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28. April 2013, 16:08 Uhr

NS-Klüngel

Alt-Nazis beherrschten Justizministerium bis in die sechziger Jahre

Auch lange nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bundesjustizministerium von ehemaligen Nazis geprägt. Noch im Jahr 1966 waren laut SPIEGEL-Informationen 60 Prozent der Abteilungsleiter ehemalige Mitglieder der NSDAP.

Das Bundesjustizministerium beschäftigt sich mit seiner Nazi-Vergangenheit. Doch das bisherige Ergebnis ist ernüchternd. Nach Informationen des SPIEGEL arbeiteten noch viele Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zahlreiche ehemalige Nazi-Juristen in führenden Funktionen des Ministeriums.

Diese Bilanz zieht eine unabhängige Historikerkommission, die im Auftrag von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die NS-Vergangenheit des Justiz-Ressorts untersucht.

Demnach waren 1950 noch 47 Prozent aller leitenden Beamten im Justizministerium ehemalige Parteigänger der Nazis, neun Jahre später waren es immer noch 45 Prozent. Die landläufige Annahme, dass sich die Zahl der Alt-Nazis in deutschen Behörden mit den Jahren verringert habe, hielt der Prüfung durch die Wissenschaftler nicht stand: 1966 waren 60 Prozent der Abteilungsleiter und 66 Prozent der Unterabteilungsleiter ehemalige Mitglieder der NSDAP.

Hinzu kamen vereinzelt Staatsdiener, die zwar nicht in der Nazi-Partei gewesen waren, sich aber etwa an Vollstreckungen von Todesurteilen des Volksgerichtshofs beteiligt hatten. Die Leitung der unabhängigen Historikerkommission hatten Manfred Görtemaker und Christoph Safferling inne.

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