+++ News-Update +++ Viele Deutsche vor der Bundestagswahl noch unentschlossen

Gut 40 Prozent wissen laut einer Umfrage noch nicht, wo sie ihr Kreuz setzen wollen. Im Flutgebiet Ahrtal wird im Pavillon gewählt. Und: Sigmar Gabriel rät Scholz, Nahles zurückzuholen. Der Tag im Wahl-Newsblog.
Ein Wahlzettel für die Bundestagswahl

Ein Wahlzettel für die Bundestagswahl

Foto: ArcheoPix / imago images/Christian Grube

An dieser Stelle beenden wir den News-Blog für heute. Weitere Nachrichten zur Bundestagswahl finden Sie weiterhin auf SPIEGEL.de

+++ Allensbach-Umfrage: Noch viele unentschlossene Wähler vor der Bundestagswahl +++

18.33 Uhr: Knapp zwei Wochen vor der Bundestagswahl ist einer Umfrage zufolge die Zahl der unentschlossenen Wählerinnen und Wähler höher als bei vorherigen Wahlen. Laut einer am Dienstag von der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« veröffentlichten Allensbach-Umfrage wissen erst 60 Prozent der zur Teilnahme an der Wahl entschlossenen Wähler, wen sie unterstützen werden. Vor vier Jahren lag dieser Wert demnach bei 65 Prozent, im Jahr 2013 sogar bei 76 Prozent.

Als wichtigsten Grund für ihre Unentschlossenheit nennen 63 Prozent der Befragten die Spitzenkandidaten, die allesamt nicht überzeugend wirkten. Zudem vertreten 56 Prozent die Ansicht, alle Parteien gäben zurzeit kein gutes Bild ab.

Bei der Bundestagswahl am 26. September wird der Umfrage zufolge eine hohe Wahlbeteiligung erwartet. 87 Prozent der Wahlberechtigten haben demnach vor, ihre Stimme abzugeben. 72 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich ganz sicher beteiligen wollen.

Zwickau will weiter für Abhängen rechtsextremer Plakate kämpfen

16.51 Uhr: Die Stadt Zwickau will gegen einen Gerichtsbeschluss vorgehen, wonach die Plakate der rechtsextremen Splitterpartei »III. Weg« mit dem Slogan »Hängt die Grünen« bleiben dürfen. Die Kommune halte die Entscheidung für falsch und werde deshalb beim Oberverwaltungsgericht Bautzen Beschwerde einlegen, um die Entfernung der Plakate zu erreichen, teilte Zwickau am Dienstagnachmittag mit.

Laschet und Merz stellen in Stuttgart Wirtschaftsprogramm vor

16.05 Uhr: Im Endspurt zur Bundestagswahl will Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet am Mittwoch zusammen mit Friedrich Merz in Stuttgart über Wirtschafts- und Finanzpolitik sprechen. Sie wollen sich beim Arbeitgeberverband Südwestmetall zu »Richtungsentscheidungen« in diesen Politikfeldern äußern, teilte die CDU am Dienstag mit.

Merz ist Mitglied im Expertenteam von Laschet. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, der wegen schlechter Umfragen schwer unter Druck steht, hat Steuersenkungen im großen Stil schon ausgeschlossen. Im Unions-Wahlprogramm gehe es darum, Bürokratie abzubauen, wirtschaftliche Fesseln zu lösen und neue Möglichkeiten für Wirtschaftswachstum zu schaffen.

Flutgebiet Ahrtal: Bundestagswahl auch in Pavillons bei Kleinbussen

15.45 Uhr: Im stark Flut-geschädigten Ahrtal ist die Stimmabgabe für die Bundestagswahl seit Dienstag auch in Pavillons neben Kleinbussen möglich. »Das hat es in der Form in Deutschland noch nie gegeben«, sagte der rheinland-pfälzische Landeswahlleiter Marcel Hürter am Dienstag. In der Verbandsgemeinde Altenahr und in der Kurstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler sollen bis zum 24. September insgesamt sechs Kleinbusse die Stimmabgabe ermöglichen.

Formal handelt es sich um eine Briefwahl. Die Menschen können dort auch Briefwahlunterlagen abholen, um dann zu Hause zu wählen. Bei der Flutkatastrophe am 14. und 15. Juli mit 133 Todesopfern im Ahrtal wurden etwa in Bad Neuenahr-Ahrweiler fast alle bisherigen Wahllokale beschädigt oder später anderweitig für Notfälle genutzt.

