Fotos aus dem Wahlkampf 2013 Dem Volk ganz nah

Große Gesten, große Worte: Deutschlands Spitzenpolitiker haben wochenlang Hände geschüttelt, an Wohnungstüren geklingelt, auf Ausflugsbooten mit dem Wahlvolk geklönt - und immer versucht, dabei eine gute Figur zu machen. Und das sah so aus.


Bundestagswahl 2013: Das ist Ihre Wahl
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Deutschland im September 2013. Den Spindoktoren der Union ist es gelungen, den Wahlkampf allein auf Angela Merkel zuzuschneiden, die Kanzlerin ist oft das einzige Argument auf den CDU-Wahlplakaten.

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Wohnwagen-Idylle im September in NRW. Es gäbe gute und wichtige Themen für eine Debatte um den zukünftigen Kurs Deutschlands: Wie soll unsere Gesellschaft funktionieren? Steuerrecht, Euro-Sanierung, NSA-Überwachung, ungleiche Löhne für gleiche Arbeit, absurde Energiekosten. Und auch die Frage: Soll für homosexuelle Paare das uneingeschränkte Adoptionsrecht gelten?

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Was wie eine trübselige Kulisse aus Deutschlands Osten wirkt, ist tatsächlich ein Straßenzug in München. Hier sieht es so gar nicht nach der Vorstufe zum Paradies aus, wie Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer seinen prosperierenden Südstaat nennt. Vielen Gemeinden in Deutschland, auch im schönen Freistaat, geht das Geld aus, es fehlt an Mitteln für Schulen, Bibliotheken, Straßen, Schwimmbädern.

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"Peer. I love you." Ein Anhänger von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück radelt durch Münster. Eine solche Aussage ist im Zusammenhang mit dem Kanzlerkandidaten zumindest ungewöhnlich.

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Steinbrück in einer Drogerie in Hamburg: Der SPD-Kanzlerkandidat hat es den Wählern nicht leicht gemacht. Seit seiner Nominierung stolperte er zunächst von einem Fettnäpfchen ins nächste, erst seit dem Fernsehduell mit Kanzlerin Merkel ist Steinbrück im Aufwind.

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SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück im Häuserwahlkampf in Mohnheim: Die Sozialdemokraten versuchen, auf den letzten Metern die Unentschlossenen für sich zu gewinnen. An Millionen Wohnungstüren soll geklopft, um Stimmen gebuhlt werden.

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Wahlkampf bedeutet auch, sich bürgernah zu zeigen. SPD-Parteichef Sigmar Gabriel beherzigte das. Beim Volksfest im bayerischen Karpfham griff er zum Messer - und zum Ochsen.

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Die hessische Landtagsabgeordnete Andrea Ypsilanti kämpft in Frankfurt am Main um Stimmen. In dem Bundesland wird am Sonntag ebenfalls ein neuer Landtag gewählt. Die SPD-Politikerin versucht in einem Friseursalon die Botschaft an die Damen zu bringen.

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Huch, was ist das? Eine Tänzerin in hautengem Kostüm entschlüpft bei einer CDU-Wahlkampfveranstaltung in Düsseldorf einer gigantischen Glaskugel. Die Frauenpolitik der Union hat in den vergangenen Jahren viel Kritik erfahren. Der Vorwurf an Familienministerin Kristina Schröder lautet, sie ignoriere die Ansprüche moderner junger Mütter und Familien - sowohl was Kinderbetreuung als auch Karrierechancen von Frauen angeht.

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Angela Merkel schreibt in Heringsdorf Autogramme. Die Beliebtheit der Kanzlerin ist ungebrochen. Auch - oder gerade weil - sie klare Aussagen und inhaltliche Debatten über den Kurs nach der Wahl weitestgehend vermieden hat. Ihr Spitzname "Mutti" bekommt in diesem Wahlkampf eine neue Bedeutung: Das Volk muss nicht alles wissen.

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Dass Kanzlerin Merkel bei öffentlichen Auftritten gern ihre Fingerspitzen zur Raute aneinanderlegt, wurde lange Zeit belächelt, als Zeichen der Unsicherheit gedeutet. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hat diese Geste zum Machtsymbol stilisiert. Ein gigantisches Plakat am Berliner Hauptbahnhof zeigt Merkels ruhende Hände im Schoß. Gibt es in Deutschland nichts anzupacken?

