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09. Dezember 2017, 10:12 Uhr

Bundesnachrichtendienst

Historiker werfen BND Versagen im Kalten Krieg vor 

Sie verschliefen den Mauerbau und hatten keinen Spitzenagenten im Ostblock: Historiker bescheinigen dem Bundesnachrichtendienst nach Informationen des SPIEGEL schwere Fehler während des Kalten Krieges.

In der alten Bundesrepublik genossen der Bundesnachrichtendienst (BND) und sein Vorläufer, die Organisation Gehlen in Pullach, viele Jahre einen ausgezeichneten Ruf. Jetzt hat sich eine Historikerkommission im Auftrag des BND die Frühgeschichte des Geheimdienstes genauer angesehen - und kommt zu einem ernüchternden Befund, wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet.

Die westdeutschen Spione hätten während des Kalten Krieges versagt. So berichtet Rolf-Dieter Müller von der "Unabhängigen Historikerkommission" , dass die Einblicke des Geheimdienstes in das Innenleben der DDR "oft armselig" gewesen seien. Die vielfach gerühmte Militäraufklärung habe in Wirklichkeit "nur zeitweise" funktioniert. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

Vom Balkan und von anderen Teilen Südosteuropas habe der BND "auch keine Ahnung" gehabt. Laut Müller zählten etwa in Ungarn "vielleicht drei Bäuerinnen Panzer". Mehr habe der BND da nicht zu bieten gehabt. Nach Müllers Recherchen verfügte der deutsche Geheimdienst weder in der DDR noch in irgendeinem anderen Ostblockland über eine Spitzenquelle.

Müller wirft dem BND außerdem vor, während des Kalten Krieges "alle größeren Krisen verschlafen" zu haben, etwa den Mauerbau 1961 oder die Kubakrise 1962. Den Aufstand der Ostdeutschen gegen das kommunistische DDR-Regime am 17. Juni 1953 habe Pullach sogar für eine "Inszenierung Moskaus" gehalten.

Müller stützt seine Kritik auf BND-interne Unterlagen. Die Historikerkommission hat besonderen Zugang zum Archiv des Geheimdienstes.

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