Umstrittenes Projekt Bundestag beschließt Helmut-Kohl-Stiftung

An den früheren Bundeskanzler Helmut Kohl soll mit einer Stiftung erinnert werden. Der Bundestag hat deren Gründung ohne Gegenstimme gebilligt – gegen den Willen von Witwe Maike Kohl-Richter.
Maike Kohl-Richter: »Das Vorhaben widerspricht dem letzten Willen meines Mannes«

Maike Kohl-Richter: »Das Vorhaben widerspricht dem letzten Willen meines Mannes«

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Andreas Arnold / dpa

Eine Helmut-Kohl-Stiftung erinnert künftig an Leben und Wirken des langjährigen deutschen Bundeskanzlers. Das beschloss der Bundestag am Donnerstagabend gegen den ausdrücklichen Willen der Kohl-Witwe Maike Kohl-Richter. Zu den Aufgaben der Stiftung, deren Einrichtung der Bundestag ohne Gegenstimmen billigte, gehört unter anderem die Errichtung einer öffentlich zugänglichen Erinnerungsstätte in Berlin.

Kohl-Richter hatte zuvor allerdings erklärt: »Das Vorhaben widerspricht dem letzten Willen meines Mannes.« Nach Angaben ihre Anwälte gebe es Zweifel, ob Kohls Leben und Politik im vorgesehenen Modell tatsächlich »objektiv« aufgearbeitet werden könne. Sie erklärte noch am Donnerstag kurz vor der Abstimmung auf ihrer Website, dass sie dem Vorhaben nicht zugestimmt habe.

Trotzdem stimmten im Bundestag von der Union bis zur Linken alle Fraktionen für die Stiftung; nur die AfD enthielt sich.

Der vor vier Jahren verstorbene CDU-Politiker bekleidete von 1982 bis 1998 das Amt des Bundeskanzlers und gilt als »Kanzler der Einheit«. Deshalb soll die Stiftung Kohls politisches Wirken für die »Freiheit und Einheit des deutschen Volkes« würdigen sowie dessen Einsatz für die europäische Integration. Kohl steht aber auch für die 1999 aufgedeckte CDU-Spendenaffäre.

Bislang gibt es in Deutschland sechs vergleichbare Stiftungen wie die Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung und die Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus.

ngo/dpa/afp
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