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Wahldesaster der FDP Rösler kündigt Rücktritt an, Lindner will übernehmen

Philipp Rösler zieht die Konsequenz aus dem Debakel der FDP bei der Bundestagswahl: Im Präsidium kündigte er seinen Rücktritt vom Parteivorsitz an, auch der gesamte Bundesvorstand steht vor der Ablösung. Nun will Christian Lindner Liberalen-Chef werden.

Berlin - Die FDP hat bei der Bundestagswahl eine bittere Schlappe kassiert, scheiterte an der Fünfprozenthürde. Nun hat das schlechte Ergebnis erste personelle Folgen: FDP-Chef Philipp Rösler hat am Tag nach dem Urnengang im Parteipräsidium nach Angaben von Teilnehmern seinen Rücktritt angekündigt. Als Nachfolger will sich NRW-Landeschef Christian Lindner bewerben.

Im Präsidium habe Einigkeit bestanden, dass der gesamte Bundesvorstand zurücktreten solle, hieß es am Montag. Die Partei hatte mit 4,8 Prozent ein historisch schwaches Ergebnis erzielt und ist erstmals seit Gründung der Bundesrepublik im Bundestag nicht mehr dabei.

Der für Januar geplante Sonderparteitag zur Europawahl könnte vorgezogen werden, um die Parteiführung neu zu bestimmen, hieß es in Parteikreisen. Rösler hatte das Amt des Parteichefs im Mai 2011 übernommen und wird es voraussichtlich bis zum neuen Parteitag weiterführen.

Bereits in einer ersten Reaktion am Sonntagabend hatte Rösler einen solchen Schritt angedeutet. "Ich werde politisch die Verantwortung übernehmen", hatte der 40-Jährige im Beisein seiner Frau und dem Präsidium in Berlin gesagt. Er habe in schwieriger Zeit die Führung der Partei übernommen. Trotz einiger gewonnener Landtagswahlen sei es ihm nicht gelungen, einen Aufbruch für die Bundestagswahl zu erzeugen, so der FDP-Mann. Rösler ist bis zur Bildung einer neuen Regierung weiter Bundeswirtschaftsminister.

Kräftig Werbung für Lindner an der FDP-Spitze

Im Laufe des Vormittags hatten sich in der Partei Stimmen gemehrt, die einen personellen Neuanfang an der FDP-Spitze verlangen. So hatte der scheidende FDP-Bundestagsabgeordnete Jürgen Koppelin ein Duo aus Lindner und dem schleswig-holsteinischen Spitzenkandidaten Wolfgang Kubicki als neue Hoffnungsträger ins Spiel gebracht. "Wenn die beiden wollen, auf jeden Fall", sagte Koppelin am Montag im Deutschlandfunk auf die Frage, ob diese zwei das Tandem der liberalen Partei der Zukunft bilden könnten.

Auch Kubicki selbst hat sich bereits in die Personaldebatte eingemischt - und kräftig Werbung für Lindner gemacht: "An Christian Lindner kommt niemand vorbei. Er ist jemand, der die Partei aus der Lethargie herausführen kann", so Kubicki.

jok/sev/Reuters/AFP