Terrorfahndung Ermittler decken Attentatsplan mit Modellfliegern auf

Spezialeinheiten der Polizei haben mehrere Wohnungen in Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Belgien durchsucht. Zwei Männer sollen Sprengstoffanschläge mit ferngesteuerten Mini-Flugzeugen geplant haben, gegen sie wird ermittelt.
Terrorfahndung: Ermittler decken Attentatsplan mit Modellfliegern auf

Terrorfahndung: Ermittler decken Attentatsplan mit Modellfliegern auf

Foto: Franziska Kraufmann/ dpa

Karlsruhe - Der Polizeieinsatz begann am frühen Morgen um 4 Uhr - in Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Belgien durchsuchten Fahnder mehrere Gebäude. "Es wird gegen zwei Männer tunesischer Herkunft ermittelt", bestätigte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft SPIEGEL ONLINE. Die beiden mutmaßlichen Islamisten stehen unter Verdacht, ein Attentat per Modellflugzeug geplant zu haben.

In der Mitteilung der Behörde heißt es, die Männer seien verdächtig, "sich gezielt Informationen und Gegenstände für radikalislamische Sprengstoffanschläge mit ferngesteuerten Modellflugzeugen zu beschaffen". Die Behörde bestätigte damit einen Bericht des SWR.

"Verhaftungen sind nicht erfolgt", sagte die Sprecherin. Ein Foto von einer Durchsuchung im baden-württembergischen Fellbach zeigte, wie ein Verdächtiger von Polizisten in Handschellen abgeführt wird - offenbar eine vorübergehende Maßnahme. Insgesamt sind nach Angaben der Bundesanwaltschaft neun Gebäude im Raum München, Stuttgart, Sachsen und Belgien durchsucht worden. Darunter waren auch die Wohnungen von vier Kontaktpersonen der beiden Beschuldigten in Stuttgart und München.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen diese gesondert, sie stehen im Verdacht, den "Heiligen Krieg" finanziert zu haben. Sie sollen durch Überweisung von Geldern aufgefallen sein. Zudem ermittelt die Polizei gegen eine Person aus dem Umfeld der Beschuldigten wegen des Verdachts der Geldwäsche.

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Polizeieinsatz: Razzia gegen mutmaßliche Islamisten

Foto: Franziska Kraufmann/ dpa

Verfassungsschutz warnt vor islamistischem Terror

Laut einem Bericht des SWR studieren einige der Verdächtigen an der Universität Stuttgart, unter anderem auch im Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik. Demnach lernten sie dabei unter anderem auch Methoden, um Modellfluggeräte mit Hilfe von GPS bestimmte Routen fliegen zu lassen.

Einer der Verdächtigen war Mitglied im Verein der tunesischen Akademiker in Stuttgart. Dieser äußerte sich in einer schriftlichen Stellungnahme: "Wir distanzieren uns entschieden von solchen Aktivitäten und lehnen jegliche Art von Terrorismus ab."

Über Anschläge mit Modellflugzeugen war in Sicherheitskreisen in der Vergangenheit immer wieder spekuliert worden. Der Verfassungsschutz hatte Anfang Juni erneut vor islamistischem Terror gewarnt. "Deutschland ist nach wie vor Anschlagsziel von islamistischen Terroristen", sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen bei der Vorstellung des Jahresberichts seiner Behörde.

"Reibungslos verlaufen"

Rund 90 Einsatzkräfte waren an den Razzien beteiligt, wie ein Sprecher des baden-württembergischen Landeskriminalamts SPIEGEL ONLINE bestätigte. Die Aktion wurde im Laufe des Vormittags beendet. Es sei alles "reibungslos verlaufen", sagte der Sprecher. Welches verdächtige Material bei den Razzien sichergestellt wurde, wollte er nicht sagen.

Der Schwerpunkt bei den Razzien lag in Baden-Württemberg, wie SPIEGEL ONLINE aus Ermittlerkreisen erfuhr. In München wurde demnach lediglich eine Wohnung im Olympiadorf im Norden durchsucht. Dort hatte sich in der Vergangenheit mehrfach eine Kontaktperson des Hauptverdächtigen aufgehalten.

Das Landeskriminalamt Stuttgart hatte bei den Razzien die Einsatzleitung inne. Es wurde dabei von der bayerischen Polizei und Spezialeinsatzkommandos unterstützt. Ziel der Durchsuchungsmaßnahmen sei es gewesen, "Beweismittel für etwaige Anschlagspläne und -vorbereitungen zu gewinnen" und Informationen über die Finanzierungswege des radikalislamisch motivierten Terrorismus zu erlangen, hieß es in der Mitteilung der Bundesanwaltschaft.

heb/hen
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