Parteizentralen im Porträt Die Herzschrittmacher des Wahlkampfs

Die heiße Wahlkampfphase läuft, Deutschland wird überschwemmt von Plakaten, Politiker-Auftritten und Info-Ständen. Doch wie sieht es hinter den Kulissen der Kampagnen aus? SPIEGEL ONLINE hat drei Parteizentralen fotografiert.

HC Plambeck

Von und Hans-Christian Plambeck (Fotos)


Berlin - Mindestens 56 Millionen Euro pumpen die im Bundestag vertretenen Parteien in den Wahlkampf. Am 22. September soll sich die Mega-Investition in Stimmen auszahlen. Bis dahin liefern sich Spitzenpolitiker ein Wettrennen um Mobilisierung, Wiedererkennungswert und Aufmerksamkeit.

Zwölf Tage vor der Wahl sieht es weder nach einer klaren Mehrheit für Schwarz-Gelb noch für Rot-Grün aus, 30 bis 40 Prozent der Bürger sind unentschieden. In der heißen Phase wollen die Wahlkämpfer deshalb noch einmal alles geben.

Die SPD absolviert Hunderttausende Hausbesuche, die CDU macht die Kanzlerin zur Marke, die Grünen wollen sogar auf Schlaf verzichten. Ganz Deutschland wird von Plakaten, Auftritten und Info-Ständen überschwemmt. Doch wie es hinter den Kulissen aussieht, wer die Köpfe hinter der Kampagnen sind, das kriegt man selten zu sehen.

Kampa, Adenauer-Haus, Basislager - SPIEGEL ONLINE hat die Wahlkampfzentralen von SPD, CDU und Grünen besucht. Klicken Sie sich durch die drei Fotostrecken!


1. Wenn die Kampa anklopft - Im Zentrum des SPD-Wahlkampfs

Klingeln für jede Stimme: Tür-zu-Tür-Aktionen sind der wichtigste Baustein der SPD-Wahlkampagne. Tausende Freiwillige ziehen mit Direkt- und Listenkandidaten durch Reihensiedlungen, Neubaublöcke und Wohnhäuser. Fünf Millionen solcher Hausbesuche will die SPD schaffen, jeder der 299 Wahlkreise hat dafür ein eigenes Team, das bis zum Wahltag ausschwärmt. Zeitgleich reist Spitzenkandidat Peer Steinbrück in Arena-artigen Zeltbühnen durchs Land. Koordiniert wird das ganze in der Kampa - der Wahlzentrale der SPD in Berlin. Klicken Sie sich durch die Fotostrecke (14 Bilder)!

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Die Zentrale der SPD: Klingelwahlkampf aus der Kampa

2. Deutschlandzimmer der CDU - Alles auf Merkel

Die CDU ballt ihre Prominenz in Personalunion und Gestalt von Angela Merkel. Die Kanzlerin lächelt von Großplakaten herab, per Smartphone-App kann man sie zu sich sprechen lassen. Eine pompöse Show eröffnete den Schlussspurt, in der Hauptstadt prangt eine überdimensionale Merkel-Raute, die typische Handhaltung der Kanzlerin, an einer Fassade. Im Hintergrund feilt das "teAM Deutschland" am Wahlkampf, ein Haufen junger Leute hat sich für ein paar Monate in der Parteizentrale einquartiert. Manchmal kommt die Chefin auch persönlich vorbei. Klicken Sie sich durch die Fotostrecke (14 Bilder)!

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Die Zentrale der CDU: Alles auf Merkel

3. Schlaflos im Basislager - So wahlkämpfen die Grünen

"Und du?", fragen die Grünen-Plakate, Kugelschreiber und Werbespots. Die Grünen-Kampagne soll sympathisch rüberkommen und zugleich das Kunststück vollbringen, bürgerliche und jung-urbane Wählerschichten gleichermaßen anzusprechen. Ob's funktioniert? Zuletzt nagten Steuererhöhungspläne und Veggie-Day-Debatte an den Prozenten, die Umfragewerte sanken. Im Endspurt soll noch mal alles an Mobilisierung aufgefahren und auf Schlaf verzichtet werden. Wer zieht im Berliner Basislager die Fäden? Klicken Sie sich durch die Fotostrecke (14 Bilder)!

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Die Zentrale der Grünen: Komm auch du, pack zu!
SPIEGEL ONLINE berichtet rund um die Uhr aus der heißen Wahlkampfphase. In der Wahlwette können Sie Ihren Tipp für den Ausgang der Bundestagswahl abgeben und das Rennen der Direktkandidaten verfolgen. Im Wahl-O-Mat finden Sie heraus, wen Sie wirklich wählen wollen. Kuriose, ungewöhnliche und bemerkenswerte Fundstücke finden Sie in unserem Wahlblog.

