Auswertung der Sitzungsprotokolle Bundestagsabgeordnete fehlen am liebsten freitags

Je näher das Wochenende rückt, desto mehr Bundestagsabgeordnete melden sich ab. Das ergab eine Auswertung der "Bild am Sonntag". Ein Politiker blieb sogar mehr als jeder dritten Plenarsitzung fern.

Mitglieder des Bundestages stimmen im Plenum im Bundestag an Urnen zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz ab
DPA

Mitglieder des Bundestages stimmen im Plenum im Bundestag an Urnen zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz ab


Freitags frei zu haben ist besonders attraktiv. Ein langes Wochenende winkt. Das gilt für alle Arbeitnehmer - offenbar auch für viele Politiker in Deutschland. Laut einer Auswertung der 105 bisherigen Sitzungsprotokolle des 19. Deutschen Bundestages fehlen bei Plenarsitzungen am Freitag durchschnittlich die meisten Bundestagsabgeordneten. Das berichtet die "Bild am Sonntag".

Demnach zeige die Auswertung, dass je näher das Wochenende rückte, desto mehr Mitglieder des Bundestages sich bei Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble abmeldeten. Während am Dienstag "nur" 22 Abgeordnete durchschnittlich fehlten, waren es am Mittwoch schon 27, Donnerstag bereits 31 und am Freitag sogar 48. Am Montag finden in der Regel keine Plenarsitzungen statt.

Abgeordnete müssen für ihre Abwesenheit keinen Grund nennen. Wer allerdings unentschuldigt fehlt, bekommt 200 Euro von der steuerfreien Abgeordnetenpauschale abgezogen. Legt man eine Entschuldigung vor, sind es 100 Euro, bei einem Attest nur 20 Euro.

Sigmar Gabriel mit den meisten Fehltagen

Die höchste Quote an Absagen hat die Linke: 7,6 Prozent fehlen laut "BamS" bei jeder Plenarsitzung. Es folgen die SPD (5,6%), AfD (5,3%), FDP (4,9%), die Grünen (4,6%) und die Union aus CDU und CSU (3,5%).

Ein prominenter Politiker hat laut der Auswertung die meisten Fehltage in Anspruch genommen: Sigmar Gabriel blieb durchschnittlich mehr als jeder dritten Plenarsitzung fern. Der ehemalige SPD-Vorsitzende gastierte zwei Monate als Dozent an der Eliteuniversität Harvard, außerdem befand er sich zwischenzeitlich auf Lesereise für sein Buch "Zeitenwende in der Weltpolitik".

Gabriel kündigte an, über eine Niederlegung seines Mandats nachzudenken. "Ich muss im Sommer klären, ob ich bis zum Ende der Wahlperiode im Bundestag bleiben kann", sagte der 59-Jährige laut "Bams".

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir von Abgeordneten als "Mitarbeiter des Bundestages" gesprochen, sie sind natürlich "Mitglieder des Bundestages".

bam



insgesamt 76 Beiträge
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DietrichHorstmann 16.06.2019
1. Kaum freies Wochenende
Termine im Wahlkreis gerade dann. Populistisches Politikerbashing. Untergräbt Zutrauen in die Demokratie. AfD dankt und sahnt selbst ab.
drent 16.06.2019
2. Bei über 700 MdB
kommt da schon allerhand an Fehlzeiten zusammen (die sich aber eher positiv auf die Qualität der Politik auswirken dürften). Wären denn nicht schon 350 auch locker ausreichend?
telos 16.06.2019
3. Einige sind gleicher
Jeglicher Arbeitnehmer ist an sein Beschäftigungsumfang gebunden, es kann sein, dass er - nach Rücksprache mit seinen Vorgesetzten - an einem Freitag nicht zur Arbeit muss. Abgeordnete brauchen sich nicht gegenüber Schäuble rechtfertigen, weshalb sie einer Sitzung im Bundestag fern bleiben. Es genügt also eine Information. Wenn ich die Abgeordnetendiäten anschaue plus den üblichen Spesen mit über 10.000Euro/Monat ist es eine Zumutung gegenüber allen in Deutschland Beschäftigten. Ich frage mich zudem, wie es Abgeordneten gelingen kann, andere Funktionen als Aufsichtsratsvorsitzender von Konzernen etc. gleichzeitig zu managen. Die Abgeordneten sind und bleiben privilegiert. Deshalb kleben die ja an ihrem Sessel und wenn Wahlen anstehen versprechen diese alles Blaue vom Himmel, das sie so oder so nicht einhalten können/wollen.
blackzed 16.06.2019
4. Nachzudenken?
Herr Gabriel kommt seiner Aufgabe als Volksvertreter nur ungenügend nach, kassiert aber wohl gerne aus mehreren Quellen. Sollte sich schämen und sein Mandat gleich niederlegen.
lollipoppey 16.06.2019
5. Nicht vertretbare Einstellung bei Gabriel
Bei Bundestagsabgeordneten, die überwiegend ihren eigenen Tätigkeiten nachgehen und damit auch zusätzliches Geld verdienen, sollte das Bundestagsmandat entzogen werden. Das gehört sich nicht. Das recht üppige Gehalt der Bundestagsabgeordneten wird aus Steuergeldern bezahlt und wenn die Person sich nicht an der politischen Arbeit beteiligt und wirklich daran interessiert ist, die Lebenverhätnisse der Bürger zu verbessern, dann hat meines Erachtens derjenige auch kein Anrecht auf Steuergelder. Im Übrigen wirft dies auch ein schlechtes Licht auf die Partei. Nicht nur bei der SPD sondern auch bei den Linken.
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