Suche nach Gauck-Nachfolger Gabriel verlässt Kanzleramt nach 45 Minuten

Sigmar Gabriel hat den Unionsspitzen offiziell die Unterstützung der SPD für einen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier mitgeteilt. Angela Merkel und Horst Seehofer haben jetzt noch genau drei Möglichkeiten.

Sigmar Gabriel am Kanzleramt
DPA

Sigmar Gabriel am Kanzleramt


Das Treffen dauerte nur kurz: SPD-Chef Sigmar Gabriel hat Angela Merkel und Horst Seehofer an diesem Sonntag mitgeteilt, dass seine Partei auf eine Kandidatur Frank-Walter Steinmeiers für das Amt des Bundespräsidenten setze.

Dann verließ Gabriel das Kanzleramt wieder, nach nur 45 Minuten. Es war die zweite ergebnislos verlaufene Runde zum Thema Bundespräsident in einer Woche.

Damit ist nun klar, dass es keinen gemeinsamen Kandidaten der Großen Koalition geben wird.

Nach Gabriels Abgang verständigten sich die Kanzlerin und Bayerns Ministerpräsident auf das weitere Verfahren. In den Parteiführungen von CDU und CSU sollen am Montag jeweils drei Möglichkeiten diskutiert werden, heißt es in Unionskreisen:

1. eigener Unionskandidat;

2. Unterstützung Steinmeiers;

3. Unterstützung eines Grünen.

Mit dem Grünen kann nur Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann gemeint sein, mit dem auch die Kanzlerin zuletzt den Kontakt suchte. Es gilt aber als wenig wahrscheinlich, dass sich die CSU-Führung auf eine schwarz-grüne Konstellation bei der Bundespräsidentenwahl einlassen wird, da dies wohl als Signal für die Bundestagswahl gedeutet würde. Ein Signal, das die CSU keinesfalls senden will, um den Grünen keine bürgerlichen Wähler aus dem eigenen Lager zuzutreiben.

So läuft alles auf die entscheidende Frage hinaus, ob es Merkel gelingt, in den nächsten Tagen - oder möglicherweise bereits an diesem Montag - einen geeigneten eigenen Unionskandidaten zu präsentieren. Kein leichtes Unterfangen.

DER SPIEGEL

Zwar stellen CDU und CSU die größte Gruppe in der Bundesversammlung, die den Präsidenten im Februar wählt, doch braucht es durchaus ein politisches Schwergewicht, um gegen den in der Bevölkerung beliebten und in den Unionsparteien respektierten Steinmeier ins Rennen zu gehen. Das ist allen Unionsgranden in Berlin und München klar.

Und so könnte es am Ende doch noch darauf hinauslaufen, dass Steinmeier zwar nicht der gemeinsame Kandidat der Koalition wird, aber, dass die Union möglicherweise keinen Gegenkandidaten aufstellt - und damit der SPD den Weg in Schloss Bellevue bahnt.

Steinmeier selbst sollte um 18 Uhr von Berlin nach Brüssel fliegen, der Abflug am Flughafen Berlin Tegel verzögerte sich jedoch um fast zwei Stunden. Das Abendessen mit seinen EU-Amtskollegen, zu dem die EU-Außenbeauftragte Mogherini am Sonntagabend um 19 Uhr eingeladen hatte, dürfte er damit verpasst haben. Seine Diplomaten nannten für die Verspätung keinen Grund.

Wen wünschen Sie sich als Bundespräsidenten? Wir hätten da ein paar ernstgemeinte und nicht ganz so ernstgemeinte Vorschläge:

wal/sef/dpa/AFP

insgesamt 144 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
skeptikerjörg 13.11.2016
1. Schande
Dieses erbärmliche Geschacher beschädigt das Amt und desavuiert den künftigen Kandidaten im voraus, egal wie er oder sie heißen wird. Und da wundert man sich in Berlin und München, dass die Bürger von dieser Art Politik die Schnauze voll haben und sich "Alternativen" zuwenden? Völliges Versagen von Merkel, Gabriel und Seehofer, die es nicht schaffen, in ihren Parteien einen Kandidaten, der nicht der eigenen Farbe angehört, durchzusetzen.
avsch 13.11.2016
2. Bürgerwahl
Lasst bitte den Präsidenten von allen wählen, dieses Geschachere ist unerträglich.
Pfaffenwinkel 13.11.2016
3. Das deutsche Volk
möchte Steinmeier als Bundespräsidenten sehen. Wo ist denn da ein Problem?
hagar 13.11.2016
4.
Warum um alles in der Welt muss eigentlich ein GEMEINSAMER Kandidat gefunden werden? Ich denke der BP wird GEWÄHLT, mit der Mehrheit der Stimmen. Irgendwie finde ich dieses Gemauschel völlig unpassend.
panzerknacker 51 13.11.2016
5. Steinmeier?
Der Mann ist nach seinen Verbal-Ausfällen gegen Trump sowohl als Außenminister als auch als Bundespräsident nicht mehr präsentierbar; ab in den Ruhestand mit ihm ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.