Die sechs Kleinbusse des Landesbetriebs Landesforsten sollen insgesamt rund 120 Mal für jeweils drei Stunden an verschiedenen Orten Station machen. Betreut wird die Aktion von Teams der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Mayen. Am Wahltag, dem 26. September, soll es in der Verbandsgemeinde Altenahr nur ein klassisches Wahllokal mit Urnen in einem Hotel geben, in Bad Neuenahr-Ahrweiler zwei Wahllokale in größeren Zelten.

Ärzte ohne Grenzen korrigiert Dobrindt

15.25 Uhr: Die private Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat mit einem Statement auf eine inhaltlich nicht korrekte Aussage von Alexander Dobrindt reagiert. Der CSU-Landesgruppenchef hatte im TV-Format »Der Vierkampf« mit Bezug auf die humanitären Hilfen für Afghanistan gesagt, dass von den bereitgestellten 600 Millionen Euro unter anderem auch Ärzte ohne Grenzen unterstützt werden würde.

Die größte unabhängige Organisation für medizinische Nothilfe schrieb dazu heute: »Diese Aussage ist falsch. Ärzte ohne Grenzen nimmt für seine humanitäre Hilfe in Afghanistan keine Gelder von Regierungen an, auch nicht von der deutschen Bundesregierung. Die Arbeit wird ausschließlich mit privaten Mitteln finanziert.«

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Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Olaf Scholz' Staatssekretär

15.08 Uhr: Es geht um einen Tweet wegen der Razzia im Bundesfinanzministerium: Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen Wolfgang Schmidt eingeleitet, den Staatssekretär von Finanzminister Olaf Scholz. Hier geht es zur Meldung.

Forsa-Umfrage: Union holt wieder auf, SPD stabil

14.32 Uhr: Rund zwei Wochen vor der Bundestagswahl hat die Union in einer neuen Umfrage wieder etwas Boden auf die SPD gut gemacht. Im RTL/ntv-Trendbarometer kommen CDU und CSU auf 21 Prozent, wie aus den nun veröffentlichten Daten des Meinungsforschungsinstituts Forsa hervorgeht. Das sind zwei Punkte mehr als noch in der Vorwoche. Die SPD bleibt mit 25 Prozent stabil und weiter vorn.

Auch die anderen Parteien verändern ihre Werte nicht – mit Ausnahme der FDP, die zwei Punkte verliert und jetzt mit 11 Prozent gleichauf mit der AfD liegt. Wenn jetzt Bundestagswahl wäre, könnten die Grünen der Umfrage zufolge mit 17 Prozent rechnen, die Linke mit 6 Prozent. Die sonstigen kleineren Parteien erreichen zusammen 9 Prozent. Jeder Vierte hat sich der Umfrage zufolge allerdings noch nicht entschieden, wen er wählt – oder will gar nicht wählen.

Gabriel rät Scholz zu Nahles-Comeback

13.45 Uhr: Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel kann sich ein Comeback von Andrea Nahles in der Politik vorstellen. Er würde Kanzlerkandidat Olaf Scholz raten, Nahles zurückzuholen, sagte Gabriel bei einem Wahlkampftermin in München. Für Partei- und Fraktionsvorsitz sei Nahles die Falsche gewesen. »Aber sie war eine blendende Arbeitsministerin und die SPD kann personell nicht gerade aus dem Vollen schöpfen«, so Gabriel.

Die Aussagen sind auch deshalb bemerkenswert, weil der Sozialdemokrat 2018 nicht Außenminister bleiben durfte. Eine Entscheidung, an der Scholz und Nahles wesentlich beteiligt waren. Die SPD hat ein mögliches Comeback von Nahles in der vergangenen Woche dementiert. »Ich weiß, dass da absolut nichts dran ist«, sagte ein Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Nahles war im Juni 2019 von allen Ämtern zurückgetreten.

Familienunternehmer würden bei Rot-Grün-Rot weniger investieren

12.45 Uhr: Im Falle eines Bündnisses von SPD, Grünen und Linken nach der Bundestagswahl würden Familienunternehmer einer Umfrage zufolge weniger in Deutschland investieren. Wie die Wirtschaftsverbände »Die Familienunternehmer« und »Die jungen Unternehmer« am Dienstag in Berlin mitteilten, würden 76 Prozent der Familienunternehmer beim Zustandekommen einer rot-grün-roten Koalition Investitionsvorhaben in Deutschland zurückstellen. Befragt worden seien 1160 Mitglieder der Verbände.

