Koalitionsspiele in Berlin Habeck will zuerst mit der FDP reden

Die Grünen können sich über einen deutlichen Stimmenzuwachs freuen – und womöglich mitregieren. Der Co-Vorsitzende Habeck will dabei auf taktische Erfahrungen aus Schleswig-Holstein zurückgreifen.
Grünenchefs Baerbock, Habeck: »Gute Chancen, stark in die nächste Regierung zu gehen«

Grünenchefs Baerbock, Habeck: »Gute Chancen, stark in die nächste Regierung zu gehen«

Foto: TOBIAS SCHWARZ / AFP

Die Grünen halten sich nach ihrem guten Ergebnis bei der Bundestagswahl alle Koalitionsoptionen offen. »Wir wollen regieren«, sagte der Co-Vorsitzende Robert Habeck in Berlin. Die Grünen hätten »gute Chancen, stark in die nächste Regierung zu gehen«. Geht es nach Habeck, stehen dabei zuerst Gespräche mit der FDP an.

Es gebe zwar eine »SPD-Nähe« bei den Grünen, aber auch ein Bündnis mit der FDP müsste zu einer eigenen politischen Stärke finden. Dies sei auch unter Führung der Union möglich, betonte Habeck. Wichtig sei, dass eine Regierung die passenden Antworten auf die Fragen der Zeit finde.

Habeck hat bereits Erfahrungen mit einer Jamaikakoalition: In Schleswig-Holstein hatte er die Grünen einst in eine Koalition mit FDP und CDU geführt.

Baerbock hofft auf »Klimaregierung«

Seine Co-Vorsitzende, die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, betonte, sie wolle eine »Klimaregierung«: »Dafür kämpfen wir jetzt weiter mit euch allen.« Vom eigenen Ergebnis zeigte sie sich enttäuscht, da habe man mehr gewollt, räumte sie ein. Das habe nicht geklappt, auch aufgrund eigener Fehler.

In den jüngsten Hochrechnungen von ARD und ZDF liegen die Grünen zwischen 14,6 und 14,7 Prozent. Eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur letzten Wahl: 2017 holte Bündnis 90/Die Grünen 8,9 Prozent der Stimmen.

Die SPD kommt in den Hochrechnungen auf 24,9 bis 25,6 Prozent, die Union auf 24,4 bis 24,7 Prozent. Für die FDP stimmten demnach 11,6 bis 11,7 Prozent. Die AfD holt 10,3 bis 11,1 Prozent. Die Linke liegt bei 5,0 Prozent. Rechnerisch könnten CDU/CSU und SPD wieder eine Große Koalition bilden – beide Parteien schließen das allerdings bislang aus.

So wird ein Dreierbündnis möglich: Die Union könnte mit FDP und Grünen in einer Jamaikakoalition regieren, die SPD könnte hingegen mit FDP und Grünen eine Ampel bilden. Unwahrscheinlich, aber ebenso möglich: eine Deutschlandkoalition aus Union, SPD und FDP. Die Grünen blieben dann außen vor.

mrc/dpa/Reuters
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