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12. September 2017, 18:12 Uhr

SPON-Wahltrend

SPD kann mit sozialer Gerechtigkeit nicht punkten

Welche Partei kann was am besten? Im SPON-Wahltrend punktet die Union bei innerer Sicherheit. Die SPD schneidet beim Kernthema soziale Gerechtigkeit mäßig ab - und verliert weiter in der Sonntagfrage.

Die SPD kämpft für mehr soziale Gerechtigkeit. Von Anfang an hat Martin Schulz auf dieses Thema gesetzt, bundesweit spricht der Kanzlerkandidat auf den Wahlkampfbühnen darüber, dass es vielen Menschen in der Republik nicht gut gehe. "Zeit für mehr Gerechtigkeit" lautet der zentrale Slogan der Sozialdemokraten - nur glauben die Menschen in Deutschland nicht, dass die Partei wirklich dafür steht.

Auf die Frage, ob die Regierungspartei SPD in den vergangenen vier schwarz-roten Jahren für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen konnte, sagt in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey mehr als ein Drittel: eher nicht. Und fast ein weiteres Drittel: nein. Für die Partei, bei der soziale Gerechtigkeit zum Markenkern gehört, sind das keine guten Werte.

Nun ließe sich einwenden, dass die SPD eben nur der Juniorpartner in der Koalition war und ist, womöglich also wollte, aber nicht konnte. Doch auch wenn es um die Kompetenzen der Parteien bei den fünf für die Wähler wichtigsten Themenfeldern geht, zeigt sich: Die SPD liegt bei der sozialen Gerechtigkeit zwar vor der Union, aber die Werte sind mäßig - und der Abstand zu CDU und CSU nicht besonders groß.

Knapp 30 Prozent halten die SPD für die kompetenteste Partei in sozialen Belangen. Gut 24 Prozent glauben eher an die Union. Den beiden großen Parteien folgt die Linke, der 17 Prozent der Befragten die größte Kompetenz in dieser Frage bescheinigen.

Die Union ist bei ihren klassisch starken Themen Innere Sicherheit und Wirtschaft gut beleumundet und gilt rund 45 Prozent der Befragten hierfür als die beste Partei, die SPD ist abgeschlagen.

Auch in der Außenpolitik fallen die Sozialdemokraten weit hinter die Union zurück. Dabei stellt die SPD in der GroKo den Außenminister. Erst war es Frank-Walter Steinmeier, jetzt führt Sigmar Gabriel das Auswärtige Amt - aber die Europa- und G20-Weltkanzlerin Angela Merkel macht die Punkte bei den Wählern (44 zu 22 Prozent).

Außerdem haben wir wie immer gefragt: Wen würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre?

Auch hier gibt es in dieser Woche schlechte Nachrichten für die SPD. Das TV-Duell vor neun Tagen hat sich für Merkel-Herausforderer Schulz und seine Partei nicht ausgezahlt. Im Gegenteil: Zwei Prozentpunkte geht es für die Sozialdemokraten im Vergleich zur Vorwoche nach unten, die anderen Parteien bleiben fast unverändert.

Die Union hält damit in der SPONtagsfrage ihren komfortablen Vorsprung aus der vergangenen Woche - sie landet bei 38,2 Prozent (+ 0,1). Der Abstand zur SPD vergrößert sich, denn die Sozialdemokraten rutschen weiter in Richtung 20-Prozent-Marke und holen zwölf Tage vor dem Wahltermin 22,1 Prozent im Wahltrend (- 2,0).

Für die anderen bleiben die Resultate weitgehend gleich. Die Grünen kommen nun auf 8,2 Prozent (+ 0,5), sie rücken etwas näher an die AfD heran (8,5 Prozent / + 0,3). Die Linke ist noch knapp stärkste der kleinen Parteien (9,3 Prozent), hat die FDP (9,1 Prozent) aber im SPON-Wahltrend knapp hinter sich.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 5. September bis 12. September 2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste mehr als 10.000 Befragte. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent.

Im Wahljahr befragen SPIEGEL ONLINE und Civey regelmäßig Leserinnen und Leser zu aktuellen politischen Themen. Stimmen Sie hier ab - den aktuellen Stand sehen Sie sofort, wenn Sie teilgenommen haben.

cht

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