Bürgermeister Ole von Beust "Hamburg und Augstein gehören zusammen"

Die Rede von Hamburgs Erstem Bürgermeister Ole von Beust im Wortlaut.


Hamburg nimmt heute Abschied von seinem Ehrenbürger Rudolf Augstein. "Der SPIEGEL und Hamburg gehören trotz allem zusammen", hat Rudolf Augstein einmal gesagt. Heute wollen wir ergänzen: Hamburg und Augstein gehören zusammen, auch über seinen Tod hinaus.

Diese Stadt rühmt sich gerne ihrer Weltoffenheit und Toleranz. Dass diese Werte nicht nur Tradition sind, sondern gelebt werden, liegt an Persönlichkeiten, die für diesen Geist aufgeklärter Liberalität stehen. Persönlichkeiten wie Axel Springer, Henri Nannen, John Jahr, Gerd Bucerius, Marion Gräfin Dönhoff und Rudolf Augstein.

Hamburg kannte Rudolf Augstein keineswegs lautlos, aber doch bescheiden. Bei seiner Ernennung zum Ehrenbürger im Januar 1994, die nicht unumstritten war, stellte er in seiner Dankesrede in Frage diese Ehre überhaupt verdient zu haben. "Verdiene ich also nun Ehrenbürger zu sein?", so fragte er. Das ist Ansichtssache.

"Wenn ich die Liste der bisherigen 30 Ehrenbürger durchsehe, so würde ich mich in der Mitte des unteren Drittels ansiedeln. Dass ich mich bei Namen wie Johannes Brahms oder Helmut Schmidt ganz klein mache, wird mir wohl niemand verargen." Für diese bescheidene Antwort rückte er bestimmt bei den Hamburgerinnen und Hamburgern gleich einige Plätze auf der von ihm zitierten vermeintlichen Skala nach oben und nahm die Auszeichnung bewegt entgegen, als - wie er sagte - Galionsfigur des SPIEGEL, als Auszeichnung auch für seine Mitarbeiter und Mitstreiter beim SPIEGEL.

Vielleicht orientiert sich die geschichtliche Bewertung einer Zeit, aber auch eines Gemeinwesens wie dieser Stadt, an ihren Galionsfiguren. Ihr Wirken, und in der Wechselwirkung die Arbeit und das Leben von Millionen Menschen, prägen das, was einmal für eine Epoche stehen wird. Mit seinem Wirken als herausragender Journalist, Verleger, aber auch großzügiger und stiller Mäzen ist Rudolf Augstein eine herausragende Persönlichkeit der hamburgischen Nachkriegsgeschichte gewesen. Was bleibt, ist die Erinnerung an den Menschen Rudolf Augstein und das, was ihn ausgemacht hat: Aufgeklärtheit, Zivilcourage, streitbar und dabei nicht unumstritten zu sein. Hamburg wird ihm immer dankbar bleiben.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.