Bütikofer twittert "Vergesst diesen Joschka Fischer!"

Ihre Animositäten sind legendär: Die Grünen Joschka Fischer und Reinhard Bütikofer haben sich schon zu ihrer aktiven Zeit in der Bundespolitik heftig beharkt - und sie tun es noch immer. Ein Interview des Ex-Außenministers zur Euro-Krise kommentierte Bütikofer per Twitter, kurz und gemein. 
Joschka Fischer (l.) und Reinhard Bütikofer: Die Parteifreunde sind sich nicht grün

Joschka Fischer (l.) und Reinhard Bütikofer: Die Parteifreunde sind sich nicht grün

Foto: REUTERS

Hamburg - Es gibt ja die altbekannte Steigerungsformel "Freund, Feind, Parteifreund". Die beiden Grünen Joschka Fischer und Reinhard Bütikofer tun viel dafür, sie immer wieder mit Leben zu füllen. Zuletzt hat Ex-Parteichef Bütikofer seinen Part gespielt. Er ließ sich mit einer Kurznachricht über ein Interview Fischers in der "Zeit" aus.

Für eine Beleidigung braucht es nicht viele Worte - da sind 140 Zeichen bei Twitter ausreichend:

"Vergesst diesen Joschka Fischer! Vor Wochen sah er noch die Vereinigten Staaten von Europa als zwingend an. Rechthaber + Windhund."

So schrieb Bütikofer am Montag an Nutzer "derRub". Dieser hatte ihm zuvor den Link zu dem Interview geschickt, das mit dem Titel "Vergesst diese EU" überschrieben ist. Fischer plädierte darin dafür, dass die Euro-Staaten die Führung in der EU übernehmen.

Die Feindschaft zwischen Bütikofer und Fischer währt schon lange. Bütikofer startete seine politische Karriere 1984 im Stadtrat von Heidelberg. Vier Jahre später saß der Realo bereits im baden-württembergischen Landtag. In die Bundespolitik stieg er 1998 als Bundesgeschäftsführer der Grünen ein. Im Bundestagswahlkampf 2002 wetterte er gegen eine alleinige Spitzenkandidatur Fischers. Trotzdem übernahm er wenige Monate später gemeinsam mit Angelika Beer die Parteiführung. Er blieb sechs Jahre im Amt. Seit zwei Jahren sitzt er als Abgeordneter im Europaparlament und ist dort Sprecher der deutschen Grünen. Europa ist also sein Metier.

Fischer ging aber auch nicht zimperlich mit Bütikofer um. So scherte sich der damalige Außenminister mit seiner Politik wenig um die Belange der Partei. Das wird auch in Fischers Autobiografie "I am not convinced" deutlich. Er erwähnt die gesamt Parteispitze kaum. Bütikofer nennt er einmal eine "Notlösung" als Parteichef. An anderer Stelle nimmt er ihn als "gewichtigen Herrn" auf die Schippe.

Fischer hat sich aus der aktiven Politik bereits seit Jahren zurückgezogen. Aber eine Reizfigur bleibt er nach wie vor - und die Auseinandersetzungen von früher hat Bütikofer offenbar nicht vergessen.

PS: Nur wenige Minuten nachdem dieser Artikel online war, twitterte Reinhard Bütikofer unter seinem Nutzernamen @bueti: "SPIEGEL ONLINE hat wohl Flaute - machen aus einem hämischen Tweet gleich einen Artikel :-P"

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