BSE-Tests EU verlangt Pannen-Aufklärung

Mindestens 611 Rinder sind in Deutschland im vergangenen Jahr ohne den vorgeschriebenen BSE-Test geschlachtet worden. Das Landwirtschaftsministerium rechnet mit etwa 1000 fehlenden Tests nach Abschluss der Prüfung. Die EU-Kommission verlangt nun Aufklärung über die Pannen.


Schlachtrinder: Seit gut drei Jahren müssen Rinder mit Schnelltests auf BSE überprüft werden
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Schlachtrinder: Seit gut drei Jahren müssen Rinder mit Schnelltests auf BSE überprüft werden

Berlin - Die EU-Kommission forderte die Bundesregierung auf, ihr Informationen über die Testpannen zuzuleiten. Ein Sprecher sagte am Freitag in Brüssel, die Kommission nehme die Vorgänge sehr ernst.

In EU-Kreisen hieß es, die EU-Kommission betrachte die Pannen in Deutschland bislang als "Einzelfälle". Derzeit seien keine Exportbeschränkungen oder rechtliche Schritte geplant. Falls die Zahl der durch die Kontrollen geschlüpften Schlachttiere nicht stark zunehme, sei keine Änderung dieser Haltung zu erwarten.

Die EU-Behörde forderte von der Bundesregierung indes genaue Informationen über die Testpannen. Die Kommission wolle unter anderem wissen, ob nicht getestetes Rindfleisch in andere EU-Staaten exportiert worden sei. "Wir nehmen den Fall ernst. Dies ist ein Regelverstoß", sagte der Sprecher.

Das Bundesagrarministerium rechnet wegen der Pannen bei den BSE-Tests damit, dass das Fleisch von bis zu 1000 Schlachtrindern nicht auf die Rinderseuche getestet worden ist. Der Staatssekretär im Bundesagrarministerium, Alexander Müller, sagte, bislang seien dem Ministerium bundesweit 611 Fälle bekannt, man erwarte aber noch einige hundert weitere Fälle. Zudem sei die EU-Kommission bereits über die Vorgänge informiert worden. Die deutsche Seite habe zugesagt, eine genaue Aufstellung der Pannen vorzulegen.

Die nordrhein-westfälische Verbraucherschutzminister Bärbel Höhn (Grüne) schloss nicht aus, dass es auch in anderen EU-Ländern zu Pannen gekommen sein könnte. "Ich fände es aber spannend, wenn die EU-Kommission auch mal schaut, was in den anderen EU-Ländern passiert ist", sagte Höhn in einem Reuters-Interview. "Denn auch die haben ja auch nicht 100-prozentig funktionierende Systeme", betonte die Ministerin.

BSE-Schnelltest: eine Probe mit Rinderhirn wird untersucht
DPA

BSE-Schnelltest: eine Probe mit Rinderhirn wird untersucht

Höhn fordert Konsequenzen aus den Pannen. In jedem einzelnen Fall müssten die Ursachen für die Versäumnisse herausgefunden werden. Höhn nannte es zugleich empörend, dass es eine hohe Zahl von Schwarzschlachtungen gegeben habe. Sie gehe davon aus, dass von den rund 600 bislang bekannten Fällen fünf bis zehn Prozent schwarz geschlachtet worden seien.

Seit 2003 müssen alle BSE-Tests in eine bundesweite Datenbank gemeldet werden. Beim Abgleichen der Datenbank zum Jahresende waren Unstimmigkeiten zwischen der Zahl der geschlachteten und der getesteten Rinder festgestellt worden.

Seit gut drei Jahren müssen in Deutschland alle über 24 Monate alten Rinder, die geschlachtet werden, mit BSE-Schnelltests untersucht werden. BSE-infiziertes Rindfleisch steht im Verdacht, bei Menschen die tödliche Creutzfeld-Jakob-Krankheit auszulösen.



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