Geheiminformationen Reserveoffizier der Bundeswehr wegen Spionage für Russland angeklagt

Ein Reserveoffizier soll zwischen 2014 und 2020 dem russischen Militärgeheimdienst GRU Informationen über die zivile Verteidigung weitergegeben haben. Der Diplom-Ökonom wird nun von der Bundesanwaltschaft angeklagt.
Baden-Württemberg, Karlsruhe: Die Bundesanwaltschaft

Baden-Württemberg, Karlsruhe: Die Bundesanwaltschaft

Foto: Uli Deck / dpa

Die Bundesanwaltschaft hat vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf Anklage gegen einen Reserveoffizier der Bundeswehr erhoben, der für einen russischen Geheimdienst spioniert haben soll. Ralph G. sei stellvertretender Leiter eines Kreisverbindungskommandos gewesen und habe mehreren Ausschüssen der deutschen Wirtschaft angehört, heißt es in einer Mitteilung  der Behörde in Karlsruhe.

Nach SPIEGEL-Informationen war der 1957 geborene Diplom-Ökonom aus dem Rheinland Oberstleutnant der Reserve und soll nach Erkenntnissen der Ermittler für den russischen Militärgeheimdienst GRU aktiv gewesen sein. In seinem Zivilberuf arbeitete Ralph G. als Vertriebsmanager für eine internationale Maschinenbaufirma im Rheinland. Ein Foto zeigt den russischen Generalkonsul bei einer Besichtigung der Firma neben G.

Auch privat interessierte Ralph G. sich für Russland. Mit einer Gruppe von Reservisten reiste er nach Kaliningrad und kümmerte sich um Kriegsgräber. Über den Besuch schrieb er, das sei ein Zeichen für den Frieden gewesen.

Das Ermittlungsverfahren gegen G. läuft nach SPIEGEL-Informationen bereits seit längerer Zeit; Mitte 2020 soll es zudem zu Durchsuchungsmaßnahmen gekommen sein. Flucht- oder Verdunklungsgefahr sehen die Behörden offenbar nicht – der Beschuldigte befindet sich auf freiem Fuß. Für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen war G. am Freitag zunächst nicht erreichbar.

Im Gegenzug Einladungen zu Veranstaltungen erhalten

Zwischen 2014 und 2020 soll er laut Bundesanwaltschaft dem russischen Geheimdienst Dokumente und Informationen zugespielt haben. Neben Einblicken zum Reservistenwesen soll G. auch Informationen über die zivile Verteidigung oder zur Gaspipeline Nord Stream 2 an Russland weitergegeben haben.

Seinen Ansprechpartnern beim russischen Geheimdienst ließ er laut der Mitteilung zudem »personenbezogene Daten von hochrangigen Angehörigen der Bundeswehr und aus der Wirtschaft« zukommen. Außerdem habe G. seinen Kontaktpersonen »einen Überblick über die Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Vereinigten Staaten von Amerika und ihrer westlichen Verbündeten« geliefert, heißt es. Im Gegenzug soll er Einladungen zu Veranstaltungen russischer Regierungsstellen erhalten haben.

Der Prozess soll am Oberlandesgericht Düsseldorf stattfinden.

mfh/wow/srö/dpa
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