Bundespräsidentenwahl Koalition will gemeinsamen Kandidaten für Gauck-Nachfolge

Die Bundespräsidentenwahl als linkes oder schwarz-grünes Signal? Von wegen. Union und SPD suchen nach SPIEGEL-Informationen einen gemeinsamen Bewerber. Die erste Abfuhr hat man sich schon geholt.
Horst Seehofer, Angela Merkel und Sigmar Gabriel

Horst Seehofer, Angela Merkel und Sigmar Gabriel

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

Union und SPD wollen einen gemeinsamen Kandidaten für die Nachfolge von Bundespräsident Joachim Gauck suchen. Das haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel und CSU-Chef Horst Seehofer nach Informationen des SPIEGEL bei einem Treffen am vorvergangenen Sonntag vereinbart. Es soll damit weder einen Kandidaten eines breiten linken Bündnisses aus SPD, Linken und Grünen noch einen schwarz-grünen Bewerber geben. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Die Suche wird sich schwierig gestalten. Bei einem ersten Kandidaten holte sich die Koalition bereits eine Abfuhr. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, lehnte es ab, als Staatsoberhaupt zu kandidieren. Er wolle weiter sein Amt in Karlsruhe ausüben, auch aus familiären Gründen, teilte Voßkuhle Gabriel mit.

Der Parteivorsitzende hatte den SPD-nahen Juristen gefragt, ob er sich vorstellen könne, sich als parteiübergreifender Kandidat zu bewerben. Voßkuhle hatte im Jahr 2012 bereits Kanzlerin Merkel einen Korb gegeben, die ihn als Nachfolger des zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff vorschlagen wollte.

Auch andere Namen sind nicht mehr im Rennen. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, der als möglicher schwarz-grüner Kandidat galt, wird von den Grünen abgelehnt. Der Schriftsteller Navid Kermani, als Bewerber von Rot-Rot-Grün im Gespräch, hat ebenfalls keine Chance mehr. Bei SPD und Grünen heißt es hinter vorgehaltener Hand, ein Muslim als Staatsoberhaupt werde in der gegenwärtigen Stimmung die Spaltung in der Gesellschaft noch vertiefen.

Auch Politiker der Linken können einem rot-rot-grünen Bündnis bei der Präsidentenkür wenig abgewinnen. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow warnte davor, bei der Präsidentenwahl einen Kandidaten zu nominieren, der sich auf eine linke Mehrheit stützen könnte. "Wir brauchen in Zeiten, in denen die AfD von Sieg zu Sieg eilt, einen Kandidaten, der weit über jedes Spektrum hinaus Akzeptanz findet", sagte Ramelow dem SPIEGEL. Gesucht werde eine "kluge, weltoffene, moderne und konservative Persönlichkeit".