Demnach sagten 78 Prozent, die größten Sorgen bereiteten geplante »massive Steuererhöhungen«. 94 Prozent der Befragten befürchteten, eine solche Regierung würde das internationale Image des Wirtschaftsstandortes Deutschland negativ bis sehr negativ verändern.

»Die Umfrage bestätigt, dass eine rot-rot-grüne Bundesregierung eine riesige Gefahr für Investitionen und Arbeitsplätze wäre«, sagte Reinhold von Eben-Worlée, Präsident des Verbands »Die Familienunternehmer«. »Wer diese Koalitionsoption weiter offen hält, schädigt Wirtschaft und Arbeitsplätze. Denn wenn die Unternehmen nicht mehr genug investieren, verlieren sie schnell ihre Wettbewerbsfähigkeit – und dann leiden zuerst die Löhne und dann müssen Arbeitsplätze abgebaut werden.« Besonders eine Vermögensteuer würde den Familienbetrieben »größte Sorgen« bereiten.

Der Verband »Die Familienunternehmer« vertritt nach eigenen Angaben mehr als 180 000 Familienunternehmer.

Vor der Wahl mehr Beförderungen in Bundesministerien

11.53 Uhr: 2021 hat es in den Bundesministerien mehr Beförderungen auf gut bezahlte Beamtenstellen gegeben als im Vorjahr. Bis Ende August wurden 197 Stellen mit Besoldung der Stufen B3 oder höher neu besetzt, also Stellen für Beamte in Leitungsfunktion mit einem Grundgehalt von mindestens 8762,03 Euro im Monat. Das geht aus der Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervor. Im Vorjahreszeitraum waren es 165. In der laufenden Legislaturperiode wurde der Wert bis Ende August nur 2019, dem Jahr nach der zähen Regierungsbildung, mit 206 knapp übertroffen

Er befürchte, dass auch in den kommenden Wochen kräftig weiter befördert werde, sagte der FDP-Finanzpolitiker Otto Fricke. »Es ist schon bemerkenswert, wie vehement die aus dem Amt scheidenden Ministerinnen und Minister noch auf den letzten Metern die Operation Abendsonne vorantreiben.«

Bereits in früheren Jahren gab es den Vorwurf, dass Bundesregierungen vor einem erwarteten Regierungswechsel auf den letzten Drücker verdiente Mitarbeiter mit höheren Besoldungsstufen und schönen Posten belohnten. In Berlin ist diese Gepflogenheit unter dem Stichwort »Operation Abendsonne« bekannt.

Windkraft-Branche hofft auf neue Bundesregierung

11.20 Uhr: Die Windkraftbranche verspricht sich wichtige Impulse von der am Dienstag in Schleswig-Holstein eröffneten Messe Husum Wind. »Wir haben den Tiefpunkt durchschritten«, sagte der Präsident des Bundesverbandes Windenergie, Hermann Albers, am Dienstag in Husum. Bis Ende des Jahres werde in Deutschland ein Zubau der Windkraft von voraussichtlich 2,4 Gigawatt erreicht. Von der neuen Bundesregierung fordert die Branche ein Sofortprogramm.

Die kommende Legislaturperiode biete die letzte Möglichkeit, notwendige Schritte einzuleiten, um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen, sagte Albers. »Genehmigungen sollten nicht mehr sechs Jahre, sondern sechs Monate dauern.« Bis Freitag werden auf der Messe nach Angaben der Veranstalter bis zu 10.000 Besucher erwartet. Knapp 390 Aussteller zeigen dort ihre Erzeugnisse rund um die Windenergie und das Thema grüner Wasserstoff.

Habeck plädiert für neue Allianz mit der Landwirtschaft

10.55 Uhr: Die Grünen wollen eine »neue Allianz« mit der Landwirtschaft schaffen. Landwirte sollten mehr Einkommen generieren können, ohne weiter zu industrialisieren, sagte Grünen-Chef Robert Habeck am Dienstag im ARD-Morgenmagazin. Die europäischen Agrargelder sollten »qualifiziert« werden, sodass diejenigen Landwirte mehr öffentliches Geld bekämen, die »weniger Druck auf der Fläche haben«.

