeriums erbrachten die Untersuchungen aller 119 getöteten Tiere aus den von BSE betroffenen Beständen keine neuen positiven Ergebnisse. In Sulzberg im Oberallgäu waren 84 Tiere, im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau 35 Tiere nach BSE-Fällen vorsorglich getötet und verbrannt worden. Veterinäre hatten den Rindern zuvor Hirnproben entnommen. Die Analysen waren vom Landesuntersuchungsamt für das Gesundheitswesen Südbayern mit Hilfe des BSE-Schnelltests durchgeführt worden.

Zum Schutz vor BSE können Bauern in Bayern Kraftfutter für Rinder schon bald kostenlos auf Rückstände von Tiermehl testen lassen. Das kündigte Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) bei Besuchen auf BSE-Bauernhöfen im Allgäu und in der Oberpfalz an. Die Staatsregierung denke darüber nach, diese freiwilligen Tests anzubieten und die Kosten dafür zu übernehmen. "Wir möchten, dass jeder Bauer die Möglichkeit hat festzustellen, ob Tiermehl in dem Futter enthalten Ist", sagte Stoiber.



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