Grünenpolitiker Trittin mahnt bei den Sondierungen zur Eile

»Die Welt wartet nicht auf uns«: Der frühere Umweltminister Jürgen Trittin wünscht sich eine schnelle Regierungsbildung. Das sei auch wichtig für die Politik der EU.
Jürgen Trittin, seit 1998 Bundestagsabgeordneter für die Grünen und ehemaliger Bundesumweltminister

Jürgen Trittin, seit 1998 Bundestagsabgeordneter für die Grünen und ehemaliger Bundesumweltminister

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M. Popow / imago images/Metodi Popow

Derzeit verhandeln Grüne, FDP, SPD und Union, welche Parteien eine neue Regierung bilden könnten. Grünenpolitiker Jürgen Trittin hat nun gefordert, sowohl bei den Sondierungen als auch bei den anschließenden Koalitionsverhandlungen zügig vorzugehen. »Die Welt wartet ja nicht auf uns«, sagte der frühere Grünen-Fraktionsvorsitzende und Bundesumweltminister im Bayerischen Rundfunk.

Der damals designierte Bundesumweltminister Jürgen Trittin 1998 mit Gerhard Schröder (SPD), der dann Bundeskanzler einer rot-grünen Regierung wurde

Der damals designierte Bundesumweltminister Jürgen Trittin 1998 mit Gerhard Schröder (SPD), der dann Bundeskanzler einer rot-grünen Regierung wurde

Foto: Tim_Brakemeier/ picture-alliance / dpa

Es müsse bald Klarheit darüber bestehen, wer Deutschland vertrete und führe. Trittin verwies auf den anstehenden Beginn der Beratungen für das größte Gesetzespaket der Europäischen Union, »das Europa bis 2030 auf den Kurs der Klimaneutralität bringen soll«.

Trittin fragte: »Wer vertritt da eigentlich die Bundesrepublik Deutschland? Die abgewählte Große Koalition? Oder eine Koalition mit Handlungsauftrag?« Alle an den Verhandlungen für eine neue Bundesregierung Beteiligten stünden unter Druck und müssten schnell Lösungen finden, sagte Trittin.

DER SPIEGEL

Trittin sieht unklare Situation der Union

Mit Blick auf das für Dienstag angesetzte erste Sondierungsgespräch von Grünen und Union sagte er, dieses finde in einer »spannenden Situation« statt. Er verwies auf die Vielzahl von Forderungen und Ankündigungen aus der Union, wie mit dem Absturz bei der Bundestagswahl umgegangen werden solle. So habe der Vorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban, gesagt, in der CDU dürfe jetzt kein Stein mehr auf dem anderen bleiben.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe für spätestens Januar einen Parteitag gefordert, so Trittin weiter. Er verwies auch auf einen »Bild«-Bericht, wonach der CDU-Politiker Friedrich Merz eine Mitgliederbefragung ins Spiel gebracht habe, »um sich selber an die Spitze setzen zu wollen«.

Trittin sagte weiter: »Das sind natürlich alles Fragen, die wir mit Spannung erwarten, wenn wir mit denen sprechen.« Es sei unklar, wer derzeit für die Union spreche. »Herr Laschet, die genannten Personen oder Markus Söder?«, fügte der Grünenpolitiker mit Blick auf den Kanzlerkandidaten Armin Laschet und CSU-Chef Söder hinzu. Trittin betonte zugleich, er wolle »dem Ergebnis eines solchen Gespräches nicht vorgreifen«.

lau/AFP