Habeck wurde in der Sendung von Magnus Hansen befragt, der in Schleswig-Holstein bewusst als konventioneller Landwirt arbeitet. Der Grünen-Vorsitzende sagte, es gehe nicht darum, dass jeglicher Landbau öko werden sollte. Er verglich die aktuelle Situation mit einem Meer aus konventionellem Landbau, in dem es Bio-Inseln gebe. Am Ende solle es eine Art Wattenmeer sein, wo sich das Ganze angleiche.

»Die Biolandwirte stellen eine Art Premiumklasse dar, aber wir werden es nicht schaffen, dass alle sofort in dieser Premiumklasse arbeiten«, sagte Habeck. Deswegen gehe es darum, die Distanz zwischen ökologischem Landbau und konventionellem Wirtschaften zu verringern.

Wie sich Laschet und die Union Mut machen

10.45 Uhr: Sofortprogramm, Kommunalwahlsieg in Niedersachsen, ordentliche Werte nach dem Triell: Unionskanzlerkandidat Laschet müht sich um Zuversicht für den Wahlkampfendspurt. Kann er die Stimmung noch drehen? Dieser Frage nehmen sich die Kollegen Florian Gathmann und Kevin Hagen hier an.

Verbände fordern von künftiger Regierung Konzept gegen Kinderarmut

10.18 Uhr: Sozialverbände in Deutschland haben von der nächsten Bundesregierung einen entschlosseneren Kampf gegen Kinderarmut verlangt. Nur ein umfassendes Reformkonzept wie die Kindergrundsicherung könne die Kinderarmut, die in Deutschland jedes dritte Kind betreffe, spürbar lindern, erklärte das Bündnis Kindergrundsicherung am Dienstag. »Eine konzeptionell vollständig durchdachte Kindergrundsicherung gehört in den nächsten Koalitionsvertrag und muss ein zentrales sozialpolitisches Projekt der nächsten Bundesregierung werden«, erklärte Jens Schubert, Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt und Sprecher des Bündnisses.

Heinz Hilgers, der Präsident des Kinderschutzbundes, beklagte, dass die Kinderarmut in Deutschland seit Jahren »anhaltend hoch« sei. Das Problem sei erkannt, es werde politisch aber zu wenig dagegen getan. »Jede Partei, die der zukünftigen Bundesregierung angehören will, muss dieses Thema auf ihrer Agenda und ein Konzept zur Bekämpfung der Kinderarmut in ihrem Programm haben.«

Das Bündnis verwies auf eine Forsa-Umfrage, derzufolge sich 76 Prozent der Befragten für eine Kindergrundsicherung aussprechen. Für eine Kindergrundsicherung plädieren in ihren aktuellen Wahlprogrammen SPD, Grüne und Linke.

AfD: Doppelte Staatsbürgerschaft nur für voll Integrierte

10.10 Uhr: AfD-Fraktionschefin Alice Weidel verteidigt Vorbehalte gegen eine doppelte Staatsbürgerschaft bei der Einbürgerung. Ab einem gewissen Punkt sollte man ein Bekenntnis abgeben, sagt Weidel in der ARD. »Dass dort, wo man auch lebt, dass man sich da auch zugehörig fühlt. Das ist der Grundgedanke.« Die AfD habe nichts gegen eine doppelte Staatsbürgerschaft, wenn man voll integriert sei.

Wenn sich ausländische Staatsbürger positiv in die deutsche Gesellschaft einbringen, sollten sie auch ein Recht auf die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Das gelte aber nicht für Menschen, die die deutsche Sprache nicht sprechen, sich in Parallelgesellschaften aufhalten – etwa in islamischen Parallelgesellschaften, und sich nicht integrieren wollten.

CSU in Bayern nur noch bei 28 Prozent

9.47 Uhr: Die CSU verliert laut einer Umfrage des Instituts GMS für Sat1 weiter an Rückhalt. Demnach könnte die CDU-Schwesterpartei bei der Bundestagswahl in Bayern nur noch 28 Prozent erreichen und gibt damit gegenüber vergangener Woche einen Prozentpunkt ab. Die SPD gewinnt derweil drei Prozentpunkte und landet damit auf 18 Prozent, während die Grünen unverändert bei 17 Prozent liegen.

