Bundesnachrichtendienst Historiker werfen BND Versagen im Kalten Krieg vor 

Sie verschliefen den Mauerbau und hatten keinen Spitzenagenten im Ostblock: Historiker bescheinigen dem Bundesnachrichtendienst nach Informationen des SPIEGEL schwere Fehler während des Kalten Krieges.

Bau der Berliner Mauer 1961
DPA

Bau der Berliner Mauer 1961


In der alten Bundesrepublik genossen der Bundesnachrichtendienst (BND) und sein Vorläufer, die Organisation Gehlen in Pullach, viele Jahre einen ausgezeichneten Ruf. Jetzt hat sich eine Historikerkommission im Auftrag des BND die Frühgeschichte des Geheimdienstes genauer angesehen - und kommt zu einem ernüchternden Befund, wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet.

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Die westdeutschen Spione hätten während des Kalten Krieges versagt. So berichtet Rolf-Dieter Müller von der "Unabhängigen Historikerkommission" , dass die Einblicke des Geheimdienstes in das Innenleben der DDR "oft armselig" gewesen seien. Die vielfach gerühmte Militäraufklärung habe in Wirklichkeit "nur zeitweise" funktioniert. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

Vom Balkan und von anderen Teilen Südosteuropas habe der BND "auch keine Ahnung" gehabt. Laut Müller zählten etwa in Ungarn "vielleicht drei Bäuerinnen Panzer". Mehr habe der BND da nicht zu bieten gehabt. Nach Müllers Recherchen verfügte der deutsche Geheimdienst weder in der DDR noch in irgendeinem anderen Ostblockland über eine Spitzenquelle.

Müller wirft dem BND außerdem vor, während des Kalten Krieges "alle größeren Krisen verschlafen" zu haben, etwa den Mauerbau 1961 oder die Kubakrise 1962. Den Aufstand der Ostdeutschen gegen das kommunistische DDR-Regime am 17. Juni 1953 habe Pullach sogar für eine "Inszenierung Moskaus" gehalten.

Müller stützt seine Kritik auf BND-interne Unterlagen. Die Historikerkommission hat besonderen Zugang zum Archiv des Geheimdienstes.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
fatal.justice 09.12.2017
1. Man...
... sollte froh sein, dass der bundesdeutsche Geheimdienst letztendlich nicht in der Tradition nationalsozialistischen Spitzeltums steht. Unfähigkeit ist in diesem Falle eher eine Zier, denn ein Nachteil. Obwohl die heutige Weltlage selbstverständlich jede nachrichtentechnische Tätigkeit rechtfertigen würde...
Bueckstueck 09.12.2017
2. Das ging nach hinten los
Im Auftrag des BND - also keine Agenda dahinter zu vermuten. Respekt, wenn der BND trotz Wissen um die Gefahr seine Geschichte zu entzaubern diese Studie in Auftrag gab. Lacher, wenn sie es nicht geahnt hatten. Würde ja ins Bild passen...
gerald246 09.12.2017
3. The Nazis were terrible Spies
wie der Guardian mal in einer Analyse des BND schrieb. Naja, das war doch Leuten die sich ein bisschen mit dem Thema beschäftigen und die keine ideologische Brille aufhaben. Seltsamerweise sind es hier die LInken, die immer wieder die Naziverstrickungen der Oraganisation Gehlen und des BND und dessen perfide und weitreichenden Tätigkeiten aufbauschen. Tatsache ist doch, dass Gehlen überhaupt kein Spion sondern ein Infanterieeoffizier, und sowohl von der Ausbildung als auch von den Fähigkeiten nicht geeignet für den Job war. Ich erinnere nur and die WIN-Affäre (eine Trust-Aktion des sowjetischen Geheimdienstes), an die Tatsache dass Gehlen nicht so sehr alte Nazis sondern vielmehr seine eigenen Verwandten in Pullach eingestellt hatte, an die Unterwanderung des BND durch östliche Geheimdienste usw.
Ein_denkender_Querulant 09.12.2017
4. Prioritäten Setzen
Es war auch wichtiger, Willi Brandt zu beschatten. Ohne Worte
weltbürger01 09.12.2017
5. Wen interessiert das heute noch...
.. schon damals war dem Osten klar, dass aus Pullach und anderen ähnlichen Einrichtungen niemals eine Gefahr für die DDR ausgehen würde. Die Frage ist doch, wie sind diese Organisationen heute aufgestellt? Und diese Antwort sollte wirklich keiner erfahren.
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