Bundesregierung Schwarz-Gelb steht auf Schwarz-Rot-Gold

Ramsauer verbietet Anglizismen, Westerwelle will Deutsch in Brüssel stärken, Niebel puscht die Bundesrepublik in Afrika: Endlich hat Schwarz-Gelb ein gemeinsames Projekt. Wenn sonst nichts klappt, soll wenigstens das Deutsche aufleben.

Außenminister Westerwelle: "Möchten nicht, dass Deutsch in Europa verlorengeht"
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Außenminister Westerwelle: "Möchten nicht, dass Deutsch in Europa verlorengeht"

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Berlin - Selten waren sich die Kommentatoren über den Zustand einer Bundesregierung derart einig wie in diesen Tagen. "Überfordert", urteilte kürzlich der "Tagesspiegel". Die "FAZ" bezeichnete Schwarz-Gelb schlicht als "Koalition des Misstrauens". Es fehle, so heißt es stets, an Ideen, an Harmonie, vor allem aber an einem gemeinsamen Projekt. Der erste Mann im Staat fasste zusammen: "Enttäuschend", lautete die Diagnose von Bundespräsident Horst Köhler.

Doch es gibt eine gute Nachricht. Schwarz-Gelb hat sehr wohl ein Projekt. Es trägt die Überschrift: die Wiederbelebung der deutschen Sprache.

Es ist zugegebenermaßen ein eher aus der Not geborenes Projekt. Aber immerhin eines, dem sich das Kabinett mit Verve hingeben kann, ohne dass gleich jemand aus den eigenen Reihen querschießt.

Den Anfang machte vor ein paar Wochen Peter Ramsauer, der Bundesverkehrsminister. Weil er von dem Gemisch aus Englisch und Deutsch in seinem Haus zunehmend genervt war, verbot er seinen Beamten kurzerhand das "Denglisch". "Ich will, dass in meinem Ministerium mehr Deutsch gesprochen wird", verordnete der CSU-Politiker seinen Mitarbeitern. "Kein Bürger kann verstehen, wenn er mit einem inhouse meeting für outsourcing konfrontiert wird." Deswegen ließ er gleich mal ein paar Begriffe umwidmen: Aus "travel management" wurde wieder die gute alte Reisestelle, statt einer "task force" sollte wieder eine Projektgruppe tagen. "Für mich ist das nicht good governance, sondern verantwortungsvolle Regierungsführung", so der Minister.

Auch Westerwelle kämpft fürs Deutsche

Auch Außenminister Guido Westerwelle ist die eigene Sprache ein Herzensanliegen. "Wir möchten nicht, dass Deutsch als Sprache in Europa verloren geht", mahnte der FDP-Chef diese Woche in Brüssel.

Was ihm Sorge bereitet: Eigentlich ist Deutsch - neben Englisch und Französisch - die dritte Amtssprache der Europäischen Union. Doch von Gleichberechtigung kann keine Rede sein. Seit der Ost-Erweiterung findet das Englische immer weitere Verbreitung. Die neuen Diplomaten aus den kleinen Staaten beherrschen es oft exzellent - während deutsche Vertreter und Politiker mitunter radebrechend durch Brüssel irren.

Das findet Westerwelle ungerecht. Und verweist darauf, dass immerhin mehr als hundert Millionen Menschen in der EU deutsch sprächen. "Deutsch ist die am meisten gesprochene Muttersprache in Europa, und es gibt gar keinen Grund, die deutsche Sprache zu vernachlässigen", sagt er.

Gut möglich, dass Westerwelle - der selbst seine Schwierigkeiten mit dem Englischen hat - bei seinem Vorstoß auch an das Beispiel Günther Oettinger dachte. Der neue EU-Kommissar amüsierte jüngst die Brüsseler Beamten mit einem YouTube-Video, auf dem er vom Blatt in deutscher Aussprache eine Rede ablas, die offenbar in Englisch gehalten werden sollte. In manchen YouTube-Filmen laufen nun Untertitel. Oettinger kündigte reumütig an, alsbald einen Sprachkurs zu belegen.

Doch der Einsatz Westerwelles hat auch einen profanen Hintergrund: Es geht um Einfluss und Macht. Im neuen, noch im Aufbau begriffenen Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton werden wichtige Posten verteilt - und die Deutschen wollen nicht ins Abseits geraten. Sprache ist schließlich ein wichtiges Instrument im Ränkespiel. So verlangt denn auch Westerwelle von den EU-Diplomaten "die Beherrschung mehrerer Fremdsprachen, insbesondere auch der deutschen Sprache". Es geht um viel: Erhält der Europäische Außendienst die Sprachregelung des EU-Rates, dann wird intern nur Englisch und Französisch gesprochen - werden hingegen die Regeln der EU-Kommission angewandt, ist auch Deutsch Arbeitssprache. Da will Westerwelle gleich mal einen Pflock einschlagen - und hat übrigens selbst die Linkspartei auf seiner Seite.

