SPIEGEL-Umfrageüberblick So knapp ist das Rennen zwischen Union und SPD

Die eigenen Werte sinken, die SPD rückt gefährlich nah: Für die Union um Kanzlerkandidat Armin Laschet läuft es im Bundestagswahlkampf nicht gut. Der SPIEGEL-Überblick zu den Umfragen zeigt, wie bedrohlich die Lage ist.

Ab Samstag soll alles besser werden. Dann tritt CDU-Chef und Kanzlerkandidat Armin Laschet gemeinsam mit CSU-Chef Markus Söder in Berlin auf, auch Kanzlerin Angela Merkel soll eine Rede halten. Vom offiziellen Wahlkampfauftakt im Tempodrom erhoffen sich die Unionsparteien ein Signal des Aufbruchs.

Das können sie gut gebrauchen. Denn aktuell läuft es für CDU und CSU mies (lesen Sie hier , wie angespannt die Stimmung intern bei der CDU ist). Zu planlos und defensiv wirkt Kanzlerkandidat Laschet im Wahlkampf, zu schlecht sind die Umfragewerte.

Söder beschrieb den Trend am Donnerstag im CSU-Präsidium als dramatisch. Es bestehe nach der Wahl die Gefahr einer Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen oder eines Linksbündnisses – zum ersten Mal seit 2005 wären die Unionsparteien dann in der Opposition.

Dabei schien es lange als ausgemacht, dass Laschet nach der Wahl am 26. September ins Kanzleramt einziehen würde. Zu komfortabel lag die Union fast durchgehend vor der politischen Konkurrenz, von einem kurzen Zwischenhoch der Grünen mit Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock einmal abgesehen. Die Frage schien lediglich, mit wem Laschet koalieren würde.

Inzwischen muss die Union ernsthaft befürchten, dass die lange Zeit weit abgeschlagene SPD um Kanzlerkandidat Olaf Scholz aufschließt – in einzelnen Umfragen ist das bereits der Fall.

Seit Wochen wird der Vorsprung der Union geringer, wie der SPIEGEL-Umfrageüberblick zeigt. Er enthält die Durchschnittswerte aus den veröffentlichten Umfrageergebnissen von zehn Meinungsforschungsinstituten. Diese erheben in der »Sonntagsfrage« regelmäßig repräsentativ, für welche Partei Wählerinnen und Wähler stimmen würden, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre.

Demnach kommt die Union gerade einmal noch auf 24 Prozent, ein deutliches Minus um Vergleich zur Wahl 2017. Die SPD ist mit 20 Prozent knapp an den Grünen vorbeigezogen. Die FDP legt leicht zu, AfD und Linke verlieren.

Wie bedrohlich die Entwicklung für die Union ist, zeigt der Zeitverlauf. Seit Januar haben CDU und CSU in den Durchschnittswerten zehn Prozentpunkte verloren, die SPD fünf hinzugewonnen. Die FDP hat ebenfalls zugelegt, AfD und Linke verzeichnen relativ konstante Werte.

Aus den Umfragen lässt sich auch ablesen, welche Koalitionen derzeit möglich wären. Seit der Gründung der Bundesrepublik regierte im Bund so gut wie immer ein Bündnis aus zwei Partnern – CDU und CSU hier als Union zusammengerechnet. Doch das könnte sich in diesem Jahr ändern, denn diese Konstellationen haben derzeit keine oder nur eine sehr knappe Mehrheit.

Entsprechend sind diverse Koalitionen aus drei Partnern zumindest rechnerisch möglich:

  • eine Kenia-Koalition aus Union, SPD und Grünen

  • ein Ampelbündnis (SPD, Grüne und FDP),

  • ein Jamaikabündnis (Union, Grüne und FDP)

  • oder die sogenannte Deutschland-Koalition (Union, SPD und FDP).

Mit den Werten für die Parteien verändern sich auch die Machtoptionen über die Zeit. Schien für Schwarz-Grün lange Zeit eine komfortable Mehrheit möglich, hat diese Option im Laufe des Jahres deutlich an Zustimmung eingebüßt. Die Große Koalition aus Union und SPD hatte zuletzt im Frühjahr dieses Jahres eine Mehrheit.

Die Umfragen zeigen, dass das Rennen fünf Wochen vor der Wahl ziemlich offen ist. Für die SPD mag das ein gutes Zeichen sein, für die Union nicht.

sep/ulz
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