»Gewisse Satirequalität« Bundestag debattiert Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben – um 23.30 Uhr

Job und Familie zusammenzubringen, kann Abgeordnete ziemlich fordern. Wenn es zeitlich überhaupt machbar ist, wie ein kurioser Nachttermin im Bundestag zeigt.
SPD-Abgeordnete Wiebke Esdar mit Kinderwagen bei einer Abstimmung 2020

SPD-Abgeordnete Wiebke Esdar mit Kinderwagen bei einer Abstimmung 2020

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Christoph Hardt / Future Image / IMAGO

Das freie Mandat steht im Bundestag über den Niederungen des Elternzeitgesetzes. Eine Möglichkeit, für Kinder eine Babypause zu machen, gibt es für Abgeordnete nicht. So weit, so bekannt.

Aber selbst wenn Abgeordnete, die Mütter oder Väter von kleinen Kindern sind, viel auf sich nehmen, um den Politikeralltag neben der Elternschaft gewuppt zu bekommen, so war die Tagesordnung  der vergangenen Woche dennoch bemerkenswert. Genauer: Tagesordnungspunkt 27, in der 73. Sitzung des 20. Deutschen Bundestags.

Dazu aufgerufen werden sollte laut Plan zu familienunfreundlicher Zeit um 23.30 Uhr – und in der Debatte ging es ausgerechnet um eine EU-Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Eltern und pflegende Angehörige. Dass die Aussprache laut »Süddeutscher Zeitung«  erst um 23.32 Uhr begann, dürfte die Sache nur unwesentlich verschlimmert haben.

Der Grünenabgeordnete Anton Hofreiter, der sich in der Vergangenheit immer wieder mit Kind im Parlament blicken ließ, sprach der Zeitung zufolge von einer »gewissen Satirequalität«. Die Abgeordnete Katrin Staffler, 41, dagegen hat es erst gar nicht zur Sitzung geschafft.

»Durch diese Zeit ist sichergestellt, dass Betroffene nicht teilnehmen können«, sagte die CSU-Politikerin, seit Januar 2022 Mutter eines Sohnes, der »Süddeutschen Zeitung«. Obwohl sich die Abgeordnete aus Fürstenfeldbruck politisch mit der Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf befasst, war dieser Termin mit ihrem Privatleben nicht vereinbar.

Immerhin: Durch die Terminierung des Themas zu nächtlicher Stunde dürfte das Problem der schwierigen Vereinbarkeit von Familie und Beruf nun eine gewisse Aufmerksamkeit erlangt haben.

apr

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