Bundestagswahl Kleinpartei wirbt in NRW mit Erdogan-Plakaten

Recep Tayyip Erdogan ist im Bundestagswahlkampf auf einem Wahlplakat der Kleinpartei ADD zu sehen, die in der Gunst des Türkischen Präsidenten liegt. Von der türkischen Gemeinde gab es schnell Kritik.

ADD-Wahlplakat mit Recep Tayyip Erdogan
DPA

ADD-Wahlplakat mit Recep Tayyip Erdogan


In nordrhein-westfälischen Großstädten sind im Bundestagswahlkampf viele verschiedene Politiker auf Plakaten zu sehen: Dazu zählen unter anderem Kanzlerin Angela Merkel (CDU), SPD-Kandidat Martin Schulz - und jetzt auch Recep Tayyip Erdogan.

Die Kleinpartei Allianz Deutscher Demokraten (ADD) wirbt für die Bundestagswahl mit einem Bild des türkischen Präsidenten. Der türkische Text darauf zitiert Erdogan und bedeutet "Türkei-Freunde - Steht mit ihnen zusammen! Gebt ihnen eure Stimmen! Wachst mit ihnen!" Gemeint seien alle Parteien, die nicht türkeifeindlich seien, erklärte Ertan Toker, ein Bundestagskandidat der Migrantenpartei, die Erdogans Wohlwollen genießt.

Toker zufolge hängen die Plakate in Köln, Düsseldorf, Duisburg und Essen. Weitere Städte sollten folgen. Er verstehe das Zitat als Aufruf zur Wahl und damit als "Bereicherung der Demokratie", da viele Türkeistämmige nicht wählten.

Türkische Gemeinde empfindet das Foto "als Satire"

Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, sagte, er habe das ADD-Plakat mit Erdogans Foto "als Satire" empfunden. "Ein Staatsoberhaupt sollte sich eigentlich dagegen wehren, dass sein Name so missbraucht wird in einem fremden Wahlkampf", sagte er. In der deutschen Parteienlandschaft existierten genügend Parteien, in denen Menschen mit Migrationshintergrund mitarbeiten und ihre Ziele durchsetzen könnten. "Eine spezielle Migrantenpartei halte ich nicht für notwendig."

ADD-Gründer, Ramazan Akbas, sagte, das Plakat sei auch eine Reaktion auf Anti-Erdogan-Plakate, etwa von den Grünen. Diese werben mit "Erdogan ärgern, Özdemir wählen!". Die ADD war 2016 als Reaktion auf die Armenien-Resolution des Bundestags gegründet worden. Bei der NRW-Landtagswahl erhielt sie 0,1 Prozent der Stimmen. Zur Bundestagswahl tritt sie nur in Nordrhein-Westfalen an.



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aev/dpa



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