Bundesregierung Luxuslimousinen zum Schnäppchenpreis

Minister und Staatssekretäre bekommen von Autokonzernen traumhafte Leasingraten für ihre Dienstkarossen. Nach Informationen des SPIEGEL zahlen sie für eine Limousine so viel wie Normalkunden für einen Kleinwagen.

Dienstwagen auf dem Weg zum Bundesinnenministerium in Berlin
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Dienstwagen auf dem Weg zum Bundesinnenministerium in Berlin

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Für Mitglieder der Bundesregierung ist es eine der heikelsten Entscheidungen ihrer Amtszeit: Welchen Dienstwagen sollen sie auswählen? Er darf nicht viel verbrauchen und auch nicht zu protzig sein. Seit der Dieselaffäre sind auch Wagen mit Selbstzünder unter der Haube riskant. Am angesagtesten sind deshalb derzeit Benziner mit Plug-in-Hybrid. Das macht sich gut, etwa in dem Ranking, das die Deutsche Umwelthilfe jedes Jahr über die Dienstwagen der Staatsdiener veröffentlicht.

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Doch über die Kosten, die die Ministerien für die meist schwarzen Limousinen zahlen, war bislang wenig bekannt. Nun haben die Grünen im Bundestag nach Informationen des SPIEGEL eine Anfrage an die Bundesregierung geschickt - und die Antwort überrascht, zumindest was den Preis angeht: Die Fahrzeuge sind extrem günstig. Denn deutsche Autokonzerne gewähren den Ministerien beim Leasing ihrer Dienstlimousinen auffallend gute Konditionen. Im Vergleich zu Angeboten für Normalkunden sind die Leasingraten oft nur halb so hoch.

Für einen S-Klasse-Mercedes zahlt etwa das Bundesumweltministerium 367,20 Euro pro Monat, den BMW-Geländewagen X5, den sich ausgerechnet ein Staatssekretär des Umweltministeriums gönnt, gibt es schon für 299,04 Euro - inklusive Mehrwertsteuer. So steht es in der Antwort der Bundesregierung, die dem SPIEGEL vorliegt. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Nur vier Ministerien legten ihre Tarife offen; die übrigen machten "Geschäftsgeheimnisse zwischen Leasinggeber und Leasingnehmer" geltend, über die "Vertraulichkeit" vereinbart worden sei. Oliver Krischer, Bundestagsabgeordneter der Grünen, kritisiert die Praxis: "Das ist eine Form der Produktplatzierung, die dringend hinterfragt werden sollte." Besonders günstig fährt das Gesundheitsministerium: Es zahlt 253,16 Euro für einen 7er-BMW - üblich sind Raten von mehr als 800 Euro pro Monat.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 70 Beiträge
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grommeck 23.09.2017
1. Nun, die Automobilindustrie läuft ja auch
wie geschmiert.
monolithos 23.09.2017
2. Zweischneidiges Schwert
Na, das nenne ich doch mal einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Geld des Steuerzahlers, mit Unterstützung einer fürsorgenden Industrie. Wer hätte das gedacht? Allerdings ist dies ein Mitgrund dafür, warum Politiker keine Ahnung mehr von den finanziellen Nöten der "kleinen Leute" haben, die zudem diese Rabatte gegenfinanzieren dürften. Warum können Politiker und ihre Aktentaschen eigentlich keinen Polo fahren? Den gibt es doch bestimmt auch in schwarz.
pennywise 23.09.2017
3. das ist doch
ein ganz alter Hut. Und ein Schelm wer irgend etwas böses dabei denkt
koblex 23.09.2017
4. Günstige Leasingraten
Auch eine Art von Korruption, Lobby oder wie man das nennen darf.
a.peanuts 23.09.2017
5. Haben wir nur noch Mafiosis da oben
Haben wir nur noch Mafiosis da oben? Das ist Bestechung. Was Madam Raute wohl bei den IAA's so sucht? Und dann wundert man sich,wenn neue Parteien entstehen
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