DER SPIEGEL

Bundestag streitet über Moria "Ihr Agieren ist unmenschlich, Herr Seehofer"

Wie viele Flüchtlinge aus dem abgebrannten Camp auf Lesbos soll Deutschland aufnehmen? Der Bundestag führte darüber eine erregte Debatte. Im Mittelpunkt: der Innenminister.

Der Bundestag hat am Freitag über die Aufnahme von Flüchtlingen debattiert. Anlass war die Zerstörung des griechischen Flüchtlingslagers Moria durch mehrere Großfeuer in der Nacht zum Mittwoch. Dadurch wurden mehr als 12.000 Menschen obdachlos. 

Horst Seehofer, Bundesinnenminister (CSU) 

"Die Hauptaufgabe wird bei Frankreich und Deutschland liegen. Aber ich bin für jede Solidarität, und wenn sie auch nur wenige Flüchtlinge umfasst, in Europa dankbar, und deshalb wird es für uns wahrscheinlich eine Größenordnung - das hängt davon ab, wie viele Länder wir noch gewinnen - zwischen 100 und 150 Jugendlichen. Und wir werden die Umsiedlung nach Deutschland, wir werden alles daransetzen, dass dies noch im September erfolgt. Auch dies ist ein ganz konkretes Beispiel praktizierter Nächstenliebe." 

150 von 12.000 - eine viel zu geringe Zahl nach Ansicht von Hilfsorganisationen und Politikern von Grünen, SPD und Linken. 

Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender Die Linke  

"Kommunen, Städte, Länder fordern seit einer gefühlten Ewigkeit dazu auf, Menschen aufzunehmen und ihnen Sicherheit und Würde zu geben. Herr Seehofer, Ihr Verbot, was ja immer noch gilt, das zu ermöglichen, ist ein Skandal, der sofort enden muss. Und auch die 150, die Sie jetzt aufnehmen wollen, ändern daran ehrlich gesagt überhaupt nichts. Ihr Agieren ist nicht christlich, Ihr Agieren ist unmenschlich." 

Die AFD dagegen lehnt es kategorisch ab, Flüchtlinge aus Moria nach Deutschland zu holen. Sie sprach von "Feuerteufeln" unter den Migranten - obwohl die Ursache der Brände ungeklärt ist. 

Gottfried Curio, Abgeordneter AFD 

"Man macht sich hilflos, um daraus Ansprüche zu erpressen. Was für eine unverschämte Anspruchshaltung. Alles seit September 2015." 

Eine Äußerung, die im Parlament auf heftigen Widerstand stieß: 

Ute Vogt, Abgeordnete SPD 

"Es übersteigt meine Vorstellungskraft, wie man so kaltherzig, gemein sein kann und es widert mich persönlich richtig an, wie sie über Menschen und deren Leid hier reden." 

Auch die Oberbürgermeister von zehn deutschen Großstädten haben in einem gemeinsamen Brief an die Bundesregierung erneut ihre Bereitschaft erklärt, Flüchtlinge aus dem Lager aufzunehmen. 

 

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