Niebel will deutsches Afrika-Engagement sichtbarer machen

Eigentlich ist der Einsatz fürs Deutsche eher in Unionsreihen zu finden. CDU und CSU wollten per Koalitionsvertrag festlegen, Deutsch ins Grundgesetz aufzunehmen. Aber Kanzlerin Angela Merkel war nicht begeistert. Zum Scheitern brachten den Vorstoß schließlich die Liberalen.

Deutsche Pflöcke will aber jetzt auch FDP-Mann Dirk Niebel einschlagen. Wenn auch eher visuell. Der Entwicklungshilfeminister sorgte in Afrika nicht nur mit seiner Bundeswehrmütze für Stirnrunzeln. Auch seine Forderung, die deutsche Hilfe auf dem ärmsten Kontinent sichtbarer zu machen, sorgte für Aufsehen. Wo immer Niebel bei seinen Reisen aufkreuzt und eine deutsche Fahne über Entwicklungsprojekten sieht, gerät er in Verzückung. "Wir geben Steuergelder in erster Linie aus, um unsere Partner zu ertüchtigen, damit sie auf eigene Füße kommen", sagte er kürzlich der "Zeit". "In zweiter Linie aber wollen wir das auch zeigen."

Peter Ramsauer hat derweil noch Großes vor. Er hofft inständig, dass Deutsch irgendwann einmal ins Grundgesetz kommt. In einem Interview auf seiner Website heißt es: "Die deutsche Sprache aufzunehmen, halte ich für ein bemerkenswertes Anliegen, mit der man sich auseinanderzusetzen hat."

Nicht ganz einfach diese deutsche Sprache.

insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
frubi 25.03.2010
1. .
Zitat von sysopRamsauer verbietet Anglizismen, Westerwelle will Deutsch in Brüssel stärken, Niebel puscht die Bundesrepublik in Afrika: Endlich hat Schwarz-Gelb ein gemeinsames Projekt. Wenn sonst nichts klappt, soll wenigstens das Deutsche aufleben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,685446,00.html
Seh ich nicht so. Ich seh momentan überhaupt nichts. Ich les den Spiegel, les die rheinische Post, lese alternative Medien, schaue Nachrichten und ich sehe NICHTS. Es passiert einfach nichts was mal Hand und Fuß hätte. Deßhalb braucht man auch nicht die "PRO Deutschland Karte" spielen.
sprechweise, 25.03.2010
2. Immer die selben Autoren
Zitat von sysopRamsauer verbietet Anglizismen, Westerwelle will Deutsch in Brüssel stärken, Niebel puscht die Bundesrepublik in Afrika: Endlich hat Schwarz-Gelb ein gemeinsames Projekt. Wenn sonst nichts klappt, soll wenigstens das Deutsche aufleben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,685446,00.html
Es ist auffällig, dass es immer die selben Autoren sind, die Beiträge schreiben, die zwar kaum Hintergrund und Inhalt haben, dafür aber um so mehr Hetze.
Beutz 25.03.2010
3. .
Zitat von sysopRamsauer verbietet Anglizismen, Westerwelle will Deutsch in Brüssel stärken, Niebel puscht die Bundesrepublik in Afrika: Endlich hat Schwarz-Gelb ein gemeinsames Projekt. Wenn sonst nichts klappt, soll wenigstens das Deutsche aufleben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,685446,00.html
Da ist die Tigerente am größten: Nebelkerzen werfen. Von eigenen Unzulänglichkeiten ablenken -nichts anderes ist das. Diplomatie geht leiser... Nein, ich kann keine Fremdsprache. Liebe Grüße
Grosskotz 25.03.2010
4. Deutsch für das Prekariat und für die Immigrationshintergründler ?
was soll der Quatsch mit dem Englisch? Da erzählen wir immer den Türken, daß sie richtig Deutsch lernen sollen, weil das der Schlüssel zum beruflichen Erfolg sei soll und dann liest man lauter Anglizismen, wohin man geht und steht und guckt (Werbung). Yes, we can, we try harder, we make the best out of it, feel the difference, have more fun... Aber das ist ja wohl für die fortgeschrittenen bundesrepublikanischen Bildungsbürger gedacht. Nur, daß man eigentlich keinen Prestigegewinn mehr daraus ziehen kann, wenn jede Brötchenverkäuferin in einer Bäckerei ungefähr so viel Englisch wie unser Außenminister kann. Und unser Beitrag zum europäischen Song Contest auch in Englisch gesungen wird. Welch ein Niedergang für eine Musik-Nation, die einen Beethoven, einen Mozart, einen Wagner und tausend andere Unsterbliche hervorgebracht hat.
Wolfgang Jung 25.03.2010
5. In beiden Becken schwimmen können
Das "Projekt" "Mehr Deutsch" ist im Prinzip nicht schlecht, nur wird es von den falschen Leuten angegangen. Nehmen wir mal an, Westerwelle würde irgendeine Rede auf Deutsch halten, es käme ein blöder Zwischenruf, und er würde denjenigen in fließendem Englisch abwatschen, dann käme das überzeugender. In beiden Becken schwimmen können sollte die Devise jedes deutschen Vertreters auf internationalem Parkett sein.
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