Bücherverbrennung Staatsanwaltschaft weitet Ermittlungen aus

Knapp zwei Wochen nach der Verbrennung einer Ausgabe vom "Tagebuch der Anne Frank" in einem Dorf Sachsen-Anhalts hat die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen ausgeweitet - es stehen jetzt sechs Personen unter dem Verdacht der Volksverhetzung.


Magdeburg - Bislang hatte sich der Verdacht gegen drei Männer im Alter zwischen 24 und 28 Jahren gerichtet. Sie sollen bei einer Sonnenwendfeier am 24. Juni im sachsen-anhaltinischen Dorf Pretzien eine Ausgabe des "Tagebuches der Anne Frank" und eine US-Flagge verbrannt haben. Mittlerweile gehe die Staatsanwaltschaft davon aus, dass sechs Personen beteiligt waren, sagte Uwe Hornburg, Sprecher der Staatsanwaltschaft Magdeburg.

Gegen eine siebte Person werde wegen des Anfangsverdachts der Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen ermittelt. Den Angaben zufolge wurden am vergangenen Freitag sieben Wohnungen Tatverdächtiger in Pretzien und im Nachbarort Plötzky durchsucht. Dabei seien Computer und Propagandamaterial beschlagnahmt worden.

Die drei jungen Männer, gegen die zunächst alleine ermittelt wurde, waren Mitglieder des "Heimat Bundes Ostelbien", der die Sonnenwendfeier organisiert hatte und laut Verfassungsschutz der rechten Szene zugeordnet wird. Der Verein hat sich nach eigenen Angaben inzwischen aufgelöst.

Für kommenden Donnerstag ist in einer Schule in der Kreisstadt Schönebeck nahe Pretzien eine Lesung aus Texten von Anne Frank geplant. Dabei sind auch Ministerpräsident Wolfgang Böhmer, Landtagspräsident Dieter Steinecke und Justizministerin Angela Kolb. Böhmer hatte bereits in der Vorwoche angekündigt, Zeichen gegen den Rechtsextremismus setzen zu wollen.

hen/AP



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