ZUR PERSON

Fotograf Hans-Christian Plambeck porträtiert Personen aus Politik und Wirtschaft und beobachtet die Berliner Republik. Für SPIEGEL ONLINE ist er häufig auf Parteitagen und anderen Veranstaltungen im Einsatz. In den kommenden Wochen hält er besondere Momente aus dem Wahlkampf fest. Bis zur Bundestagswahl zeigen wir in regelmäßigen Abständen die Ergebnisse seiner Arbeit. Mehr ausgesuchte Fotografien finden Sie auf seiner Website.



insgesamt 20 Beiträge
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schwarzeruhu 11.09.2013
1. Wahlkampf als Nachricht
Das Stattfinden eines Wahlkampfes ist die Botschaft. Politische Auseinandersetzung? Fehlanzeige. Das werfe ich nicht Spiegel Online vor, das ist ein allgemeiner Trend. Die Entpolitisierung der Politik, ihr Umwandlung in einen nur reaktiven Verwaltungszirkus (Administratotainment) gefällt mir nicht.
merapi22 11.09.2013
2. Zu lamer Wahlkampf, zu wenig Argumente, keine Atacke gegen politische Gegner!
So langweilig war noch kein Wahlkampf. Was wirklich fehlt sind Zukunfts-Visionen! Wie war das noch interessant als Ludwig Erhard: Wohlstand für alle versprochen hat. Als Ludig Erhard den Kapitalismus zur Sozialen Marktwirtschaft machte als Zugewinnwirtschaft für alle! Wenn man Arbeiter zwingt ohne Gewinn zu arbeiten, dann zwingt man auch bald Unternehmer ohne Gewinn die Waren zu verkaufen, den Vermieter ohne Gewinn zu vermieten. Im wiedervereinigten Deutschland ist diese Vision leider immer noch nicht umgesetzt, keine Partei hat Konzepte wie man dies verwirklicht. Oder doch eine: http://wiki.piratenpartei.de/Blog_erstellen
Jom_2011 11.09.2013
3. .
Was für eine Verschwendung an Ressourcen... Kurz und bündig hätten die einen kurzen TV-Spot schalten können und es hätte die gleiche Wirkung gehabt. "Wir machen weiter wie bisher...". Vor der Wahl große Versprechungen und danach, wird nach Aktenlage gehandelt.
Cortado#13, 11.09.2013
4. Der Feind des Wahlkampfs ist die repräsentative Umfrage, die geziehlt....
Zitat von sysopHC PlambeckDie heiße Wahlkampfphase läuft, Deutschland wird überschwemmt von Plakaten, Politiker-Auftritten und Infoständen. Doch wie sieht es hinter den Kulissen der Kampagnen aus? SPIEGEL ONLINE hat drei Parteizentralen fotografiert - sehen Sie hier die eindrucksvollsten Bilder. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundestagswahl-hinter-den-kulissen-der-wahlkampfzentralen-a-920789.html
selbst einen gut geführten Wahlkampf beinträchtigen kann. Jeder Wahlkämpfer bis hin zu dem Kanzler-in Kandidaten, muss immer wieder die sogenannte repräsentative Umfrage fürchten. So könnte man behaupten, dass die Herzschrittmacher des Wahlkampfs die Umfragen sind. Wer steht hier nun der Regierungspartei CDU im Weg? SPD, GRÜNE und AFD. Die SPD ist im Aufwind, von der AFD will bewusst niemand reden, also knöpft man sich repräsentativ (franz.) vertretend; typisch; wirkungsvoll (?); jetzt z.B. die GRÜNEN vor. Man fragte 2'500 "repräsentativ" ausgesuchte Bundesbürger, von 60 Millionen Wahlberechtigten! Was soll da nun repräsentativ sein??? Bei "Frag Wikia" fand ich folgende Frage: "Ab wie vielen Teilnehmern gilt eine Umfrage als repräsentativ? Antwort: Dies hängt primär von der erwünschten "maximalen" Abweichung, und der erwünschten (!) statistischen (Un-) Sicherheit ab!!! Also ist doch der Feind des Wahlkampfs eindeutig die Umfrage, die wie ein Unheil bringender Schatten als Schreckgespenst über den Kandidaten schwebt!?
negawthcenk 11.09.2013
5. Die linke ....
...bei der letzten Bundestagswahl und auch laut aktuellen Umfragen stärker als die Grünen, taucht hier natürlich ganz zufällig gar nicht auf ;-) Was war überhaupt die letzten Wochen über diese Partei hier zu lesen...?! Trotz der medialen Ignoranz schlägt sie sich tapfer und legt immer mehr zu. Respekt !
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