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Linken-Frontfrau Sahra Wagenknecht bei einem Auftritt in Leipzig. Die Linke steht in den Umfragen mit bis zu zehn Prozent nicht schlecht da, doch die Partei ist zerstritten. Fundis ringen mit Realos wie Gregor Gysi um den Kurs. Gysi schließt eine Regierungsbeteiligung nicht aus, Wagenknecht schon.

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Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt, KGE genannt, trat im Wahlkampf kaum in Erscheinung. Zu brav, zu angepasst wirkte sie. Der Hauch von Anarchie, der die Partei stets umschwebte, zum Lebensgefühl der Grünen-Klientel gehörte, ist perdu. In den Umfragen liegen die Grünen nur noch zwischen neun und elf Prozent.

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Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin beim Fahrradwahlkampf nahe Duderstadt: Wenige Tage vor der Bundestagswahl wurden Vorwürfe gegen Trittin laut. 1981 hatte er das Kommunalwahlprogramm der Alternativen-Grünen-Initiativen-Liste (AGIL) in Göttingen presserechtlich verantwortet, in dem Straffreiheit für gewaltfreie sexuelle Handlungen mit Kindern gefordert worden war. Trittin erklärte dazu: "Die Position ist falsch, war falsch und wurde von uns zu spät korrigiert."

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Was soll das Thema im Wahlkampf sein? Irgendwas mit Internet? Datensicherheit? Datenschutz? Die Piraten zeigten sich zum Thema Geheimdienstaffäre und Edward Snowden überraschend still. In Hannover präsentierten sie ein Milchplakat. Ohne Zweifel ist das auch bürgernah.

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Katharina Nocun, politische Geschäftsführerin der Piraten: Die Jungpolitikerin aalt sich in Plakaten der Partei. Laut den Umfragen gelang es den Piraten im Wahlkampf nicht, sich als relevante Stimme zu etablieren.

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Die Alternative für Deutschland ist die kleine Unbekannte im Spiel. Die Partei wirbt mit Anti-Euro-Parolen, versucht sich mit populistischen Aktionen wie hier am Brandenburger Tor zu profilieren. Seit Monaten sehen Meinungsforschungsinstitute die AfD unterhalb der Fünfprozentschwelle. Laut Forsa-Chef Güllner geht der Unterstützerkreis "eindeutig ins rechtspopulistische und rechtsradikale Milieu hinein".

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Anhänger der Freien Wähler in Abensberg: In Bayern hat die CSU am vergangenen Sonntag die absolute Mehrheit zurückerobert, die FDP ist aus dem Landtag rausgeflogen. Das wird wohl auch Auswirkungen auf die Bundestagswahl haben. Die Liberalen setzen nun bundesweit auf eine Zweitstimmenkampagne.

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FDP-Chef und Vizekanzler Philipp Rösler hatte mit seinen Liberalen wenig Fortune in den vergangenen Jahren. Die Umfragen waren lausig und sind es noch immer. In Rostock zumindest fand Rösler einen interessierten Zuhörer. Der darf aber leider noch nicht wählen.

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FDP-Mann Rainer Brüderle in Leonberg. Die Partei bangt um den Wiedereinzug in den Bundestag. Der 68-Jährige wurde von seiner Partei zum Spitzenkandidat bestimmt, doch der Altliberale hatte erst kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu. Bei einem Unfall hatte er sich im Frühsommer eine Hand und den Oberschenkel gebrochen, bei einer Wahlveranstaltung der FDP im September stürzte er erneut. Durch eine Zweitstimmenkampagne soll die Partei den Sprung über die Fünfprozenthürde schaffen.

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Angela Merkels Schweigen in der NSA-Affäre, der vermeintlich mangelnde Aufklärungswille haben viele irritiert. Bei einer Wahlveranstaltung in Dresden wurde die Kanzlerin selbst per Drohne ausgespäht, ein Mitglied der Piratenpartei hatte sie steigen lassen. Die CDU-Chefin scheint angesichts des Flugobjekts beinahe amüsiert - im Gegensatz zu Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière, der in den vergangenen Monaten seine eigene Drohnenaffäre erlebte.

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Peer Steinbrück in Rostock-Warnemünde. Es ist die alles entscheidende Frage: Wie kommt der SPD-Kandidat beim Wahlvolk an? Kann er mit seiner oft schroffen Art das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler erwerben? Kann er die vielen noch Unentschlossenen für sich gewinnen?

jul



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