Bundestag Traumatisierte Soldaten bekommen mehr Hilfe

Attentate, Unfälle, Gewalt: Immer häufiger kehren deutsche Soldaten nach Auslandseinsätzen traumatisiert von Schockerlebnissen in die Heimat zurück. Nach einem Beschluss des Bundestags sollen Betroffene künftig mehr Hilfe erhalten.


Berlin- PTBS nennen Fachleute die Krankheit, Posttraumatische Belastungsstörung. Eingängiger ist eine andere Bezeichnung: Rückkehrer-Trauma. Viele Soldaten, die im Auslandseinsatz Schreckliches erlebt haben, kommen mit diesen Erfahrungen nicht zurecht. Sie finden nach ihrer Rückkehr in die Heimat nicht wieder in den Alltag. Allein im vergangenen Jahr waren davon 245 Bundeswehrangehörige betroffen.

Deutscher Soldat in Afghanistan: Mehr Hilfe für traumatisierte Rückkehrer
DDP

Deutscher Soldat in Afghanistan: Mehr Hilfe für traumatisierte Rückkehrer

Künftig sollen sie mehr Hilfe bekommen. Der Bundestag beschloss am Donnerstag in Berlin einstimmig die Einrichtung einer zentralen Ansprechstelle für Betroffene sowie die Erforschung der Krankheit. Dafür soll Mitte dieses Jahres in Berlin ein Kompetenz- und Forschungszentrum geschaffen werden. Auch eine anonyme Hotline soll helfen.

Bislang werden Betroffene in verschiedenen Bundeswehrkrankenhäusern versorgt, schwerpunktmäßig in Hamburg. Zu den typischen Symptomen gehören wiederkehrende Erinnerungen an das belastende Erlebnis, Depressionen, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Angstzustände, Suchtprobleme und ein Rückzug von der Umgebung.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung mahnte bei der Debatte: "Seelische Verwundungen sind genauso ernst zu nehmen wie körperliche." Ein Trauma dürfe nicht als Schwäche empfunden werden. Der CDU-Politiker ermutigte betroffene Soldaten, Hilfsangebote auch anzunehmen. "Je schneller sich unsere Soldaten in ärztliche Behandlung begeben, desto größer sind ihre Chancen auf Gesundung."

Hintergrund ist die große Dunkelziffer an Soldaten, die sich aus Scham und Furcht vor Ausgrenzung nicht an einen Arzt wenden. Um mehr über diese bislang unbekannten Fälle zu erfahren, plädierte der Bundestag auch dafür, eine Studie in Auftrag zu geben.

Die Zahl der erkrankten Soldaten sei von 121 im Jahr 2005 auf 245 im vorigen Jahr gestiegen. "Dieser Anstieg ist sehr ernst zu nehmen", sagte Jung. Vor allem Rückkehrer aus dem Afghanistan-Einsatz seien betroffen. Die Zunahme der Erkrankungen liege zum einen an der "Einsatzintensität", zum anderen aber auch an zunehmender Bereitschaft der Soldaten, sich behandeln zu lassen. "Die Sensibilität für die Erkrankung hat zugenommen."

Laut Jung steht die Bundeswehr mit einem Anteil der PTBS- Erkrankten von etwa einem Prozent der Gesamtstärke der Streitkräfte international vergleichsweise "gut da". Unter den Afghanistan- Heimkehrern seien es aber mehr. Für die Heimkehrer sei inzwischen ein psychosoziales Netzwerk aufgebaut worden. Standortnah könnten die Soldaten "rund um die Uhr" kompetente Hilfe in Anspruch nehmen. Jung verwies auch auf die Website angriff-auf-die-seele.de, auf der sich Betroffene austauschen können.

Mehrere Abgeordnete warfen der Bundeswehr vor, sich erst jetzt, etliche Jahre nach ihrem ersten Auslandseinsatz Anfang der neunziger Jahre, diesem Thema zu stellen. Der SPD-Politiker Jörn Thießen würdigte aber, dass sich das Verteidigungsministerium nun aufgeschlossen zeige. Wie er mahnte auch der Grünen-Abgeordnete Winfried Nachtwei, es müsse ein "echtes" Forschungszentrum geschaffen und entsprechend finanziell und personell ausgestattet werden. Es dürfe nicht nur eine Alibifunktion haben.

Die FDP-Politikerin Elke Hoff berichtete, den wenigsten Menschen in Deutschland sei klar, wie groß die Ängste der Familien seien, deren Angehörigen in Auslandseinsätzen dienten. Auch die Linke, die jeden Auslandseinsatz der Bundeswehr ablehnt, stimmte dem Antrag zu. Ihr Abgeordneter Paul Schäfer sagte aber, die bessere Vorsorge wäre, die Soldaten gar nicht erst in solche Gefahrensituationen zu bringen. Das würde bedeuten, die Bundeswehr aus den Krisengebieten abzuziehen.

ler/dpa/ddp



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