Bundestagswahl Erste Prognosen sehen enges Rennen zwischen SPD und Union

Bei der Bundestagswahl liegen SPD und Union ersten Prognosen zufolge eng beieinander. Die Grünen bleiben hinter den Erwartungen zurück, werden aber dritte Kraft vor der FDP.
Wer schafft es ins Kanzleramt? Die Konkurrenten Olaf Scholz (SPD, l.) und Armin Laschet (CDU)

Wer schafft es ins Kanzleramt? Die Konkurrenten Olaf Scholz (SPD, l.) und Armin Laschet (CDU)

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Harry Langer / Emmanuele Contini / NurPhoto / DeFodi Images / Getty Images

Deutschland hat gewählt – aber mit Schließung der Wahllokale um 18 Uhr ist noch völlig offen, wer demnächst ins Kanzleramt einziehen kann. SPD und CDU/CSU liegen den ersten Prognosen nach nahezu gleichauf.

Laut ARD-Prognose kommt die SPD auf 25 Prozent der Stimmen, ebenso CDU/CSU. Die Grünen liegen bei 15 Prozent, die FDP und die AfD jeweils bei 11 Prozent und die Linkspartei bei 5 Prozent. In der Prognose des ZDF liegen die Sozialdemokraten hingegen mit 26 Prozent einen Prozentpunkt vor der Union. Die Grünen kommen hier auf 14,5 Prozent, die FDP auf 12 und die AfD auf 10 Prozent. Die Linke liegt wie bei der ARD-Prognose bei 5 Prozent.

Für die Union zeichnen sich damit massive Verluste ab, die Grünen blieben hinter den Erwartungen zurück – gewinnen aber im Vergleich zu 2017 deutlich hinzu. Mit Annalena Baerbock hatte Bündnis 90/Die Grünen erstmals eine eigene Kanzlerkandidatin aufgestellt.

Vor vier Jahren hatten CDU/CSU 32,9 Prozent der Stimmen erhalten, die SPD war auf 20,5 Prozent gekommen. Die Grünen hatten 8,9 Prozent erhalten, die FDP 10,7 Prozent und die Linke 9,2 Prozent. Die AfD war erstmals in den Bundestag eingezogen und mit 12,6 Prozent größte Oppositionspartei geworden.

Ziemiak bringt Jamaika ins Gespräch

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sagte im ZDF: »Die SPD ist wieder da.« Die Partei habe »den Regierungsauftrag. Wir wollen, dass Olaf Scholz Kanzler wird.« CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hingegen bringt nach den ersten Prognosen eine Jamaikakoalition ins Gespräch. »Es gibt die Möglichkeit für eine Zukunftskoalition«, sagte er in der ARD. Man könnte mit Grünen und FDP regieren. Die Union habe eine Aufholjagd gezeigt. »Das wird noch ein langer Wahlabend.«

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt legt sich noch nicht auf eine mögliche Koalition fest. »Es geht um Klimaschutz und Gerechtigkeit«, sagte sie in der ARD zu anstehenden Koalitionsgesprächen. Sie räumte ein, man habe sich bei der Bundestagswahl noch etwas mehr erhofft.

Hoffen auf höhere Wahlbeteiligung

Insgesamt zeichnet sich in diesem Jahr eine höhere Wahlbeteiligung als zuletzt 2017 ab. In den Lokalen gaben bis 14 Uhr rund 36,5 Prozent der Berechtigten ihre Stimme ab, wie Bundeswahlleiter Georg Thiel bekannt gab. Vor vier Jahren waren es zwar mit über 41 Prozent noch mehr. Allerdings erwartet die Bundeswahlleitung unter anderem wegen der Coronakrise einen Anteil von Briefwählern von über 40 Prozent. Somit würde die Wahlbeteiligung von 2017 mit 76,2 Prozent noch übertroffen.

In Berlin, wo gleichzeitig die Wahl zum Abgeordnetenhaus stattfindet, gab es am Nachmittag deutliche Schwierigkeiten bei der Stimmabgabe. In einzelnen Wahllokalen wurden Wahlzettel zwischen den Bezirken vertauscht, in anderen gingen die Stimmzettel für die Abgeordnetenwahl komplett aus. Dies sorgte in einigen Bezirken für längere Wartezeiten für die Wählerinnen und Wähler.

Laschet irritiert mit sichtbarem Stimmzettel

Unions-Spitzenkandidat Armin Laschet hatte bei seiner Stimmabgabe für Aufsehen gesorgt, da er den Stimmzettel so faltete und in die Urne warf, dass sein Votum für die CDU sichtbar war. Eigentlich hätte laut Bundeswahlleiter der Zettel ausgetauscht werden müssen. Da er aber in die Wahlurne gelangte, könne er nicht mehr gewechselt werden und sei dennoch gültig. Eine Wahlbeeinflussung habe es mit dem sichtbaren Votum für seine Partei nicht gegeben.

mrc
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