Bundespräsidenten-Abgang Migrantenverbände und Glaubensgemeinschaften traurig über Wulff-Rücktritt

Der Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff stößt selbst in Reihen von Schwarz-Gelb auf Zustimmung - mit großem Bedauern haben dagegen Migrantenverbände und Glaubensgemeinschaften seine Demission aufgenommen.

Ehepaar Wulff nach Rücktrittserklärung: Nicht alle begrüßen den Präsidenten-Abgang
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Ehepaar Wulff nach Rücktrittserklärung: Nicht alle begrüßen den Präsidenten-Abgang


Berlin - Christian Wulff wird es gerne hören: Migrantenverbände und Glaubensgemeinschaften bedauern seinen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten. Mit seiner Feststellung, dass der Islam ein Teil Deutschlands sei, habe Wulff "den gordischen Knoten der deutschen Einwanderungsgesellschaft" gelöst, erklärte die "Türkisch Islamische Union" (Ditib). "Er war der Präsident, den die Migranten und Muslime, aber auch die Mehrheitsgesellschaft brauchten, um Deutschland auf dem Weg zur Einheit voranzubringen."

Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, zollte Wulff Respekt. "Wir bedauern den Rücktritt von Herrn Wulff, respektieren aber seinen Schritt", sagte Kolat "Handelsblatt Online". Das von Wulff in die politische Debatte eingeführte Thema Integration müsse weiter diskutiert werden. Er hoffe, dass auch Wulffs Nachfolger ähnliche Akzente setzen werde.

Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland bedauerte Wulffs Rücktritt. Zentralratschef Dieter Graumann würdigte dessen "konsequentes Eintreten für die Rechte der religiösen Minderheiten und seine besondere Sensibilität im Umgang mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte". Wulff habe als Präsident "für ein weltoffenes, junges und dynamisches Deutschland" gestanden, "das seine neue Vielfalt als Bereicherung begreift".

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, zollte Wulff Respekt für die Rücktrittsentscheidung. Diese sei "folgerichtig und auch befreiend", erklärte der Präses. "Dieser für ihn sicher schmerzliche Schritt verschafft ihm die notwendige Freiheit, mit den Vorwürfen und deren Überprüfung angemessen umzugehen." Das Amt des Bundespräsidenten gewinne so "seine Gestaltungsmöglichkeiten zurück", erklärte Schneider.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, bezeichnete Wulffs Rücktritt als "wichtigen Schritt zum Schutz seines hohen Amtes und seiner Person". Wulffs Bemühen um den "gesellschaftlichen Zusammenhalt ist für unser Land wichtig gewesen und bleibt bedeutsam", erklärte Zollitsch. Er wünsche Wulff "die Kraft und Unterstützung, die nach den Ereignissen der vergangenen Wochen und der heutigen Entscheidung menschlich nötig sind".

flo/AFP

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Seite 1
onkelbenz,derechte 17.02.2012
1. ...
Zitat von sysopGetty ImagesDer Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff stößt selbst in Reihen von Schwarz-Gelb auf Zustimmung - mit großem Bedauern haben dagegen Migrantenverbände und Glaubensgemeinschaften seine Demission aufgenommen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816093,00.html
"Gesellschaftlicher Zusammenhalt" ist nicht glaubhaft und funktioniert nicht, wenn der jeweilige Prediger sich zu viele Sonderrechte herausnimmt. Hier und da und dort.
Reqonquista 17.02.2012
2. Die anderen ...
Zitat von sysopGetty ImagesDer Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff stößt selbst in Reihen von Schwarz-Gelb auf Zustimmung - mit großem Bedauern haben dagegen Migrantenverbände und Glaubensgemeinschaften seine Demission aufgenommen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816093,00.html
...Deutschen haben sich bei Wulff etwas vernachläßigt gefühlt. Migration gab es schon immer in Deutschland, Muslime scheinen sich aber mehr mit dem Islam als mit Deutschland (und den Deutschen) verbunden zu fühlen. Die Ziele des polit. Islam fordern die Bio Deutschen heraus und die Sitten und Gewohnheiten sind manches mal nicht vereinbar. Es wäre besser gewesen zu sagen, das die Migranten zu Deutschland gehören (aber nicht der politische Islam). Der Islam ist für viele aber nicht nur Religion und tw. problematischer als Scientology. In einigen Schulen gibt es schon keine Schweinefleisch mehr, muß das toleriert werden? Man sollte sich mal die Migration in Kanada etc. anschauen, dort fühlen sich die Menschen spätestens nach einer Generation solidarisch mit ihrem neuen Heimatland. In Deutschland fühlen sich viele Türken erklärterweise nicht so.
Heinz-und-Kunz 17.02.2012
3. So, so?
Zitat von sysopGetty ImagesDer Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff stößt selbst in Reihen von Schwarz-Gelb auf Zustimmung - mit großem Bedauern haben dagegen Migrantenverbände und Glaubensgemeinschaften seine Demission aufgenommen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816093,00.html
Vor Wulff hat also niemand von Integration gesprochen? Dumm nur, dass es seit den 90ern Integrationsbeauftragte gibt und der erste Integrationsgipfel -mit viel Tam-tam in den Medien- 2006 abgehalten wurde. Herr Kolat erzählt hier Märchen aus 1001 Nacht. Was er wirklich meint ist Wulffs Äußerung von 2010, wonach der Islam zu Deutschland gehöre. Hmm, warum sagt der Herr Kolat das nicht genau so offen, wie Wulff es getan hat? Ein Schwelm wer Böses dabei denkt!
akeley 17.02.2012
4. kein Eid, keine Bremse
Na, es wird die Glaubensgemeinschaften sicher freuen, dass Herr Wulff jetzt seinen ruhenden Kuratoriumsposten bei "Pro Christ" wieder aufnehmen kann. Jetzt kann er sich mit voller Hingabe der Neu-Evangelisation Deutschlands widmen, wie es sein moralischer Leitvater in Rom verlangt. Und den in letzter Konsequenz verfassungsdemontierenden Zielen dieser Bewegung steht ja dann auch kein Amtseid mehr im Wege.
bayrischcreme 17.02.2012
5.
Hmm, Einen demonstrativen Frömmler wie Wulff als Präsident eines säkularen Staates hatte ich ehrlich gesagt nie für besonders passend gehalten.
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