CDU-Prominenz Amthor und Klöckner verlieren ihre Wahlkreise

Julia Klöckner und Philipp Amthor kassieren Schlappen in ihren Wahlkreisen. Der einstige CDU-Hoffnungsträger unterliegt deutlich. Gewinne feiern hingegen Merz und Spahn.
CDU-Politiker Philipp Amthor auf der Wahlparty der CDU in Schwerin

CDU-Politiker Philipp Amthor auf der Wahlparty der CDU in Schwerin

Foto: Christian Charisius / dpa

Noch vor vier Jahren galt Philipp Amthor als Nachwuchshoffnung der CDU – nun hat er sein Direktmandat verloren. Nach Auszählung von 98 Prozent der Stimmen kommt der 28-Jährige demnach auf 20,7 Prozent der Stimmen, vor vier Jahren waren es noch 31,2 Prozent. Ablösen wird der SPD-Herausforderer Erik von Malottki oder der AfD-Politiker Enrico Komning – beide liefern sich mit 24,8 Prozent zu 24,7 Prozent der Stimmen noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Einen Platz im Bundestag könnte Amthor dennoch bekommen: Er steht auf Listenplatz eins der CDU in Mecklenburg-Vorpommern.

Amthor war im Frühjahr 2020 über eine Affäre rund um die Firma Augustus Intelligence gestolpert. Er hatte sich politisch für das Unternehmen starkgemacht, obwohl er gleichzeitig im Aufsichtsrat von Augustus Intelligence saß und Aktien hielt.

Der Jungpolitiker ist nicht der einzige prominente Politiker, der an einem Direktmandat scheiterte. Auch CDU-Rechtsaußen Hans-Georg Maaßen unterlag in Südthüringen – gegen den SPD-Politiker und Olympia-Gewinner Frank Ullrich. Und in Rheinland-Pfalz könnte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ihr Direktmandat verlieren.

Nach Auszählung von drei Vierteln der Stimmen in ihrem Wahlkreis Bad Kreuznach liegt SPD-Herausforderer Joe Weingarten mit 31,8 Prozent knapp fünf Prozentpunkte deutlich vor Klöckner. Bei der Bundestagswahl 2009 hatte Klöckner noch 47 Prozent der Erststimmen bekommen. In den Jahren danach war sie nicht direkt angetreten.

In Saarlouis unterliegt Wirtschaftsminister Peter Altmaier seinem Kabinettskollegen Heiko Maas. Der SPD-Außenminister kam nach dem vorläufigen Ergebnis auf 36,7 Prozent der Stimmen, Altmaier auf 28,0. Es war das bundesweit einzige Duell zweier Bundesminister um ein Direktmandat für den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2017 war es noch andersherum: Damals war Altmaier als Sieger vom Platz gegangen. Maas (55) war damals über die SPD-Landesliste in den Bundestag gerückt.

Auch Kanzleramtsminister Helge Braun verlor sein Direktmandat im Wahlkreis Gießen. Er unterlag gegen Felix Döring (SPD). Dem vorläufigen Endergebnis zufolge erreichte Döring 30,4 Prozent, während Braun auf 29,6 Prozent kam.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer unterlag im Wettbewerb um ein Direktmandat ebenfalls. Im Wahlkreis Saarbrücken verlor sie mit 25,1 Prozent der Stimmen gegen Josephine Ortleb (SPD), die auf 36,9 Prozent kam. Kramp-Karrenbauer hatte das Direktmandat im Wahlkreis Saarbrücken für die CDU zurückerobern wollen, nachdem dieses 2017 an die SPD gegangen war. Kramp-Karrenbauer kann noch über die Landesliste in den Bundestag einziehen. Sie steht auf Platz eins.

Spahn und Merz holen je 40 Prozent

Andere Unionspolitiker hingegen scheinen erfolgreicher zu sein. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sein Bundestags-Direktmandat verteidigt. Im nordrhein-westfälischen Wahlkreis Steinfurt I – Borken I kommt der CDU-Politiker nach Auszählung aller Wahlbezirke auf 40,0 Prozent der Erststimmen, büßt damit aber gegenüber 2017 (51,3 Prozent) deutlich ein.

Auch CDU-Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz hat das Direktmandat im Hochsauerlandkreis geholt. Nach Auszählung fast aller Stimmbezirke kommt er auf 40,5 Prozent der Erststimmen und distanziert damit den SPD-Kandidaten Dirk Wiese (32,2 Prozent). In der CDU-Hochburg schneidet Merz damit deutlich besser ab als seine Partei, die 33,5 Prozent der Zweitstimmen erreicht. Vorgänger Patrick Sensburg, den Merz als Direktkandidat verdrängt hatte, erreichte 2017 noch 48,0 Prozent.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zieht ebenfalls wieder in den Bundestag ein – allerdings mit massiven Stimmenverlusten. Im Wahlkreis Passau erhält er 30,7 Prozent der Erststimmen, das sind 16,8 Prozentpunkte weniger als vor vier Jahren. Der CSU-Politiker schneidet damit schlechter ab als seine Partei, die von 40,5 auf 32,5 Prozent der Zweitstimmen zurückfällt.

mrc/dpa
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