Suche nach Atom-Endlager Bund stoppt Erkundung von Gorleben

Stopp nach 35 Jahren: Die Bundesregierung will den Salzstock Gorleben nicht länger als mögliches Atommüll-Endlager erkunden. Erst wenn Alternativen erforscht sind, soll einem Medienbericht zufolge die Erkundung in Niedersachsen fortgesetzt werden.

Arbeiten im Salzstock Gorleben (Archivbild): "Forschungslaborbetrieb" soll weitergehen
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Arbeiten im Salzstock Gorleben (Archivbild): "Forschungslaborbetrieb" soll weitergehen


Berlin - Die Bundesregierung will die Erkundung des Salzstocks Gorleben als Atommüll-Endlager noch in diesem Jahr stoppen. Das geht aus einem Einigungsvorschlag hervor, den die Bundesregierung den Ländern inoffiziell unterbreitet hat, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". In Gorleben soll nur weitergearbeitet werden, wenn das nötig wird, um den Salzstock mit anderen Standorten zu vergleichen. Damit dürfte die Erkundung für mehrere Jahre ruhen, ein "Forschungslaborbetrieb" solle jedoch weiter möglich sein.

Im Zuge von Atomausstieg und Energiewende waren Bund und Länder übereingekommen, mehrere mögliche Standorte für ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll zu prüfen. Bund und Länder debattieren seit November über ein "Standortauswahlgesetz", mit dem ein Atommüll-Endlager in einem geordneten Verfahren gesucht werden soll. Ursprünglich sollten die Beratungen darüber noch im März abgeschlossen werden, zuletzt gerieten die Verhandlungen jedoch ins Stocken.

Hauptstreitpunkt bleibt der Umgang mit Gorleben. Der Salzstock dort wird seit mehr als drei Jahrzehnten als einzige Endlager-Option geprüft. Der neue Vorschlag des Bundes sieht am Ende des Verfahrens die untertägige Erkundung von "mindestens einem" Standort vor. Dieses Kriterium wäre auch erfüllt, wenn am Ende doch wieder nur in Gorleben erkundet würde. Umstritten ist daher, wann und wie der niedersächsische Salzstock zuvor mit anderen Standorten verglichen werden soll.

"Einigung in greifbarer Nähe"

Streit gibt es auch über die behördliche Struktur beim Umgang mit dem Atommüll. Der Bund plant die Einrichtung eines Bundesinstituts für Endlagerung. Die Opposition lehnt dies bislang ab. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat zudem die Gründung einer "Deutschen Gesellschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle" (Degra) angeregt. Sie soll als Privatfirma in den Händen des Staats die Suche nach einem geeigneten Endlager betreiben.

Niedersachsens Umweltminister Stefan Birkner (FDP) drängte auf eine schnelle Einigung über das weitere Verfahren. Die Chance zur Beilegung eines 30 Jahre währenden Konflikts dürfe nicht verpasst werden. Birkner warnte, der Kompromiss drohe "den politischen Auseinandersetzungen vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen zum Opfer zu fallen".

Röttgen, der in Nordrhein-Westfalen für die CDU als Spitzenkandidat antritt, gab sich gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" jedoch zuversichtlich, den Streit über die Endlagersuche schon bald lösen zu können. "Die Einigung zwischen Bund und Ländern ist in greifbarer Nähe", sagte er. Bis zum Sommer soll das Standortauswahlgesetz beschlossen werden.

syd



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mcmercy 23.03.2012
1.
Zitat von sysopDPAStopp nach 35 Jahren: Die Bundesregierung will den Salzstock Gorleben nicht länger als mögliches Atommüll-Endlager erkunden. Erst wenn Alternativen erforscht sind, soll einem Medienbericht zufolge die Erkundung in Niedersachsen fortgesetzt werden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,823221,00.html
Was haben die da eigentlich 35 jahre lang erkundet, das Ding muss ja besser vermessen sein als der Kölner Dom. Ich halte ein Endlager ohnehin für utopisch, niemand kann die sichere Lagerung für tausende von Jahren garantieren. Mehrere dezentrale überirdische temporäre Lager, die regelmäßig erneuert werden können wären besser. Liegt das Zeug erstmal da unten, vergammelt die ganze Suppe und in 100 Jahren haben unsere Kinder den Schmlamassel, na ja dann kanns mir ja egal sein.
thiede11 23.03.2012
2. schwarzgelbe Gurken
Zitat von sysopDPAStopp nach 35 Jahren: Die Bundesregierung will den Salzstock Gorleben nicht länger als mögliches Atommüll-Endlager erkunden. Erst wenn Alternativen erforscht sind, soll einem Medienbericht zufolge die Erkundung in Niedersachsen fortgesetzt werden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,823221,00.html
Nach 35 Jahren? Schon Trittin hatte damals weitsichtig ein Moratorium verhängt! Schwarzgelb hat es dann wieder aufgenommen und nun kommt wieder der Ausstieg vom Ausstieg. Nichts Neues von der schwarzgelben Gurkentruppe!!
fatherted98 23.03.2012
3. Die bessere....
...Alternative ist doch schon gefunden. Die Zwischenlager überirdisch zu Endlagern machen. Da wird nix verbuddelt, eingemauert und rostet nix...keine Wassereinbrüche und jederzeit kontrollierbar...alles andere endet doch eh wieder wie in der Asse....und dann gibts lange Gesichter....Alternativ könnten wir den ganzen Dreck natürlich gegen Bares auch in Sibieren in die Landschaft kippen...Gazprom-Gerd wird da sicher bei der Vermittlung behilflich sein. .
herr_kowalski 23.03.2012
4. Man sollte sich nicht zu früh freuen.
Zitat von sysopDPAStopp nach 35 Jahren: Die Bundesregierung will den Salzstock Gorleben nicht länger als mögliches Atommüll-Endlager erkunden. Erst wenn Alternativen erforscht sind, soll einem Medienbericht zufolge die Erkundung in Niedersachsen fortgesetzt werden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,823221,00.html
Aufgeschoben ist nicht aufgehobe. Ein alte Weisheit. Allerdings aus dem letzten Jahrhundert.
m a x l i 23.03.2012
5. Geschäftsidee
Zitat von fatherted98...Alternative ist doch schon gefunden. Die Zwischenlager überirdisch zu Endlagern machen. Da wird nix verbuddelt, eingemauert und rostet nix...keine Wassereinbrüche und jederzeit kontrollierbar...alles andere endet doch eh wieder wie in der Asse....und dann gibts lange Gesichter....Alternativ könnten wir den ganzen Dreck natürlich gegen Bares auch in Sibieren in die Landschaft kippen...Gazprom-Gerd wird da sicher bei der Vermittlung behilflich sein. .
"Gegen Bares" ist richtig. Aber in welcher Richtung das Geld fließt, haben Sie nicht richtig verstanden. Unsere Atomfreunde sagen doch immer, der Atommüll ist eigentlich kein "Müll" (alles nur Grüne Panikmache und GreenPeace-Märchen!), sondern wertvoller Rohstoff, aus dem man noch jede Menge Energie gewinnen kann. Also machen wir die Probe auf's Exempel und bieten das Zeug zum Verkauf an. Mal sehen, welcher Interessent das meiste bietet! Ich sehe schon einen großen Ansturm...
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