Nazi-Kunst in Bundesbesitz Regierung lässt Görings Teppich entfernen

Der Teppich eines Nazis im Kabinettssaal? Das will die Regierung nicht länger dulden. Das Kanzleramt lässt deshalb einen Wollteppich aus der Sammlung Hermann Görings aus dem Palais Schaumburg in Bonn entfernen.
Palais Schaumburg in Bonn: Teppich gegen ein "unbelastetes Stück" ausgetauscht

Palais Schaumburg in Bonn: Teppich gegen ein "unbelastetes Stück" ausgetauscht

Foto: dapd

Bonn/Berlin - Das Bundeskanzleramt lässt einen Perserteppich aus Nazi-Beständen aus seinem Bonner Dienstsitz entfernen. Der Sultanabad-Wollteppich, der im Palais Schaumburg bislang den Kabinettssaal ziert, befand sich einst im Besitz der Nazi-Größe Hermann Göring - und zählt damit zu jenen Tausenden Kunstgegenständen, die führenden Nationalsozialisten gehörten und die nach dem Krieg in den Bestand deutscher Museen und Behörden übergingen.

Nachdem der SPIEGEL berichtet hatte, dass unter anderem in Gebäuden des Bundeskanzleramts und des Bundestags Kunst aus Nazi-Beständen ausgestellt ist, reagiert nun die Bundesregierung. So soll Görings Perserteppich aus dem Palais Schaumburg verschwinden. "Der Teppich wird entfernt und gegen ein anderes, unbelastetes Stück ausgetauscht", erklärte das Bundespresseamt gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Schon im Lauf der nächsten Woche werde der Teppich an das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen zurückgegeben. Die Behörde ist dafür zuständig, die Herkunft von Werken aus Nazi-Beständen zu klären und diese gegebenenfalls an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben - was über ein halbes Jahrhundert nach Kriegsende oft schwierig bis unmöglich ist.

In Immobilien des Bundes finden sich dabei neben Nazi-Beutekunst auch Objekte, die NS-Größen auf dem Kunstmarkt erwarben oder für sich anfertigen ließen - wie jener Sultanabad-Teppich aus dem Bonner Palais Schaumburg, den die Berliner Firma Quantmeyer & Eicke während der NS-Herrschaft im heutigen Iran in Auftrag gegeben und anschließend an Göring verkauft hatte.

nwi
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