Kleiderordnung Bundestag schafft Krawattenzwang für Schriftführer ab

Ein jahrelanger Zank im Bundestag ist zu Ende: Schriftführer dürfen nach SPIEGEL-Informationen ihre Funktion künftig auch ohne Schlips ausüben. Vor allem Linke und Grüne hatten zuletzt nur schwer Abgeordnete gefunden, die sich dem Krawattenzwang fügen wollten.
Ersatz-Schriftführerin Alpers (Linke, l., im Januar 2010): Schlipslos nun erlaubt

Ersatz-Schriftführerin Alpers (Linke, l., im Januar 2010): Schlipslos nun erlaubt

Foto: Rainer Jensen/ dpa

Hamburg - Gleich zu Beginn der neuen Legislaturperiode hat sich die Bundestagsführung auf eine Lockerung der Kleiderordnung verständigt. Auf Antrag der Präsidiumsmitglieder Claudia Roth (Grüne) und Petra Pau (Die Linke) beschloss das Gremium nach SPIEGEL-Informationen, den Krawattenzwang für Schriftführer abzuschaffen.

In den vergangenen Jahren war es immer wieder zum Streit über die Pflicht zum Binder gekommen. Vor allem die Fraktionen von Grünen und Linken hatten zunehmend Schwierigkeiten, männliche Abgeordnete als Schriftführer für das Präsidium zu stellen, da viele sich weigerten, einen Schlips anzulegen. Dieser Grund entfällt nun.

"Mit der Abschaffung des Krawattenzwangs haben wir die Fenster im Bundestag ein gutes Stück weiter aufgestoßen und viel Muff entweichen lassen", freut sich Claudia Roth über ihren ersten Erfolg als neues Präsidiumsmitglied.

Im Januar 2011 etwa hatte es eine regelrechte Posse um den Krawattenzwang gegeben: Die Abgeordneten Andrej Hunko (Linke) und Sven-Christian Kindler (Grüne) waren von der Liste der Bundestagsschriftführer gestrichen worden, weil sie sich geweigert hatten, einen Binder umzulegen. Als ein weiterer Linken-Schriftführer daraufhin ebenfalls ohne Schlips erschien, wurde er abgelöst - von seiner Fraktionskollegin Agnes Alpers, die sich aus Solidarität eine scharlachrote Krawatte umband.

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