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15. November 2012, 12:56 Uhr

Bundespräsident zur Finanzkrise

Joachim Gauck warnt vor "blanker Gier"

Joachim Gauck fordert Konsequenzen aus der Finanzkrise: Der Bundespräsident hat die Unternehmensmanager vor ungezügeltem Gewinnstreben gewarnt - verlangte aber auch mehr Verantwortungsbewusstsein von Käufern und Kunden.

Berlin - Es gab mahnende Worte an Unternehmensmanager, aber auch an die Bürger als Käufer und Kunden: Bundespräsident Joachim Gauck hat den Deutschen in einer Rede auf dem Führungstreffen Wirtschaft der "Süddeutschen Zeitung" ins Gewissen geredet und weitreichende Konsequenzen aus der Finanz- und Schuldenkrise gefordert.

"Anstand im Wirtschaftsleben ist wichtig", sagte Gauck laut Redetext. Das heiße aber nicht, dass Gewinnstreben unanständig sei. "Gefährlich wird erst die blanke Gier, das Mehrenwollen um jeden Preis. Zivilisierung der Gier aber schafft aufgeklärten Kapitalismus."

Gauck erinnerte an den Satz des Grundgesetzes "Eigentum verpflichtet". Wirtschaftseliten dürften nicht nur an gute Ertragszahlen denken, sondern müssten auch Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen. "Schwarze Zahlen sind kein Grund, rote Linien zu überschreiten." Das gelte auch für die Weltwirtschaft. "Dass nicht nur Geld und Ressourcen, sondern auch unsere sozialen Werte auf dem globalen Marktplatz zur Disposition stehen, haben noch nicht alle verstanden", kritisierte Gauck. Es gehe auch um Menschenrechte, Menschenwürde, um Respekt und ein Miteinander der Verschiedenen.

"Es geht um Demokratie, ihre Bürger und alle denkbaren Formen der Verantwortung", unterstrich der Bundespräsident. Gesunde Unternehmen brauchten ein gesundes Umfeld. Das bringe auch ökologische Verantwortung mit sich. Ein verantwortungsbewusstes Handeln der Unternehmen präge aber auch das Verantwortungsbewusstsein der Kunden, sagte Gauck und verwies insbesondere auf die Konsumenten: "Mit dem Kassenbon kann man schlimme Zustände zementieren."

"Warum greifen Europäer zur Zehn-Euro-Jeans?"

Andererseits hätten die Kunden auch eine enorme Marktmacht, mit der sie Produktionsbedingungen in aller Welt mit prägen könnten. "Wie lange greifen Europäer noch zur Jeans für zehn Euro, obwohl sie wissen, dass die Allerärmsten in Asien oder Lateinamerika einen hohen Preis dafür zahlen, mit ihrer Gesundheit oder ihrer Menschenwürde?"

Schuld an der Krise sind nach Gaucks Einschätzung nicht nur die Unternehmen, und insbesondere die der Finanzbranche. Unter ihnen habe es Verführer wie Verführte gegeben. Denn auch die Politik habe unrealistische Wachstumsphantasien genährt. Überzogene Erwartungen und Gutgläubigkeit habe es auch unter den Kunden gegeben. "Maßlosigkeit hat in die Krise geführt", resümierte der Bundespräsident. Alle müssten sich selbst hinterfragen sowie ihr Verhalten, ihre inneren Überzeugungen und Motive überprüfen und ändern.

Gauck warnte davor, eigene Fehler zu verbrämen und diese auf anonyme Institutionen wie "den Markt" oder "das System" zu verlagern. "Ein neuer Umgang mit Fehlern stünde uns gut zu Gesicht."

hen/Reuters/dpa

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