SPON-Wahltrend Alle wollen mehr Schärfe - nur nicht Unionsanhänger

Es solle endlich krachen: Eine Mehrheit wünscht sich im SPON-Wahltrend klare Kante zwischen Angela Merkel und Martin Schulz. Ausnahme: Anhänger von CDU und CSU.

Überbleibsel von SPD-Wahlveranstaltung
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Überbleibsel von SPD-Wahlveranstaltung


Es ist womöglich seine letzte Chance, der SPD im Wahlkampf noch einmal Schwung zu verleihen: Am Sonntag trifft Kanzlerkandidat Martin Schulz im einzigen TV-Duell auf Amtsinhaberin Angela Merkel. Viel hat der Sozialdemokrat bereits versucht, immer wieder neue Themen gesetzt - doch seit Monaten kommt seine Partei in den Umfragen nicht vom Fleck.

Merkel kann sich den Wahlkampf bislang gelassen aus der komfortablen Führungsposition der Union anschauen. Und das tut sie auch - einer direkten Auseinandersetzung mit der Konkurrenz geht die Kanzlerin weitgehend aus dem Weg.

Die Folge: Langeweile im Wahlkampf. Eine Mehrheit ist davon jedoch offensichtlich genervt. Im SPON-Wahltrend wünschen sich mehr als 60 Prozent der Befragten für eine schärfere Auseinandersetzung zwischen den Spitzenkandidaten. Nur etwa jeder Vierte will, dass alles grundsätzlich so bleibt.

Es fällt auf, dass sich die Anhänger fast aller Parteien mehrheitlich nach mehr Streit sehnen - einzige Ausnahme: CDU und CSU. Nur gut 15 Prozent der Befragten, die sich zur Union bekennen, wollen auf jeden Fall eine schärfere Auseinandersetzung. Zum Vergleich: Bei der SPD sind es mehr als die Hälfte, ebenso bei AfD und Linke.

Um den eigenen Wahlkampf doch noch zu befeuern, setzten die Sozialdemokraten sogar auf Altkanzler Gerhard Schröder - jenen Mann, der mit seiner Agenda-Politik die Partei gespalten hatte. Auf dem Parteitag der SPD Ende Juni hielt Schröder eine kämpferische Rede.

Doch mittlerweile verschärft sich die Kritik an dem Ex-Vorsitzenden wieder. Der Grund: Schröder will sich in den Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft wählen lassen. Gegen das Staatsunternehmen hatte die EU nach Russlands Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim Sanktionen verhängt.

Im SPON-Wahltrend stoßen Schröders Pläne auf breite Kritik. 40 Prozent antworten auf die Frage, ob sie das Engagement des Altkanzlers problematisch finden, mit "Ja, auf jeden Fall". Etwa jeder Fünfte stimmt für "eher ja". Nur rund 33 Prozent haben keine Probleme damit.

Besonders kritisch sehen Schröders angedachte neue Rolle die Anhänger von Union und Grünen. Jeweils mehr als 50 Prozent hielten einen Aufsichtsratsposten in dem Konzern "auf jeden Fall" für problematisch.

Anders sieht es dagegen bei Schröders eigener Partei aus. Das größte Verständnis für Schröder haben dagegen die Anhänger der AfD: Fast jeder Zweite sieht dort kein wesentliches Problem darin, wenn der Altkanzler für den russischen Konzern arbeitet.


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