Soziale Netzwerke Behörde will Flüchtlinge per Facebook abschrecken

Balkan-Flüchtlinge haben in Deutschland nur geringe Chancen auf Asyl. Per Facebook will das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Zuwanderer aus diesen Staaten nun schon vor der Ausreise entmutigen.

Manfred Schmidt: 99,8 Prozent der Balkan-Flüchtlinge werden abgelehnt
DPA

Manfred Schmidt: 99,8 Prozent der Balkan-Flüchtlinge werden abgelehnt


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Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat sich einmal mehr eine Kampagne ausgedacht, um Zuwanderer aus dem Balkan abzuschrecken: Anzeigen in sozialen Netzwerken. Auf ihrer Website teilte die Behörde mit, dass eine Woche lang Facebook-Posts für Nutzer in Serbien und Albanien angezeigt werden: Sie thematisieren die äußerst geringen Erfolgschancen von Asylbewerbern aus dem Westbalkan. Das solle Migrationsversuche verhindern.

Menschen aus den Westbalkan-Ländern werden in der Regel nicht als Asylbewerber anerkannt. Dennoch gingen seit Beginn des Jahres rund 80.000 Asylanträge aus diesen Staaten ein. Zuletzt hatte das BAMF mit Wiedereinreisesperren nach Deutschland gedroht.

"Antragstellende aus den Ländern Serbien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Albanien, Mazedonien und Montenegro haben fast keine Aussicht auf Asyl in Deutschland", erklärte der Chef der Flüchtlingsbehörde in Deutschland, Manfred Schmidt. "99,8 Prozent der Asylanträge aus diesen Ländern werden vom Bundesamt abgelehnt."

Polizeigewerkschaft will Grenzkontrollen wiedereinführen

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft hat sich in die aktuelle Debatte um die steigende Zahl von Flüchtlingen eingeschaltet: Polizeigewerkschaftschef Rainer Wendt sagte der "Passauer Neuen Presse", die Wiedereinführung von Grenzkontrollen im Schengen-Raum sei aus Sicht der Polizei "die beste aller Maßnahmen".

Wendt forderte von der Regierung 1000 zusätzliche bundespolizeiliche Unterstützungskräfte, um die Einsatzkräfte an den Grenzen in Süddeutschland zu verstärken. Der Vorsitzende der Bundespolizeigewerkschaft, Ernst Walter, schloss sich Wendt an: "Uns fehlt schlicht das Personal, um des Ausnahmezustands an der Grenze administrativ Herr zu werden", teilte er in einer Erklärung mit. Die Bundespolizei im Süden leide unter "katastrophalen Arbeitsbedingungen".

Unterstützungskräfte fehlen demnach vor allem bei Routinearbeiten wie Registrierung, Betreuung und erkennungsdienstlicher Behandlung von Flüchtlingen, wie etwa dem Aufnehmen von Finderabdrücken. Wendt zufolge würde Hilfe in diesen Bereichen die eigentlichen Bundespolizisten entlasten und ihnen gestatten, sich stattdessen auf die Verfolgung der Schleuserkriminalität zu konzentrieren.

Bei einem Besuch der Bundespolizei in Deggendorf kündigte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) an, bis Herbst 100 zusätzliche Bundespolizisten nach Bayern zu entsenden, um bei der Bearbeitung der hohen Zahl von Flüchtlingen zu helfen. "Wir sind gefordert, aber nicht überfordert", sagte er. "Wir bekommen das hin."

Der Minister kündigte außerdem eine neue Prognose der Flüchtlingszahlen an, die weit höher liege als die bisher geschätzten 400.000 Menschen.


Zusammengefasst: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) will mit einer Facebook-Kampagne Menschen aus dem Westbalkan davon abhalten, in Deutschland Asyl zu beantragen. Angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen ist die Behörde ausgelastet - genau wie die Bundespolizei. Die Polizeigewerkschaft fordert deshalb zusätzliche Unterstützung an den deutschen Grenzen sowie eine Wiedereinführung von Grenzkontrollen im Schengen-Raum.

kry/AFP/dpa



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lupo44 11.08.2015
1. Herr Wendt hat recht....
wenn er für die jetzige Einwanderungsflut das Schengen Abkommen neu relativiert. Das heißt für die Zeit der ständingen Zuwachse von Flüchtlingen aus Albanien ,Montenegro,Kosovow,und noch andere Länder des West-Balkan ,sollte Schengen außer Kraft gesetzt werden wie es jetzt ist-(Freier Zugang) Man muß einfach realisieren,dass Millionen dieser Menschen kommen werden wenn dagegen nichts unternommen wird. Und unsere klugen Politiker wie Roht,Ecckert,und Beck sollten Verantwortung übernehmen für jeden Flüchtling aus diesen Ländern ,statt der nutzlosen Ratschläge. Das sind arme Völker.Nach den Zerfall des Sozialismus haben sie keine Strukturen mehr.Jeder lebt nach seiner Art. Für diese Menschen ist Europa und vorallen Dingen deutschland das Paradies.Man muß in diesen Zusmmenhang jetzt schon an die armen Ukkrainer denken.Krieg Hunger,Totschlag ist dort an der Tagesordnung-auch diese Menschen werden fliehen wollen.Man muß sich Fragen welcher Politiker traut sich überhaupt noch zu konstruktiv diese Situation zu steuern? Wo ist die UNO? Wer hilft? Wer löst diese Probleme? das kann Deutschland garnicht.Oder es geht mit unter davon muß man ausgehen.
Kitujn 11.08.2015
2. Richtig so!
Bleibt nur zu hoffen, dass die Kampagnen tatsächlich auch wirken. Künftig könnte vielleicht Australien ein paar Workshops geben, wie man unerwünschte Flüchtlinge wirkungsvoll abschreckt.
drent 11.08.2015
3. Diese Balkan-
sind doch alle bettelarm. Da hat doch kaum einer ein Handy, um ausgerechnet über Facebook erreicht werden zu können.
steffen.ganzmann 11.08.2015
4. Hat mich schon lange gewundert:
Ich dachte immer, in diesen Ländern sei die Demokratie (sort of) ausgebrochen ...
humorrid 11.08.2015
5. Wortwahl
Wann hören die Schreiberlinge endlich damit auf Stempel "Balkan-Flüchtlinge" zu benutzen. Für mich war Spiegel immer links, nicht rechts.
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