CDU-Mann AfD nominiert Max Otte als Bundespräsidentenkandidat

Max Otte ist Bundesvorsitzender der WerteUnion und CDU-Mitglied, steht der AfD aber nahe. Nun hat ihn die AfD als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten nominiert.
Max Otte (CDU) wird von der AfD als Kandidat für die Wahl zum Bundespräsidenten aufgestellt

Max Otte (CDU) wird von der AfD als Kandidat für die Wahl zum Bundespräsidenten aufgestellt

Foto: Jürgen Heinrich / imago images

Die AfD hat den CDU-Politiker Max Otte nach SPIEGEL-Informationen als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten nominiert. In einer gemeinsamen Telefonkonferenz des Bundesvorstands mit den Landeschefs entschied sich eine Mehrheit für Otte. Zuvor wurde intern heftig debattiert.

Im Laufe des Montags hatte sich der Bundesvorstand allein nicht einigen können. Wie der SPIEGEL erfuhr, stimmten im Bundesvorstand am Ende sechs Mitglieder für Otte und vier Mitglieder dagegen, dazu gab es zwei Enthaltungen. Unter den Landesvorsitzenden war das Ergebnis für Otte hingegen deutlicher: 14 Landeschefs stimmten dafür, nur zwei dagegen.

Der Bundesvorsitzende der WerteUnion war vom AfD-Chef Tino Chrupalla vorgeschlagen worden, gegen den Widerstand des Co-Vorsitzenden Jörg Meuthen. Otte hatte ihn vor rund zwei Jahren im internen AfD-Machtkampf per Twitter scharf kritisiert: »Jörg Meuthen hat den Lucke-Petry-Virus und betreibt aus ideologischen und persönlichen Gründen die Spaltung der AfD«.

Chef der WerteUnion

Otte wird seit Jahren Nähe zur AfD nachgesagt . 2017 sagte er der »Wirtschaftswoche«, dass er bei der Bundestagswahl die AfD wähle. Bis Januar 2021 war Otte zudem Vorsitzender des Kuratoriums der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung. Otte selbst sagt, dass er »felsenfest und bombenfest« CDU-Mitglied sei.

Die Aufstellung Ottes hat rein symbolischen Charakter: Die AfD kommt nur auf 152 von 1472 Sitzen in der Bundesversammlung am 13. Februar. Eine Chance gegen den amtierenden Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier, dessen Kandidatur von SPD, Grünen und FDP sowie der Union unterstützt wird, dürfte er damit nicht haben.

Chrupalla, der zum rechten Lager in der AfD gehört, hofft mit dem Manöver aber offenbar, die Union ärgern zu können. Bei der Rechtsaußenpartei ist man zudem erfreut, dass sich auch die WerteUnion heute für Otte als Kandidaten ausgesprochen hatte. Das ist umso bezeichnender, da aus AfD-Kreisen zu hören war, dass Otte seiner Nominierung durch die AfD positiv gegenüber gestanden haben soll.

Otte: »Ich berate mich mit meiner Familie«

Otte schließt nicht aus, für die AfD als Kandidat anzutreten. »Die Kandidatur als Bundespräsident angetragen zu bekommen, ist eine der größten Ehren, die einem widerfahren kann«, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. »Das Amt bietet die Chance, zu heilen, zu versöhnen, zu ermahnen. Ich berate mich mit meiner Familie und denke intensiv darüber nach.«

Auch die Linke stellt Gegenkandidaten auf


Otte ist nicht der einzige Gegenkandidat zu Frank-Walter Steinmeier. Die Linkspartei schickt den Betreiber des Mainzer »Arztmobils« für Obdachlose, Gerhard Trabert, für die Wahl zum Bundespräsidenten ins Rennen . Trabert ist Gründer des Vereins »Armut und Gesundheit in Deutschland« und hält eine Professur für Sozialmedizin und Sozialpsychiatrie an der Hochschule Rhein-Main inne.