Vor Sondierungsgesprächen Trittin kritisiert Postenspiele von Habeck und Baerbock

Noch gibt es weder eine Regierung noch überhaupt Sondierungsgespräche – doch Grünenchef Habeck soll sich intern bereits das Amt des Vizekanzlers gesichert haben. Das Geschacher kommt nicht überall in der Partei gut an.
Der frühere Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin im Wahlkampf

Der frühere Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin im Wahlkampf

Foto: Swen Pförtner / imago images/spfimages

Der frühere Grünen-Fraktionschef und Umweltminister Jürgen Trittin hat die Planspiele zur Postenverteilung in seiner Partei kritisiert. »Wir verhandeln eine Regierung, die Deutschland auf den 1,5-Grad-Pfad bringt«, sagte er dem SPIEGEL. »Danach wird entschieden, wer welchen Posten bekommt«, sagte er. »Das entscheidet die Partei und nicht nur zwei Personen in persönlichen Gesprächen«, erklärte er.

Damit kritisiert Trittin insbesondere die Grünenvorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck. Berichten zufolge soll Grünenchef Robert Habeck in einer möglichen Regierung den Posten des Vizekanzlers übernehmen. Zunächst hatte die »FAZ« darüber berichtet. Habeck sagte im ARD-»Brennpunkt«, es gehöre zur Professionalität, diese Fragen zu klären. Dem Vernehmen nach hat es zwischen Habeck und Co-Chefin und Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock einen Deal um Personalien gegeben. Personalfragen sei bereits vor Monaten getroffen worden, hieß es aus der Partei.

»Gehen Sie davon aus, dass wir komplett sortiert sind«, hatte Habeck bereits am Montag auf eine entsprechende Frage zu möglichen Regierungsposten gesagt. Zu den Gerüchten um ein Vizekanzleramt äußerte er sich nicht.

Erstes Treffen mit der FDP

Am Mittwoch wollen Habeck und Baerbock zu ersten Vorsondierungen mit FDP-Chef Christian Lindner und FDP-Generalsekretär Volker Wissing zusammenkommen. Dabei wollen die beiden kleineren Wahlsieger gemeinsame Linien ausloten. Das Treffen dürfte entscheidend für die Frage werden, ob danach zuerst Ampel-Gespräche mit der SPD oder Jamaika-Sondierungen mit der Union beginnen.

Die Grünen wollen nicht nur mit der FDP reden, sondern auch schon mit Union und SPD. »Wir gehen davon aus, dass es jetzt in den nächsten Tagen Gespräche mit allen Parteien geben wird, die potenziell in der Lage sind, eine Regierung in bestehenden Konstellationen zu bilden«, sagte Habeck. Baerbock betonte, dass es nun darum gehe, die Grünen »in eine Bundesregierung zu führen, die ein neues Zeitalter einleitet«.

höh/mrc
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