Omid Nouripour Grüne wollen eigenen Wahlkampf aufarbeiten

Omid Nouripour will Parteivorsitzender der Grünen werden. Er möchte Negativschlagzeilen im Wahlkampf aufarbeiten, um Lehren für die nächste Bundestagswahl zu ziehen. Das Ziel: führende Kraft der linken Mitte werden.
Grünenpolitiker Nourpour: »Ich bin Fanklub-Vorsitzender der Außenministerin«.

Grünenpolitiker Nourpour: »Ich bin Fanklub-Vorsitzender der Außenministerin«.

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Michael Sohn / AP

Der Wahlkampf der Grünen verlief nicht wie geplant. Vorsitzkandidat Omid Nouripour hat eine Auseinandersetzung mit dem Bundestagswahlkampf seiner Partei angekündigt. »Die gesamte Partei möchte den Wahlkampf aufarbeiten«, sagte Nouripour der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. »Das ist engstens auch mit der scheidenden Parteiführung besprochen. Die hätten es auch gemacht, wenn sie auch nur eine Minute dafür Zeit gehabt hätten nach der Wahl.«

Nouripour bewirbt sich beim digitalen Grünen-Parteitag Ende kommender Woche gemeinsam mit Ricarda Lang um den Parteivorsitz und damit um die Nachfolge von Robert Habeck und Annalena Baerbock, die beide Minister in der neuen Ampelregierung mit SPD und FDP sind.

»Es geht nicht um Schuldzuweisungen«

Zur Bundestagswahl hatten die Grünen mit Baerbock erstmals eine Kanzlerkandidatin aufgestellt. Bei der Wahl im September konnten sie zwar mit 14,8 Prozent ihr bestes Ergebnis bislang im Bund einfahren, blieben aber deutlich hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Baerbock machte Negativschlagzeilen mit verspätet an den Bundestag gemeldeten Nebeneinkünften und einem Buch mit auffällig vielen Textähnlichkeiten zu anderen Werken.

»Ich bin Fanklub-Vorsitzender der Außenministerin, deshalb bin ich glücklich mit der Besetzung«, sagte Nouripour zu Baerbocks Ministeramt. Zur Aufarbeitung der Kampagne erklärte er: »Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern den Blick nach vorne, damit wir die Lehren aus dem Wahlkampf ziehen.« So seien die Strukturen der Grünen immer noch auf 45.000 Mitglieder ausgerichtet – mittlerweile seien es aber 125.000.

»Wir werden prüfen, ob wir uns nicht anders aufstellen müssen in Zukunft, auch in Wahlkämpfen. Das betrifft auch die Strukturen in der Bundesgeschäftsstelle.« Zur Frage, ob die Ergebnisse dieser Aufarbeitung auch öffentlich werden sollten, sagte Nouripour: »Veränderungen sollen natürlich auch nach außen wahrgenommen werden.«

Für den planmäßig nächsten Bundestagswahlkampf 2025 gab Nouripour die Losung aus: »Das Ziel ist wieder, die führende Kraft der linken Mitte zu werden und in der Kanzlerfrage erneut mitspielen zu können.«

muk/dpa