Bundeskriminalamt Anschläge auf Asylunterkünfte haben sich 2015 vervierfacht

Die Zahl der Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte steigt, die Täter werden nur selten gefasst: 2015 registrierte das Bundeskriminalamt viermal so viele Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte wie im Jahr zuvor.
Rechte Schmiererei an einer Notunterkunft (Archiv): Anschläge selten aufgeklärt

Rechte Schmiererei an einer Notunterkunft (Archiv): Anschläge selten aufgeklärt

Foto: Thomas Warnack/ dpa

Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland sind 2015 mehr als viermal so häufig angegriffen worden wie im Vorjahr. Bis zum 7. Dezember verzeichneten die Ermittler 817 Fälle, wie das Bundeskriminalamt (BKA) mitteilte. Für mindestens 733 Attacken seien rechtsmotivierte Täter verantwortlich.

Im gesamten Jahr 2014 waren laut BKA 199 Straftaten gegen Asylunterkünfte gemeldet worden, davon 177 politisch rechts motivierte. Bei den Übergriffen handele es sich überwiegend um Sachbeschädigungen, Propagandadelikte und Volksverhetzungen, teilte eine Sprecherin des BKA mit.

Bislang 130 Gewalttaten - darunter 68 Brandanschläge

Auch die Zahl der Gewaltdelikte gegen Flüchtlingsunterkünfte sei deutlich gestiegen. Die bisherige Höchstmarke aus dem vergangenen Jahr von 28 wurde mit bislang 130 Gewalttaten 2015 bereits deutlich überschritten, wie es von der BKA-Sprecherin hieß. Zu den Gewaltdelikten zählen (bis 7. Dezember) allein 68 Brandstiftungen, 2014 waren es sechs.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) nannte die Bilanz erschütternd. "Es ist beschämend, wenn innerhalb eines Jahres die Zahl der Brandanschläge derart sprunghaft ansteigt", sagte er der Funke-Mediengruppe, die zuerst über die Zahlen berichtet hatte. "Notwendig ist eine eindeutige Reaktion: Die Täter müssen mit aller Kraft ermittelt und konsequent zur Rechenschaft gezogen werden."

Dabei werden politisch motivierte Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte von der deutschen Justiz kaum aufgeklärt. Das geht aus einer Analyse der Wochenzeitung "Zeit" und "Zeit Online" hervor. Nur in zwölf Fällen wurde bis November demnach bisher Anklage gegen einen oder mehrere Täter erhoben.

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apr/dpa