Die FDP kommt laut dieser Umfrage auf zwölf (vorher: 13) Prozent, die AfD auf elf (zehn) und die Linke auf vier (drei) Prozent. Die Freien Wähler, die in Bayern mit der CSU regieren, kommen unverändert auf sechs Prozent. Auf die übrigen Parteien entfallen vier Prozent.

Noch mehr Plagiate in Büchern von Kanzlerkandidaten

9.33 Uhr: Plagiatsjäger Stefan Weber hat erneut Bücher der Kanzlerkandidaten untersucht. Vor allem bei Annalena Baerbock und Armin Laschet fand er mehr problematische Passagen als bisher bekannt.

Baerbock: Ökologischer Umbau ist Riesenchance für die Wirtschaft

8.58 Uhr: Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sieht in dem erforderlichen ökologischen Umbau »eine riesengroße Chance für die deutsche Wirtschaft«. Allerdings seien dafür »klare Vorgaben« erforderlich, sagte Baerbock in einem Gespräch in der Reihe »Wahl spezial« des Umweltverbands WWF, das am Dienstagvormittag im Internet ausgestrahlt wird. Ohne solche Vorgabe würde die sozial-ökologische Transformation nicht so schnell vorankommen wie notwendig, argumentierte die Grünen-Vorsitzende.

»Für mich ist es halt so, dass die Klimakrise nicht immer dieses ›Oh Gott, was alles nicht geht!‹ ist«, hob Baerbock hervor. Stattdessen solle man mehr auf die Chancen schauen. »Die Märkte der Zukunft werden klimaneutral sein und sie werden nachhaltig sein«. Dies könne für die deutsche Wirtschaft ein Vorteil sein.

Dafür müsse jedoch auch eindeutig gesagt werden: »Das ist in Zukunft noch erlaubt, das ist nicht erlaubt«, sagte Baerbock weiter. Mit Blick auf die Landwirtschaft sprach sie sich dafür aus, »dass öffentliche Gelder vor allem für öffentliche Aufgaben eingesetzt werden, nicht für Massentierhaltungsanlagen, sondern für Betriebe, die wirklich an die Tiere denken, an die Böden denken, an die Menschen denken«.

So lief der Schlagabtausch der kleineren Parteien

8.55 Uhr: Einen Tag nach dem Kanzler-Triell trafen die Spitzenkandidaten von FDP, Linke, CSU und AfD aufeinander. In 75 Minuten ging es um Rente, Außenpolitik, Steuer, Bildung – wie haben sich die vier Politiker geschlagen? Hier geht es zur Analyse der Kollegen Timo Lehmann und Severin Weiland.

Ökonom Fratzscher hält 12 Euro Mindestlohn für notwendig

8.43 Uhr: Unter anderem die SPD und die Grünen wollen bei einer Regierungsbeteiligung den Mindestlohn auf mindestens 12 Euro erhöhen. Laut dem DIW-Präsidenten Marcel Fratzscher würde eine solche Anhebung gut ein Fünftel der Beschäftigten deutlich mehr in die Kasse bringen, aber nur wenige Jobs kosten.

Linke lehnen Bekenntnis zur Nato ab

07.40 Uhr: Der verteidigungspolitische Sprecher der Linken, Tobias Pflüger, verweigert das von SPD und Grünen geforderte Bekenntnis zur Nato als Voraussetzung für eine mögliche Koalition. »Es ist so, dass Olaf Scholz von der Linken ja Bekenntnisse fordert. Und wenn er Bekenntnisse haben will, soll er in die Kirche gehen«, sagt der Parteivize im Deutschlandfunk. Es müsse viel mehr über Inhalte gesprochen werden, etwa über ein Ende der Auslandseinsätze, Abrüstung und Kürzung der Militärausgaben. »Wir fordern, dass das Zwei-Prozent-Ziel der Nato eben nicht mehr die Leitschnur sein soll«, betonte Pflüger.

Die Nato-Staaten hatten sich 2014 in Wales darauf verständigt, ihre Verteidigungsausgaben binnen zehn Jahren in Richtung zwei Prozent der Wirtschaftsleistung zu bringen.

