Prozess in Russland Berlin fordert Freilassung ukrainischer Pilotin

Das Urteil gegen die ukrainische Pilotin Nadja Sawtschenko soll Ende März in Donezk fallen. Die Bundesregierung verlangt von Moskau ihre sofortige Freilassung - aus "humanitären Gründen".
Nadja Sawtschenko

Nadja Sawtschenko

Foto: Yuri Kochetkov/ dpa

Der Mordprozess gegen die in Russland inhaftierte ukrainische Pilotin Nadja Sawtschenko läuft rechtsstaatlichen Grundsätzen zuwider. Das sagt der Russland-Beauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD). Er zeigte sich besorgt über den Zustand Sawtschenkos, die sich im Hungerstreik befindet.

Berlin fordert von Moskau mit Nachdruck die Freilassung der 34-Jährigen. Sawtschenko müsse aus "humanitären Gründen" freigelassen werden, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Die mehr als 20-monatige Inhaftierung und die "fragwürdigen Verhörmethoden" widersprächen internationalen Standards.

Russland wies die Vorwürfe zurück. "Hier ist keinerlei Einmischung zulässig", sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow am Mittwoch in Moskau.

Fotostrecke

Nadeschda Sawtschenko: Heldin der Ukraine

Foto: MAXIM ZMEYEV/ REUTERS

Die Pilotin sitzt in Untersuchungshaft, weil sie 2014 im Donbas Mörserfeuer auf Zivilisten gelenkt haben soll. Zwei russische Journalisten wurden dabei getötet. Sawtschenko kämpfte damals als Freiwillige gegen prorussische Separatisten in der Ostukraine. Die Justiz fordert 23 Jahre Haft für die Frau.

Seibert sagte, es gebe viele Fragen dazu, wie Sawtschenko auf russisches Territorium "verbracht wurde". Sie selbst sagt, sie sei von prorussischen Kämpfern gefangen genommen und an Russland ausgeliefert worden.

Das Gericht in der Stadt Donezk legte als Termin für die Urteilsverkündung den 21. und 22. März fest. "Ich erkenne weder meine Schuld noch das Urteil des russischen Gerichts an", sagte die von einem Hungerstreik geschwächte Sawtschenko im Gerichtssaal. Nach Darstellung ihrer Anwälte hat sich ihr Gesundheitszustand massiv verschlechtert, weil sie seit vergangener Woche angeblich keine Flüssigkeit zu sich nimmt. Sie leide unter Fieber und Herzproblemen, hieß es.

Russland ließ aber keine Ärzte zu der Angeklagten. Sawtschenkos "beleidigendes Verhalten" habe dies unmöglich gemacht, sagte Außenminister Sergej Lawrow in einem Telefonat mit seinem ukrainischen Kollegen Pawel Klimkin. Es gebe keinen Grund, sich über den Gesundheitszustand Sorgen zu machen, hieß es. Sawtschenko befinde sich unter ständiger Beobachtung durch russische Ärzte, sagte Lawrow laut einer Mitteilung des Außenministeriums in Moskau.

heb/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.