Bundespräsidentenkandidaten Gauck hängt Wulff in Umfrage ab

Christian Wulff ist der Kandidat der Kanzlerin, doch ein Gros der Bevölkerung will laut einer Umfrage lieber Joachim Gauck als Präsidenten. Der gibt sich selbstbewusst: Er habe Merkel zuliebe kurz an einen Verzicht auf die Kandidatur gedacht. Aber "das hätte ich nicht verantworten können".
Kandidat Gauck: "Ich durfte nicht Nein sagen"

Kandidat Gauck: "Ich durfte nicht Nein sagen"

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Joachim Gauck

Berlin - Der rot-grüne Präsidentschaftskandidat ist in der Bevölkerung einer Umfrage zufolge deutlich beliebter als der Bewerber von Schwarz-Gelb, Christian Wulff.

42 Prozent der Bundesbürger würden für den früheren Stasi-Akten-Beauftragten Gauck votieren, wenn sie den Bundespräsidenten selbst wählen könnten, wie aus der am Mittwoch vom Hamburger Magazin "Stern" veröffentlichten Forsa-Umfrage hervorgeht. 32 Prozent würden sich für den niedersächsischen CDU-Ministerpräsidenten entscheiden.

Wulff hat bei den Anhängern von CDU/CSU mit 61 Prozent einen stabilen Sympathiewert, fällt aber schon bei FDP-Anhängern mit 42 Prozent deutlich ab. Gauck erzielt hingegen hohe Werte im rot-grünen Lager, bei den SPD-Anhängern kommt er auf 58, bei den Grünen-Anhängern auf 75 Prozent. Gauck ist auch bei Anhängern der Linken beliebt, obwohl die Partei eine eigene Kandidatin aufstellen wird: Hätten Anhänger der Linken nur die Wahl zwischen Gauck und Wulff, läge der SPD- und Grünen-Kandidat mit 52 Prozent klar vor dem Regierungskandidaten, der nur 17 Prozent erzielen würde.

Gauck sagte in einem Interview mit dem "Stern", er habe aus Rücksicht auf Bundeskanzlerin Merkel kurz über einen Verzicht auf seine Kandidatur als Bundespräsident nachgedacht. Er habe gedacht, warum solle er jene ärgern, die ihm eigentlich nahestünden, "das ist doch schade." Dann habe er aber den Gedanken verworfen: "Wenn du davon die Entscheidung abhängig machst, ist das ein wenig verspielt und ganz sicher unerwachsen." Gauck fügte hinzu: "Ich durfte nicht Nein sagen. Das hätte ich nicht verantworten können."

Christian Wulff

Gaucks Rivale hatte zuvor erstmals öffentlich über die Details seiner Nominierung gesprochen. "Ich bin nicht gedrängt worden, habe mich nicht beworben, aber die Chance beherzt ergriffen", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". In dem Interview warnte Wulff außerdem vor einer Direktwahl des deutschen Staatsoberhaupts. "Ich bin dagegen, den Bundespräsidenten vom Volk wählen zu lassen", sagte er. Eine Direktwahl würde das Staatsoberhaupt mit Erwartungen an Macht und Einfluss versehen, die es nicht einlösen könnte. "Der Bundespräsident ist Hüter der Verfassung und Repräsentant des Staates, aber er gestaltet nicht die Tagespolitik", sagte Wulff. Köhler hatte sich mehrfach für eine Direktwahl des Staatsoberhaupts ausgesprochen.

anr/apn/AFP
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