Linke wirft Union Panikmache vor Rot-Grün-Rot vor

6.47 Uhr: Die Co-Chefin der Linken und Spitzenkandidatin, Janine Wissler, hat Warnungen vor einem rot-grün-roten Regierungsbündnis nach der Bundestagswahl zurückgewiesen und der Union vorgeworfen, »absurde Ängste zu schüren«. Auf die Frage, ob die Menschen Angst vor einer Bundesregierung mit Beteiligung der Linken haben müssten, sagte Wissler der Nachrichtenagentur dpa weiter: »Nein, die Menschen müssen Angst haben, dass es noch einmal vier Jahre so weitergeht wie jetzt.« Die größte Bedrohung für die Menschen sei, wenn Politik so weitermache.

Die Linkenchefin sagte, die nächste Bundesregierung sei die letzte, die noch Weichen für eine klimaneutrale Zukunft stellen könne. Wenn das nicht passiere, würden die Klimaziele nicht mehr erreichbar sein »und dann drohen wirklich Veränderungen, die wir alle nicht wollen«.

Der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel hält eine rot-grün-rote Koalition dagegen für sehr unwahrscheinlich. »Olaf Scholz ist ein Sozial-Liberaler, mit links hat er nichts am Hut. Auf ein Bündnis mit den Linken werden sich weder Scholz noch die Grünen einlassen«, sagte er der »Rheinischen Post«. Stattdessen erwartet Gabriel nach eigener Aussage eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP.

Klingbeil sieht Union in »panischem Attacke-Modus«

06.00 Uhr: SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sieht in der Aggressivität der Union im Wahlkampf-Endspurt ein Zeichen von Panik. »Seit über einer Woche werfen CDU und CSU mit Schmutz. Inhalte sind dabei weiterhin Fehlanzeige«, sagte Klingbeil der dpa. »Die Union schaltet jetzt unter großem Druck aus dem Schlafwagen in den panischen Attacke-Modus.« Bei den für die Bürger wichtigen Themen sei sie aber »komplett blank«.

Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hatte den SPD-Kandidaten Olaf Scholz am Sonntag im TV-Schlagabtausch von ARD und ZDF teils heftig attackiert – vor allem im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen die Geldwäsche-Spezialeinheit des Zolls. Scholz übernehme keine Verantwortung für Behörden, die seinem Finanzministerium angehörten, kritisierte Laschet unter anderem.

Söder legt im Streit mit SPD nach

05.45 Uhr: CSU-Chef Markus Söder hat die SPD erneut wegen ihrer historischen Rolle attackiert. Fakt sei: Ob Westbindung, Eintritt in die Nato und die Gründung der Bundeswehr unter Konrad Adenauer und Franz Josef Strauß – die Sozialdemokraten seien dagegen gewesen, sagte der bayerische Ministerpräsident der »Augsburger Allgemeinen«. »Auch bei der Deutschen Einheit lag Oskar Lafontaine völlig daneben.« Und schließlich sei die SPD gegen den Stabilitätspakt gewesen und habe stattdessen eine Schuldenunion in Europa gefordert. »Insofern ist an der These eine Menge Wahres.«

Unionskanzlerkandidat Armin Laschet hatte der SPD am Samstag auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg im Zusammenhang mit der Wirtschafts- und Finanzpolitik vorgehalten, »immer auf der falschen Seite« gestanden zu haben.

Politologe Korte hält Ausgang der Wahl noch für offen

05.30 Uhr: »Wir werden einen Wahlabend haben mit mehreren Kanzlermöglichkeiten – nicht nur mit einem«, sagte der Politologe Karl-Rudolf Korte der »Rhein-Zeitung«. Er hält den Ausgang der Bundestagswahl noch für offen. Es werde eine historische Abstimmung, bei der es am Wahlabend zwei mögliche Kanzler geben könne. Die Frage sei dann, wer ein Regierungsbündnis schmieden könne. »Auch der Zweite kann am Ende Sieger sein, wenn er Mehrheiten gestalten kann.«

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz sei »monumental unbeirrt immer er selbst geblieben«. Dennoch habe sich die Projektion der Menschen auf ihn geändert. »Weil er auf einmal bessere Umfragewerte hat, wird ihm gleichermaßen dann auch zugetraut, mehr zu können.« Für viele Wählerinnen und Wähler repräsentiere Scholz außerdem »das merkeligste Sicherheitsgefühl«.

als/svs/acs/mrc/dpa/AFP/Reuters/AP
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