Ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker hat laut Bundesanwaltschaft nicht auf Buback geschossen

Wer hat 1977 die tödlichen Schüsse auf Siegfried Buback abgefeuert? Eine Antwort steht weiter aus. Nach Auffassung der Bundesanwaltschaft war die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker nicht als Schützin an dem Mord beteiligt - obwohl sie treibende Kraft bei dem Anschlag gewesen sein soll.
Verena Becker: Welche Rolle spielte sie bei der Ermordung Siegfried Bubacks?

Verena Becker: Welche Rolle spielte sie bei der Ermordung Siegfried Bubacks?

Foto: dapd

Stuttgart - Der Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Verena Becker hat keine Aufklärung bei der Frage gebracht, wer 1977 den damaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback erschossen hat. Die Bundesanwaltschaft hat am Dienstag mit ihrem Plädoyer in dem Verfahren begonnen. Nach ihrer Auffassung war Becker nicht unmittelbar als Schützin am Mordanschlag auf Buback beteiligt.

"Es gibt keine belastbaren Hinweise, die auch nur ansatzweise auf eine unmittelbare Täterschaft als Schützin hindeuten könnten", sagte Bundesanwalt Walter Hemberger vor dem Oberlandesgericht Stuttgart. Die heute 59-Jährige habe von keinem Zeugen als Person auf dem Soziussitz des Tatmotorrads identifiziert werden können.

Becker ist angeklagt, als Mittäterin am Mordanschlag auf Buback beteiligt gewesen zu sein. Hemberger widersprach den Vermutungen von Nebenkläger Michael Buback, dem Sohn des Ermordeten, der Verfassungsschutz habe eine "schützende Hand" über die Angeklagte gehalten. Dies seien "haltlose Spekulationen". Von staatlicher Seite sei "die Aufklärung des Anschlags gefördert und gestützt" worden.

Hemberger betonte, dass in 91 Verhandlungstagen mit großer Akribie alle Beweismittel ausgeschöpft worden seien. Es habe sich aber kein Hinweis auf eine Beteiligung Beckers an dem unmittelbaren Mordanschlag auf Buback und seine beiden Begleiter am 7. April 1977 ergeben. Die Frage, wer damals vom Sozius des von den Tätern genutzten Motorrads geschossen hatte, habe in dem Verfahren nicht geklärt werden können. Hemberg verwies unter anderem auf DNA-Spuren an der Motorradkleidung, die nicht von Becker stammten.

Becker soll Mord an Buback gefordert haben

Der Bundesanwalt erhob schwere Vorwürfe gegen Michael Buback: Dieser wolle Becker als Täterin "zurechtbiegen" und unterstelle dazu den damals ermittelnden Beamten, Zeugenaussagen unterschlagen und belastende Beweise manipuliert zu haben. Das Verfahren habe nun aber bestätigt, dass "der Anschlag auf Buback nicht unter staatlicher Aufsicht oder gar Verantwortung stattfand und es keine schützende Hand gibt", sagte der Bundesanwalt.

Akribisch ging Hemberger auf alle Zeugen ein, die aus Sicht des Nebenklägers belegen, dass eine Frau die Todesschützin gewesen sein soll. Hemberger stellte detailliert dar, inwieweit sich diese Zeugen geirrt hätten oder in einem Fall, "nach über 30 Jahren von ihrer Phantasie überwältigt einen Tatablauf schilderten, den sonst niemand gesehen hat".

Am Nachmittag will die Bundesanwaltschaft darlegen, wie Becker aus ihrer Sicht an dem Mordanschlag beteiligt war. Laut Anklage soll sie sich bei zwei Treffen der RAF im Vorfeld mit den Worten "Der General muss weg" vehement für einen Mordanschlag auf Buback ausgesprochen haben. Zudem sei sie am Versand der Bekennerschreiben beteiligt gewesen. Die Bundesanwaltschaft wertet dies als Mittäterschaft. Der Nebenkläger Buback wird am Donnerstag und Freitag seine These zur Tatbeteiligung Beckers darlegen. Die Verteidigung plädiert kommende Woche, das Urteil wird für den 6. Juli erwartet.

Becker selbst hatte sich vor wenigen Wochen nach jahrzehntelangem Schweigen zu Wort gemeldet. Die ehemalige Terroristin erklärte, sie sei nicht dabei gewesen, als Generalbundesanwalt Buback ermordet wurde.

anr/dpa/dapd
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